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Türkei Krieg an zwei Fronten

Mit den Luftangriffen auf islamistische Terroristen in Syrien und kurdische PKK-Nationalisten im Irak greift die Türkei in den chaotischen Krieg an ihrer Südgrenze ein und verschlimmert das Chaos.

Der türkische Präsident Erdoğan. Quelle: AP

Die Türkei führt Krieg und lässt ihre Luftwaffe Ziele in Syrien und im Irak bombardieren – oder sind das gleich zwei Kriege? In Syrien attackieren die Türken die Terrortruppen des „Islamischen Staates“, die monatelang einen Großteil der langen syrisch-türkischen Grenze kontrolliert haben. Im Irak dagegen gelten die türkischen Angriffe den Stellungen der kurdischen Guerillatruppe PKK, jahrzehntelang Bürgerkriegsgegner der türkischen Armee auf türkischem Staatsgebiet. In Syrien kämpft der „Islamische Staat“ gegen die nationalistischen Kurden - im Irak auch.

Im Grunde findet in beiden Ländern ein einziger Krieg statt, in den die Türkei jetzt eingegriffen hat: mit Luftangriffen auf beiden Seiten. Eigentlich ist das Wahnsinn, auch wenn „IS“ und PKK gleichermaßen Feinde des türkischen Staates sind.

Der Konflikt der türkischen Regierung mit der PKK

Der Wahnsinn wird nicht dadurch kleiner, dass es in beiden Bürgerkriegsländern auch noch weitere Bürgerkriegsparteien gibt, vor allem die jeweiligen Regierungen in Damaskus beziehungsweise Bagdad. Die Beziehungen der Türkei zur irakischen Regierung sind nicht gut und die Beziehung zwischen den Präsidenten Erdoğan in Ankara und Assad in Damaskus als Todfeindschaft zu bezeichnen ist nicht übertrieben.

In Istanbul vermuten derzeit kritische Kommentatoren, die türkische Regierung habe mit ihren sehr späten und wahrscheinlich nicht besonders effektiven Luftangriffe auf die „IS“-Stellungen das Einverständnis des Nato-Bündnispartners USA für die Offensive gegen die kurdische PKK erkauft. Möglich ist das durchaus, auch wenn vernünftige amerikanische Politik anders aussähe. Die PKK-Kämpfer, die sich vor Jahren aus der Türkei in den Nordirak abgesetzt haben, sind Verbündete der vom Westen unterstützten irakisch-kurdischen Autonomieregierung in Erbil.

Sie sind auch ein wichtiger Bündnispartner ihrer syrischen Landsleute und haben dazu beigetragen, in Kobane einen Völkermord der „IS“-Terroristen an den Kurden zu verhindern. Amerikaner und Westeuropäer unterstützen die syrischen wie die irakischen Kurden militärisch und sind damit zu Verbündeten der PKK geworden. Das Nato-Mitglied Türkei führt jetzt einen Luftkrieg gegen diese Verbündeten – mit der Bekämpfung von Terroristen auf türkischem Boden hat das nicht viel zu tun.

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Viel dagegen mit türkischer Innenpolitik: Präsident Erdoğan braucht nach der Wahlschlappe bei den Parlamentswahlen einen Achtungserfolg bei seinen ultranationalistischen Landsleuten, um Teile der Opposition zu Koalitionspartnern zu machen oder auch als Auftakt für einen neuen Wahlkampf. Auf Kosten des langen Prozesses der Aussöhnung des türkischen Staates mit seiner kurdischen Minderheit. Wenn der endgültig scheitern sollte, droht der Türkei ganz gegen Erdoğans Ziel der Absturz in das Chaos, das sich in den Nachbarländern Irak und Syrien ausgebreitet hat.  

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