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Trumps gefährliche Helfer Wie Trumps Team die Welt zerlegt - oder sich selbst

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Keine nachhaltige Strategie

Heute klingen Millers Argumente so: Migranten nehmen nicht nur US-Amerikanern die Jobs weg, sie drücken auch das Lohnniveau. Gerade in Zeiten des technologischen Umbruchs mache es keinen Sinn, Konkurrenten für US-Arbeitnehmer ins Land zu lassen. Weil das US-Wohlfahrtssystem so teuer sei, solle man Zuwanderer in ihre Heimatländer „zurückversetzen“, so Miller. „Mit dem Geld, das nötig ist, um einen Flüchtling in Amerika zu unterstützen, kann man zwölf Menschen in ihren Heimatländern helfen.“

Mit Bannon ist sich der Neokonservative einig, dass die USA Migration eindämmen, Visaprogramme reformieren und sämtliche Freihandelsabkommen aufkündigen sollen. „Ökonomischer Nationalismus“ nennen sie ihr Programm. Sie hetzen, die Fraktion der „New Yorker“ um Cohn spiegele eben nicht wider, was der Rest des Landes denke. Doch die liberalen Stimmen im Weißen Haus hoffen auf eine Geheimwaffe: Jared Kushner, Ehemann von Trumps geliebter Tochter Ivanka.

Der 36-Jährige, auch im liberalen New York sozialisiert und in der Finanzwirtschaft reich geworden, kann mit dumpfen Tönen der Nationalisten wenig anfangen. Er wird oft gerufen, um zwischen beiden Denkschulen zu vermitteln, dann bittet er laut Berichten Kontrahenten auf seine Bürocouch, wie bei der Paartherapie. Aber Kushner, für den Trump eigens ein „Amt für Innovation“ geschaffen hat, hat gerade andere Sorgen. Der Senat will ihn zu einen Treffen mit dem russischen Botschafter Anfang Dezember befragen, es geht wieder um den Verdacht russischer Manipulationen im Wahlkampf. Auch intern muss sich Kushner Fragen gefallen lassen. Während die Regierung geschlossen für die Abschaffung von „Obamacare“ kämpfte, machte er Urlaub, ausgerechnet im Nobel-Skiort Aspen in Colorado.

Diese Menschen sprechen für den US-Präsidenten
Sean Spicer ist Sprecher des Weißen Hauses, früher Sprecher der Republikaner Quelle: AP
Kellyanne Conway Quelle: AP
Stephen Bannon Quelle: REUTERS
Hope Hicks Quelle: REUTERS
Dan Scavino Quelle: REUTERS
Stephen Miller Quelle: AP

Also ist keineswegs ausgemacht, dass die Moderaten den Streit im Weißen Haus gewinnen werden. Gerade erst mochten die Amerikaner nicht einmal eine G20-Erklärung zum Freihandel mittragen.

Tobt der offene Machtkampf weiter, droht die Regierung sich selbst zu lähmen. „Ich kann nicht erkennen, wie das Weiße Haus unter diesen Umständen erfolgreich arbeiten kann“, sagt Charlene Barshefsky, früher wichtige Wirtschaftsberaterin von Präsident Bill Clinton. Auch Clinton legte einen chaotischen Start hin, „um Details wurde ständig gestritten“, erinnert sich Barshefsky. Der große Unterschied aber: „Über die großen Linien waren wir uns einig.“

Das ist derzeit im Weißen Haus nicht der Fall, schon gar nicht in der Wirtschaftspolitik. „Trumps Leute haben keine nachhaltige Strategie“, kritisiert Barshefsky. „Sie widersprechen sich gegenseitig.“

Die Wahlversprechen Donald Trumps

Vielleicht ist Steve Bannon und seinen Hardlinern mehr Chaos gar nicht unlieb. Manchmal müsse man alles zerstören, um Großes zu schaffen, so Bannons Maxime.

Umfasst das die Bereitschaft, die eigene Präsidentschaft zu zerstören? Zumindest scheint dies eine zunehmend reale Option. „Die Machtzentren im Weißen Haus sind so kompliziert“, sagte ein einflussreicher Trump-Berater der Internetseite „Politico“, „dass kein Reporter akkurat beschreiben kann, wie schlimm die Intrigen, die offenen Streitereien und das Chaos wirklich sind.“

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