TV-Debatte der US-Demokraten So haben sich Clinton, Sanders und Co. geschlagen

Kuschelkurs statt Kampfansage: Am Dienstag waren die Demokraten mit ihrer ersten Fernsehdebatte dran. Dabei ging es gesittet zu. Themen wir der Nahostkonflikt und die US-Wirtschaft beherrschten die Debatte.

Hillary Clinton und Bernie Sanders schütteln sich die Hände. Quelle: dpa

Bei der ersten TV-Debatte der Demokraten haben Favoritin Hillary Clinton und ihr größter Widersacher Bernie Sanders über die Konflikte im Nahen Osten, schärfere Waffenkontrollen in den USA und die Wirtschaft ihres Landes gestritten. Ansonsten herrschte bei der von Fernsehsender CNN ausgestrahlten Diskussion am Dienstagabend (Ortszeit) in Las Vegas vor allem eines: Einigkeit.

Sanders stellte sich in einer kontroversen Angelegenheit, die den demokratischen Vorwahlkampf zuvor besonders beeinflusst hatte, gar auf die Seite seiner Konkurrentin: Die ausgiebige Diskussion über deren Praxis, den E-Mail-Verkehr als Außenministerin über einen privaten Server abgewickelt zu haben, müsse aufhören, sagte der Senator von Vermont.

„Das amerikanische Volk hat es satt und ist müde davon, von deinen verdammten Emails zu hören“, sagte Sanders und erntete dafür den Jubel der Menge. Clinton gefiel dies offensichtlich: Lächelnd reichte sie ihrem Rivalen die Hand. „Danke, Bernie“, sagte sie.

Während die fünf Kandidaten auf der Bühne unterschiedliche Visionen von einer möglichen Zeit im Weißen Haus preisgaben und ansonsten recht viel Harmonie verströmten, vermieden sie vehement den Namen eines möglichen Konkurrenten: Joe Biden.

Das Duell der Dynastien
Eine schrecklich mächtige Familie: Der versammelte Bush-Clan beim 90. Geburtstag des ehemaligen US-Präsidenten George H.W. Bush (Mitte). Bush Senior war von 1989 bis 1993 der 41. Präsident der USA. Er ist nicht der einzige US-Präsident a. D. auf dem Bild... Quelle: AP
Der Knurrer aus Texas: Der damalige US-Präsident George W. Bush 2006 in Washington. Die Amtszeit von George W. zwischen 2001 bis 2009 als 43. Präsident der Vereinigten Staaten wird in den USA kritisch gesehen. Der Irakkrieg wird sein größter Fehler bleiben. In letzter Zeit ist er eher durch impressionistische Malerei aufgefallen. Bald könnte er jedoch zum Königsmacher werden... Quelle: AP
Der ehemalige US-Gouverneur Jeb Bush auf Stippvisite in Berlin: Nach Ansicht von Experten könnte der Bruder des 43. US-Präsidenten (George W. Bush) und Sohn des 41. US-Präsidenten (George H. W. Bush) bald seine Präsidentschaftskandidatur für die Republikaner bekanntgegeben. Damit würde er ein Duell der Dynastien bei der Wahl zum 45. US-Präsidenten befeuern... Quelle: AP
Jeb Bush würde dann womöglich gegen Hillary Rodham Clinton antreten, die für die Demokraten bereits auf Stimmenfang. Die ehemalige First Lady hat sich bereits als Außenministerin ihre politischen Tantiemen verdient. Als Nachfolgerin Obamas würde sie eine weitere US-Polit-Dynastie aus der Taufe heben: Möglicherweise wiederholt sich bald die Geschichte. In den USA könnte es zu einem weiteren Duell der Dynastien Bush und Clinton kommen. Zuletzt setzten sich die Clintons durch. Quelle: AP
Der US-Präsident a. D. und bald First Husband? Dann heißt es Clinton-Clan gegen Bush-Dynastie. Die Präsidentschaftswahl am 3. November 1992 entschied Bill Clinton mit 43 Prozent für sich. Der amtierende Präsidenten George H. W. Bush konnte lediglich 38 Prozent der Stimmen ergattern. Clinton-Clan gegen Bush-Dynastie Quelle: AP
Die Kennedy-Brüder John Fitzgerald Kennedy (JFK), Robert Kennedy und Edward Kennedy (v.l.) 1963: Der Kennedy-Clan ist ein ganz besonderes Beispiel für eine US-Polit-Dynastie. Eine Vielzahl von ungewöhnlichen Schicksalsschlägen traf die Familie und ihren Umkreis. Edward starb als einziger der Brüder eines natürlichen Todes. JFK kam indes unter mysteriösen Umständen um... Quelle: AP
Am 22. November 1963 wurde JFK auf einer Wahlkampfreise gegen 12:30 Uhr an der Dealey Plaza in Dallas, Texas mit mehreren Gewehrschüssen während einer Fahrt im offenen Wagen ermordet. Knapp eineinhalb Stunden nach dem Attentat wurde ein Verdächtiger namens Lee Harvey Oswald verhaftet und dann der Öffentlichkeit präsentiert. Er wurde in Polizeigewahrsam erschossen. Quelle: REUTERS

Der Vizepräsident will sich in diesen Tagen zu seinem Ambitionen äußern. Die Spekulation um einen späten Einstieg Bidens ins Rennen um die Präsidentschaftsbewerbung waren so groß, dass CNN für den Fall der Fälle ein zusätzliches Podium zur Hand hatte, sollte Biden sich kurzfristig zur Teilnahme an der Debatte entscheiden. Der Stellvertreter von Präsident Barack Obama blieb der Diskussion allerdings fern und verfolgte die Debatte vor dem Fernseher in seiner Residenz in Washington.

Clinton ist nach wie vor die klare Favoritin bei den Bewerbern um die Präsidentschaftsnominierung ihrer Partei. Sie hat in Umfragen einen zweistelligen Vorsprung vor Sanders. Doch ist dieser in Befragungen in Iowa nah an Clinton herangerückt. In New Hampshire führt er sogar. In den beiden US-Staaten finden im kommenden Jahr die ersten Vorwahlen für die Präsidentschaft statt.

Während der zweistündigen Debatte spielte Clinton weitgehend die Rolle der Angreiferin. Nachdem der selbst ernannte demokratische Sozialist Sanders einen „Kasino-Kapitalismus“ und eine ungleiche Verteilung des Reichtums kritisierte, sagte Clinton, sie halte es für einen „großen Fehler“ für die USA, dem System den Rücken zuzukehren, das die amerikanische Mittelklasse geschaffen habe. Sanders warf sie zudem vor, im US-Senat nichts gegen die Waffengewalt in den USA getan zu haben.

Das sind die mächtigsten Frauen der Welt
Virginia Marie
Ana Patricia Botín Quelle: REUTERS
IWF-Chefin Christine Lagarde Quelle: REUTERS
Abigail Johnson Quelle: REUTERS
Susan Wojcicki Quelle: REUTERS
Mary Barra Quelle: REUTERS
Sheryl Sandberg Quelle: REUTERS

Angesichts der russischen Präsenz in Syrien forderte Clinton, ihr Land müsse mehr Führungsstärke zeigen. Als amerikanische Staatschefin würde sie wegen des Vorgehens Russlands im Syrischen Bürgerkrieg eine härtere Linie gegen Präsident Wladimir Putin einnehmen. „Wir müssen uns gegen seine Schikane behaupten“, sagte sie.

Clintons souveräner Auftritt dürfte Sorgen bei ihren Unterstützern mindern, die durch ihren Umgang mit dem Email-Skandal aufgekommen waren. Die drei weiteren Bewerber neben Clinton und Sanders - die früheren Gouverneure von Rhode Island und Maryland, Lincoln Chafee und Martin O'Malley sowie der Ex-Senator von Virginia, Jim Webb - blieben blass.

Einer hatte deshalb nur Spott für die demokratische Konkurrenz übrig: Donald Trump. Der republikanische Präsidentschaftsbewerber schrieb auf Twitter, die Auseinandersetzung sei „ein bisschen traurig“ gewesen. Die Aussagen der Bewerber erschienen vorgeschrieben und einstudiert. Trumps abschließendes Urteil: „Sorry, heute Abend ist kein STAR auf der Bühne!“

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%