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„Trump International Golf Links“ Trumps Firma bittet London um Geld

Donald Trump stand wegen seiner Golfanlage

150 Menschen arbeiten auf Donald Trumps Golfanlage in Schottland – nun möchte die Firma die britische Regierung für sie zahlen lassen. Das ist kein Einzelfall.

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Donald Trumps ganzer Stolz in Großbritannien liegt nur 15 Autominuten nördlich von Aberdeen: Die „Trump International Golf Links“. Der (laut Trump) „großartigste Golfplatz der Welt“ schlängelt sich durch die so schroffe wie malerische Küstenlandschaft im Nordosten Schottlands.

Umstritten ist die Anlage nicht nur, weil Trump jahrelang einige Anwohner wüst gemobbt hat. Der Golfplatz liegt auch in einem vormals einzigartigen System aus Wanderdünen, die Experten zufolge nun unwiederbringlich ruiniert sind. Und von den Tausenden von Jobs, die Trump der angeschlagenen Region versprochen hat, fehlt ebenfalls jede Spur. Stattdessen arbeiten in den Trump International Golf Links bestenfalls 150 Menschen – Teilzeitkräfte mitgerechnet.

Und selbst die möchte die Trump Organization nun nicht länger bezahlen – sondern den britischen Steuerzahlen dafür aufkommen lassen. Das gleiche gilt für die Mitarbeiter von Trumps Turnberry, dem zweiten schottischen Ressort des US-Präsidenten.

Die britische Regierung bietet derzeit allen Firmen an, vorübergehend 80 Prozent der Löhne und Gehälter ihrer Angestellten bis zu einem Betrag von 2500 Pfund zu übernehmen, falls diese wegen der Coronakrise nicht arbeiten können. So sollen Massenentlassungen verhindert werden, wie man sie derzeit in den USA beobachten kann. Die Maßnahme soll wohl auch dazu beitragen, den sozialen Frieden im Land zu bewahren. Denn die Tory-geführten Regierungen seit 2010 haben die sozialen Sicherungssysteme des Landes dermaßen demontiert, dass es heute mehrere Wochen dauert, bis Antragsteller die geringen Unterstützungsgelder erhalten, die überhaupt noch gezahlt werden. In der aktuellen Krise wären die Folgen von massenhaften Jobverlusten daher unabsehbar.

Und so begrüßt es die britische Öffentlichkeit auch mehrheitlich, dass die Regierung von Premier Boris Johnson versucht, möglichst viele Jobs zu erhalten. Daran, dass derzeit immer mehr finanzkräftige Unternehmer auf staatliche Zahlungen zurückgreifen, anstatt ihre Angestellten aus eigener Kraft über Wasser zu halten, regt sich jedoch Kritik.

Die kommt beispielsweise von der Politik. Auf die Bestrebungen der Trump Organization angesprochen, staatliche Hilfsgelder in Anspruch zu nehmen, sagte Schottlands Erste Ministerin Nicola Sturgeon, es sei rechtens, dass die Regierung Unternehmen eine „nie zuvor dagewesene Unterstützung“ zukommen lasse. Aber Unternehmen sollten auch darüber nachdenken, über sie diese Unterstützung wirklich bräuchten. Unternehmen, die „tiefe Taschen“ hätten, sollten es sich überlegen, ob sie auf Steuergelder zurückgreifen wollten.

Trumps Sohn Eric, der mit seinem Bruder Donald Jr. die Trump Organization leitet, gab darauf eine vielsagende Antwort. Es gehe dabei „lediglich darum, Leute und ihre Familien zu schützen, die sonst keine Arbeit hätten“, erklärte Eric Trump. Das Joberhaltungsprogramm der britischen Regierung habe „nichts mit der Trump Organization zu tun“, fügte er hinzu. Das Unternehmen profitiere davon nicht.

Trumps Firma hat auch für das Golfressort im irischen Doonberg staatliche Unterstützung von der dortigen Regierung beantragt. Auch dort löste der Schritt wenig Begeisterung aus. „Es ist ein Schema, das entworfen wurde, um Unternehmen dabei zu helfen, in beispiellos unsicheren Zeiten den Kopf über Wasser zu halten“ schrieb etwa die Tageszeitung Irish Post. „Aber sollten selbsterklärte Milliardäre das nutzen?“

In Großbritannien richtet sich solche Kritik in diesen Tagen nicht nur gegen Trump. Mehrere britische Tycoons, die in Steueroasen leben, haben für ihre Firmen ebenfalls Zuschüsse dafür beantragt, damit sie ihre Mitarbeiter nicht entlassen. Unter ihnen sind der umstrittene Einzelhandels-Magnat Philip Green, der in Monaco lebt und in der Vergangenheit häufiger mit fragwürdigen Praktiken auf sich aufmerksam gemacht hat. Der Milliardär schickte Anfang des Monats 14.500 seiner 16.000 Angestellten in den unbezahlten Zwangsurlaub und bat den Staat, bei den Löhnen und Gehälter einzuspringen.

Mehrere andere schwerreiche britische Unternehmenschefs, die wie Green in Monaco leben, haben in den vergangenen Wochen ebenfalls die Regierung darum gebeten, für die Löhne und Gehälter ihrer Angestellten aufzukommen.

Robert Palmer von der Kampagnengruppe Tax Justice UK sagte dazu, die oberste Priorität müsse es natürlich sein, nach den Angestellten zu schauen. „Aber es fühlt sich zutiefst ungerecht an, wenn sehr reiche Leute, die in guten Zeiten Großbritannien verlassen haben und in Steueroasen gezogen sind, die Regierung um Geld bitten, wenn die Zeiten schwieriger werden.“

Und auch mehrere hochrangige Geistliche schalteten sich in die Debatte ein. Rowan Williams, der zwischen 2002 und 2012 Erzbischof von Canterbury und somit das geistliche Oberhaupt der Kirche von England war, rief die Regierung dazu auf, Hilfszahlungen an Unternehmen zu verweigern, die in Steueroasen registriert sind. Williams sagte, während „gefährdete Menschen den Preis zahlen für ein unterfinanziertes und unvorbereitetes Gesundheitssystem“, zögen sich einige Konzerne aus der Verantwortung zurück, machten enorme Gewinne und versteckten sich in Steueroasen. Er rief London dazu auf, dem Beispiel Dänemarks, Polens und Frankreichs zu folgen und Firmen, die in Steueroasen ihren Sitz hätten, Bailouts zu verweigern.

Die meiste Kritik richtete sich in jüngster Zeit auf Großbritanniens wohl prominentesten Steuer-Exilanten: Richard Branson. Der Virgin-Chef zahlt schon seit 14 Jahren persönlich keine Steuern in Großbritannien mehr und lebt mit seiner Frau auf einer Privatinsel im Steuerparadies British Virgin Islands. Branson beschäftigt in seinem Firmenimperium in 35 Ländern 70.000 Angestellte. Auch dort hat Corona eingeschlagen wie eine Bombe.

Dabei sorgte Branson, dessen Vermögen auf 4,7 Milliarden Pfund geschätzt wird, schon vor Wochen für Kritik, als er die Mitarbeiter seiner Airline Virgin Atlantic darum bat, einen achtwöchigen unbezahlten Urlaub in Anspruch zu nehmen. Der konservative Abgeordnete Richard Fuller rechtete daraufhin vor, dass Branson in der Lage sein müsste, allein schon durch die Zinsen auf sein Vermögen die Löhne und Gehälter seiner Angestellten weiter zu bezahlen.

Branson antwortete auf den Vorwurf, er könne nicht ohne Weiteres auf sein Vermögen zurückgreifen, da das meiste davon gebunden sei. Und er habe Großbritannien auch nicht aus Steuergründen verlassen, sondern „weil wir die schönen British Virgin Islands lieben“. Dann erklärte sich Branson doch noch dazu bereit, in die eigene Tasche zu greifen: Er kündigte an, 215 Millionen Pfund aus seinem eigenen Vermögen und aus Geldern der Virgin Group in die Sicherung der rund 70.000 Arbeitsplätze zu stecken.

Doch dann wandte sich Branson auch schon an die Regierung in London und bat um ein Bailout-Paket in Höhe von 500 Millionen Pfund für Virgin Atlantic. Branson bot sogar an, seine Privatinsel Necker Island als „Kaution“ zu hinterlegen. Vergeblich. Die Regierung bat Branson nüchtern, seinen Antrag noch einmal zu überarbeiten. Der heuerte daraufhin eine Investmentbank an, die nun Investoren davon überzeugen soll, sein Firmenimperium zu retten.

Donald Trump macht unterdessen keine Anstalten, seine Angestellten vor Jobverlusten in der Coronakrise zu bewahren. Rund 2000 von ihnen wurden kürzlich an diversen Standorten entlassen oder in den unbezahlten Urlaub geschickt. Selbst in Mar-a-Lago, Trumps Vorzeige-Ressort, müssen 153 Angestellte nun auf unabsehbare Zeit ohne Einkommen über die Runden kommen. Darauf angesprochen, sagte Trump im Weißen Haus: „Man kann nicht Hunderte Angestellte haben, die nur herumstehen und nichts tun.“

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