Ukraine-Krieg UN: Etwa 1,3 Millionen Menschen sind aus der Ukraine geflohen – mindestens 27.500 nach Deutschland

Während die Angriffe Russlands auf die Ukraine weitergehen, fliehen immer mehr Menschen vor dem Krieg – die meisten nach Polen. US-Außenminister Antony Blinken dankte dem Land für das Engagement.

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Ankunft von Kriegsflüchtlingen am Berliner Hauptbahnhof. Quelle: IMAGO/Christian Thiel

Immer mehr Ukrainer suchen wegen des russischen Angriffskriegs auf ihr Land Schutz in anderen Ländern. Auch in Deutschland steigt die Zahl der Kriegsflüchtlinge.

Wie das Bundesinnenministerium am Samstag mitteilte, registrierte die Bundespolizei in Deutschland bislang 27.491 Kriegsvertriebene aus der Ukraine. Die tatsächliche Zahl der nach Deutschland eingereisten Ukrainer könne aber „wesentlich höher sein“, hieß es dazu.

Da es keine Grenzkontrollen gebe, bilde die offizielle Zahl nur einen Teil der Geflüchteten ab. Nach Angaben des Ministeriums erfasst die Bundespolizei die Zahl der Kriegsvertriebenen aus der Ukraine seit dem Beginn der russischen Angriffe am 24. Februar.

Allein am Freitag sind nach Angaben der Berliner Senatsverwaltung mehr als 11.000 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine in der deutschen Hauptstadt eingetroffen. Damit seien die Erwartungen von Berlins Sozialsenatorin Katja Kipping (Linke) übertroffen worden. Diese hatte zuvor mit etwa 8500 bis 11.000 weiteren Menschen aus der Ukraine gerechnet.

Weltweit waren nach Schätzung des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR bis Freitag etwa 1,3 Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen, die meisten davon nach Polen. Dort schätzt das UNHCR die Zahl der ukrainischen Geflüchteten bis vergangenen Donnerstag auf knapp 650.000.

Im gesamten Land ist eine riesige Hilfsaktion der Behörden und privater Initiativen für die Geflüchteten angelaufen. Am Samstag dankte US-Außenminister Antony Blinken Polen für dessen Engagement innerhalb der Nato und bei der Aufnahme Hunderttausender Flüchtlinge.

Polen habe in diesem Moment der Krise für Millionen Menschen, in dem das Sicherheitsgleichgewicht in Europa bedroht sei, Großzügigkeit, Führungskraft und Entschlossenheit bewiesen, sagte Blinken in Rzeszow nach einem Treffen mit seinem polnischen Amtskollegen Zbigniew Rau.

Prognosen sind schwierig

Das Bundesinnenministerium betont, dass es aktuell schwer sei, eine Prognose dazu abzugeben, wie viele Ukrainer im Zuge der russischen Angriffe ihr Land noch verlassen könnten. Mehrere Medien hatten zuvor über eine Schätzung der Internationalen Organisation für Migration (IOM) berichtet, wonach bis zu 225.000 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine in Deutschland Schutz suchen könnten.

Das Innenministerium bekräftigte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, dass es sich dabei um Schätzungen handele. Die aktuell vorliegenden Einschätzungen könnten „je nach Quelle variieren“ und sich „aufgrund der dynamischen Lage“ kurzfristig ändern, hieß es.

>> Lesen Sie auch: Fluchtmöglichkeiten, Geld, Warentransporte – So hilft die deutsche Wirtschaft den Kriegsopfern

Um den Ukrainern einen möglichst unbürokratischen Schutz zu bieten, hatte die EU hatte am Freitag erstmals eine Richtlinie für den Fall eines „massenhaften Zustroms“ von Vertriebenen in Kraft gesetzt. Der Schutz für die Menschen aus der Ukraine gilt demnach zunächst für ein Jahr, kann jedoch um insgesamt zwei weitere Jahre verlängert werden.

Ein langwieriges Asylverfahren ist damit nicht nötig. Zudem haben die Schutzsuchenden unmittelbar unter anderem das Recht auf Sozialleistungen, Bildung, Unterkunft sowie auf eine Arbeitserlaubnis.

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