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Türkei Schwiegersohn statt Kompetenz

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Schlechte Nachrichten für die türkische Wirtschaft

Dass nun ausgerechnet Albayrak, der Schwiegersohn Erdoğans, auf Şimşek nachfolgt, nennen selbst Insider, die Erdoğan nahestehen, eine „mutige, fast schon übermutige Entscheidung“. Der 40-Jährige ist seit 2004 mit einer Tochter Erdoğans verheiratet. Bei der regierungsnahen Calik-Holding stieg er mit erst 29 Jahren zum CEO auf. 2015 wechselte er in die Regierung, wo er die vergangenen beiden Jahre als Energieminister diente.

Albayrak spielte auch eine pikante Rolle im Fall Deniz Yücel. Im Herbst 2016 drohte die linksradikale Hackergruppe Redhack damit, E-Mails zu veröffentlichen, die eine Verbindung der türkischen Regierung mit der Terrormiliz Islamischer Staat nachweisen sollten. Auch Albayraks Name fiel. Kurz nachdem Yücel darüber berichtet hatte, kam es zu seiner Verhaftung.

Albayrak gilt als klug und hat in seiner Zeit als Unternehmer wirtschaftliche Erfahrung sammeln können. Ob ihn dass schon für das Amt des Finanzministers qualifiziert, ist fraglich. Dass er seinem Schwiegervater Paroli bietet, wenn der mal wieder die Zentralbank zur Zinssenkung verdonnern möchtet, ist dagegen kaum vorstellbar.

Türkische Lira rauscht talwärts

Für die türkische Wirtschaft sind das schlechte Nachrichten. Der Verfall der Lira bringt immer mehr Unternehmen in Schwierigkeiten, die Schulden in Dollar und Euro haben. Das sind einige. Die Verbindlichkeiten türkischer Unternehmen liegen netto bei mehr als 200 Milliarden US-Dollar. Mit steigendem Dollar wächst auch der Schuldendienst. Zudem ist das Land auf einen steten Zufluss von ausländischen Kapitals angewiesen. Hohe Energieimporte stehen zu geringen Exporten gegenüber. Die Türkei braucht Dollar und Euro, um dieses Leistungsbilanzdefizit zu finanzieren. Geschieht das nicht, verliert die Lira weiter an Wert. 

7,4 Prozent wuchs die türkische Wirtschaft zuletzt. Das ist selbst für ein Schwellenland mit junger Bevölkerung viel. Jedem, der über halbwegs wirtschaftlichen Sachverstand verfügt, war klar: Soll der Kurs der Lira und die Inflation stabilisiert werden, muss die neue Regierung eine Abschwächung der Konjunktur oder vielleicht sogar eine Rezession in Kauf nehmen. Das wäre nachhaltig und gesund. Dass es dazu kommt, ist seit gestern mehr als unwahrscheinlich.

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