WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Türkei Schlechte Aussichten für die türkische Wirtschaft

Auch wenn die große Katastrophe ausgeblieben ist - der türkischen Wirtschaft geht es nicht gut. 2017 könnte es noch schlimmer kommen.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Das Staatsoberhaupt der Türkei ruft dazu auf, alle Dollars in heimische Lira umzutauschen. Aber ist einem die Vaterlandliebe das wert? Quelle: REUTERS

Auf Regen folgt Sonnenschein. Am vergangenen Mittwoch sprach der deutsche Botschafter deutschen Unternehmen Mut zu: Die rund 6700 deutschen Unternehmen in der Türkei sollten die Hoffnung nicht verlieren. "Manchmal regnet es, aber die Sonne kommt zurück", sagte der Botschafter Erdmann in Ankara.

Das Problem ist nur: Der Regen in der Türkei hält nun schon ein ganzes Jahr an, und da steht der Verdacht im Raum, dass es noch eine ganze Weile weiter regnet. Einen Tag vorher hatte die deutsche Parfümerie-Kette angekündigt, ihre elf Filialen in der Türkei zu schließen. Zu schlecht seien die Wachstumsaussichten, hieß es.

Das Jahr begann mit einem Terroranschlag, bei dem 13 deutsche Touristen starben. Es folgten Attentate auf die belebte Istanbuler Einkaufsstraße Istiklal im März, ein Anschlag auf den Atatürk-Flughafen und schließlich der Putsch-Versuch im Juli.

Visumfreiheit: Was die EU von der Türkei verlangt

Hinzu kommt die verschärfte Rhetorik des türkischen Präsidenten, der das Schwellenland in den letzten Monaten weiter von seinem wichtigsten Handelspartner der Europäischen Union entfernt hat.

Botschafter Erdmann war gerade erst am Mittwoch (mal wieder) ins türkische Außenministerium einbestellt worden. Zuvor war eine türkische Politikerin am Kölner Flughafen wegen Passproblemen 45 Minuten festgehalten worden. Prompt mussten am Donnerstag drei deutsche Diplomaten am Istanbuler Flughafen länger warten. Ein Kindergarten-Kleinkrieg, der aber dazu beiträgt, dass die türkisch-deutschen Beziehungen von einem Tiefpunkt zum nächsten schreiten.

Die deutsche Firma SAP hat eine Niederlassung am Teknopark Istanbul - eigentlich einem Musterinvestitionsstandort mit schneller Anbindung zum Flughafen Sabiha Gökcen und zu einem Hafen am Marmarameer. Die Büros sind offen, auch der Abteilungsleiter sitzt im selben Raum. Wer in Ruhe telefonieren will, kann sich Zeit in einem "Quiet Room" reservieren. Die Decken der Büros sind unverkleidet, man sieht Leitungen und Rohre. "Es ist erwiesen, dass offene Decken die Kreativität fördern", erklärt eine deutsch-türkische Mitarbeiterin.

Schlüsselstaat Türkei

Franz Färber leitet den Standort hier seit drei Jahren. Er bemüht sich, die positiven Faktoren des Landes herauszustreichen: die junge, motivierte Bevölkerung, der Talentpool, das hohe Ausbildungsniveau und die verhältnismäßig geringen Gehälter. Die Infrastruktur ist zumindest in den Ballungsräumen um Istanbul, Ankara und Antalya ausgezeichnet.

Doch auch Färber ist die Anspannung anzumerken. Viele deutsche Unternehmen verhalten sich mittlerweile abwartend. "Wir beobachten die Lage sehr genau, aber langfristige Investitionsentscheidungen sind durch politische Ereignisse nicht beeinflusst", sagt er.

Große Unternehmen und Dax-Konzerne planen langfristig, deren Investitionsentscheidungen sind von politischen Turbulenzen zunächst nicht betroffen. Die fundamentalen Aussichten der Türkei sind gut. Kleinere und mittlere Unternehmen mit kürzeren Planungshorizonten lassen sich aber durchaus von der politischen Lage abschrecken.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%