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Ukraine-Konflikt Zweiter Runder Tisch endet ohne Ergebnis

Auch der zweite Runde Tisch zur Krisenlösung in der Ukraine ist ohne greifbares Ergebnis zu Ende gegangen. Zum Erhalt der Ex-Sowjetrepublik im Ganzen solle es kommende Woche weitere Runde Tische geben.

Militäreinsatz gegen Separatisten gestartet
Ukrainische Soldaten stehen mit unsicher-angespanntem Gesichtsausdruck zwischen Panzern, auf denen die ukrainische Flagge weht. Erstmals hat die Ukraine auf den prorussischen Aufstand im Osten des Landes mit einer Militäraktion reagiert. Quelle: AP
Die pro-russischen Separatisten lassen sich derweil nicht beeindrucken. Sie bauen weiter Barrikaden und verteidigen diese mit teils selbst gebastelten Waffen, so wie hier in der Stadt Kramatorsk. Quelle: AP
Südlich von Kramatorsk sollen am Dienstag ukrainische Spezialkräfte an einem Flughafen rund 30 bewaffnete Männer zurückgedrängt haben, sagte General Vasyl Krutow. Quelle: AP
Separatisten greifen ukrainisches Sicherheitspersonal am Flughafen von Kramatorsk an. Über den genauen Hergang der Gefechte gab es widersprüchliche Angaben. Quelle: AP
Laut der ukrainischen Regierung gab es keine Opfer, russische Medien berichteten jedoch von vier bis elf Toten am Flughafen. Ein Sprecher einer prorussischen Verteidigungsgruppe, Juri Schadobin, sprach von zwei Leichtverletzten, die in eine Klinik gebracht worden seien. Laut der Regierung in Kiew wurde eine nicht näher genannte Zahl von Milizionären gefangen genommen. Quelle: AP
Moskau verurteilte das ukrainische Vorgehen. Es sei „kriminell, mit den eigenen Landsleuten zu kämpfen, während sie für legale Rechte aufstehen“, erklärte das Außenministerium in Moskau. Ressortchef Sergej Lawrow hatte Kiew zuvor vor dem Einsatz von Gewalt gegen die prorussischen Demonstranten gewarnt. Man könne nicht Panzer schicken und zur selben Zeit Gespräche führen, sagte er mit Blick auf die für Donnerstag in Genf geplanten Verhandlungen mit den USA, der Europäischen Union und der Ukraine über die Krise. Quelle: AP
Einige Truppen haben laut Berichten von Reportern vor Ort mittlerweile die Seiten gewechselt. Sie sollen samt Panzern zu den pro-russischen Milizionären übergelaufen sein. Quelle: AP

„Wir sind bereit, alles für eine Einheit des ukrainischen Staates zu tun“, sagte Regierungschef Arseni Jazenjuk am Samstag in der ostukrainischen Stadt Charkow. Zum Erhalt der Ex-Sowjetrepublik im Ganzen solle es weitere Runde Tische geben, den nächsten am Mittwoch in Tscherkassy rund 200 Kilometer südlich von Kiew. Zu ihrem ersten Treffen waren politische Akteuren am Mittwoch in der Hauptstadt Kiew zusammengekommen. Jazenjuk sprach sich nun für einen besonderen Schutz der russischen Sprache und für eine „Dezentralisierung der Macht“ aus - also für die Abgabe von Zuständigkeiten aus der Hauptstadt Kiew an die Regionen.

Beobachter sprachen von einer deutlich besseren Dialogatmosphäre als zuletzt. Der „Tisch“ sei offener gewesen als in Kiew, weil auch Vertreter der Opposition und der russisch geprägten Regionen dabei gewesen seien, sagte der Ex-Präsident Leonid Krawtschuk. Charkow liegt nahe der umkämpften Regionen Lugansk und Donezk. Vertreter militanter prorussischer Kräfte waren aber ausgeschlossen, weil die Regierung Gespräche mit „Separatisten und Terroristen“ ablehnt, wie Jazenjuk erklärte. Die Machthaber der nicht anerkannten „Volksrepublik Donezk“, die sich nach einem illegalen Referendum für unabhängig erklärt hatte, verweigerten ebenfalls den Dialog. Gespräche mit Kiew könne es erst geben, wenn die Regierung ihre „Anti-Terror-Operation“ beende und Soldaten abziehe, sagte der neue „Regierungschef der Donezker Volksrepublik“, Alexander Borodaj. Er kündigte zudem eine baldige Vereinigung der „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk an.

Bei der „Anti-Terror-Operation“ im Osten der Ukraine haben die Regierungstruppen nach Informationen prorussischer Kräfte bisher höhere Verluste erlitten als offiziell eingeräumt. Mindestens 650 Menschen seien seit Anfang Mai verletzt, gefangen oder getötet worden. Das teilte der selbst ernannte „Volksbürgermeister“ der umkämpften Großstadt Slawjansk, Wjatscheslaw Ponomarjow, am Samstag der Agentur Interfax zufolge mit. Unter den „Verlusten“ seien auch 13 getötete und 12 verletzte Mitarbeiter des US-Geheimdienstes CIA sowie vom FBI, behauptete Ponomarjow demnach in einer von der selbst ernannten „Volksrepublik Donezk“ veröffentlichten Videobotschaft.

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Nach Darstellung des Separatistenführers starben allein 90 Mitarbeiter des ukrainischen Geheimdienstes SBU bei den Kämpfen im Südosten der Ex-Sowjetrepublik. Auch private Militärfirmen aus Polen und den USA hätten Verluste zu beklagen. Zudem hätten die Regierungstruppen acht Kampfhubschrauber sowie weitere Militärtechnik verloren. Offiziell bestätigt ist der Einsatz ausländischer Söldner in dem Konfliktgebiet aber weiter nicht. Auch Russland hatte Vorwürfe stets bestritten, Geheimdienstler einzusetzen. Die Vereinten Nationen hatten die Zahl der Toten in der Ukraine seit Beginn der Krise mit 250 angegeben, darunter allein etwa 100 bei der proeuropäischen Revolution auf dem Maidan im Januar und Februar.

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