Ukraine-Krise Kämpfe in Ukraine trotz Friedensgesprächen

Nachdem es bei den Friedensgesprächen in Berlin keinen Durchbruch gab, spitzt sich die Situation im Osten der Ukraine weiter zu. Bei einem Granatenangriff auf einen Bus starben mindestens acht Menschen.

Militärkonvoi der ukrainischen Armee (Foto vom 13. Januar): Rund um den Flughafen von Donezk wird wieder härter gekämpft. Quelle: dpa

Wenige Stunden nach dem erneuten Versuch einer Lösung der Ukraine-Krise verschärfen sich die Kämpfe im Osten des Landes. Bei einem Granatenangriff wurde am Donnerstag in der Separatistenhochburg Donezk eine Bushaltestelle und ein Bus getroffen, mindestens acht Menschen starben.

Die Ukraine und Russland beschuldigten sich sofort gegenseitig, hinter dem Angriff zu stecken. In Berlin hatten in der Nacht zum Donnerstag die Außenminister der Ukraine, Russlands, Frankreichs und Deutschlands keinen Durchbruch zur Lösung der Konflikts erreicht.

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Russische Terroristen hätten ein furchtbares Verbrechen begangen, sagte der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk in Kiew. "Russland trägt dafür die Verantwortung." Das Kiewer Verteidigungsministerium erklärte, von ukrainische Truppen könnten die Granaten nicht abgefeuert worden sein, da sich ihre Stellungen in 15 Kilometer Entfernung befänden.

Das russische Außenministerium sprach dagegen von einer plumpen Provokation der ukrainischen Truppen. "Wir werten diesen Zwischenfall als Verbrechen gegen die Menschlichkeit", hieß es in einer Stellungnahme. Damit sollten die Versuche einer friedlichen Lösung der Ukraine-Krise unterminiert werden. Die Separatisten erklärten, der Angriff auf die Bushaltestelle sei das Werk von Saboteuren. "Die Gruppe wurde festgenommen", sagte der Vertreter der Rebellen, Wladimir Kononow.

Ein Reuters-Kameramann sagte, der Trolleybus sei im von Separatisten kontrollierten Viertel Bosse im Süden von Donezk von einer Granate getroffen worden. Er habe sechs Leichen gesehen. In den benachbarten Gebäuden waren Fensterscheiben durch die Explosion geborsten. Nach Angaben der Stadtverwaltung wurden acht Menschen bei dem Angriff getötet. Vertreter der Rebellen gingen von einer höheren Opferzahl aus.

Die Kämpfe um den völlig zerstörten Flughafen von Donezk hielten am Donnerstag an. Die ukrainische Armee teilte mit, die Soldaten hätten sich vom neuen Terminal zurückgezogen, kontrollierten aber noch Teile des Flughafens. In den vorangegangenen 24 Stunden seien sechs Soldaten bei den Kämpfen um den Flughafen getötet worden, vier weitere bei anderen Gefechten.

Bei dem Außenminister-Treffen in Berlin wurde vereinbart, dass die Konfliktparteien ihre schweren Waffen aus einer Pufferzone entlang einer Demarkationslinie abziehen sollen. Russland erklärte, es werde in diesem Sinne auf die Rebellen einwirken.

Ursprünglich hatten sich die Konfliktparteien bereits im September im Abkommen von Minsk auf eine Demarkationslinie geeinigt. Durch die heftigen Kämpfe der vergangenen Monate hat sich die Front jedoch dermaßen verschoben, dass sie inzwischen stark von der eigentlich festgelegten Linie abweicht.

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Steinmeier zeigte sich nach dem Krisentreffen in Berlin vorsichtig optimistisch. Noch vor gut einer Woche sei eine Einigung über die Demarkationslinie nicht möglich gewesen, sagte er. Nun seien wahrnehmbare Fortschritte erzielt worden. Von einem Durchbruch wollte er jedoch nicht sprechen. "Vieles hängt natürlich davon ab, ob das, was wir vereinbart haben, nicht nur gedrucktes Papier bleibt, sondern die Lage am Boden tatsächlich verändert."

In der Ukraine hatte sich die Lage zuletzt verschärft. Präsident Petro Poroschenko warf der Führung in Moskau vor, 9000 Soldaten auf dem Territorium seines Landes im Einsatz zu haben. Jazenjuk kündigte die Aufstockung der Armee um 68.000 Soldaten auf eine Gesamtstärke von 250.000 an. Russlands Außenminister Sergej Lawrow wies die Vorwürfe zurück.

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