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Ukraine-Krise Schlacht um Debalzewo tobt vor Waffenruhe

In der Ostukraine tobt eine Entscheidungsschlacht - und das trotz geplanter Waffenruhe. Seit der Verkündung des Friedensabkommens von Minsk am Donnerstag starben elf Soldaten, 40 wurden verletzt.

Präsident Petro Poroshenko in Kiev mit Soldaten des Trainingscenters Quelle: REUTERS

Kurz vor der geplanten Waffenruhe in der Ostukraine tobt um den strategisch wichtigen Bahnknotenpunkt Debalzewo eine Entscheidungsschlacht. Insgesamt starben bei Kämpfen nach dem am Donnerstag verkündeten Friedensabkommen von Minsk elf Soldaten, 40 wurden verletzt, wie Militärsprecher Andrej Lyssenko sagte. Das unter deutsch-französischer Vermittlung zustande gekommene Abkommen soll am Sonntag in Kraft treten.

Das Militär teilte mit, die Rebellen hätten Debalzewo 25 Mal mit Granatwerfern und Artilleriefeuer angegriffen. Die Separatisten haben in Debalzewo fast vollständig eine ukrainische Garnison eingekreist, wie es hieß. Nur eine Straße noch verbindet die Stadt mit dem Gebiet, das unter Kontrolle der Regierung steht. Bis auf wenige sind Tausende Zivilisten aus der Gegend geflohen.

Beide Seiten versuchen vor der geplanten Feuerpause, ihre Positionen zu stärken. Neben der Waffenruhe waren bei der deutsch-französischen Friedensinitiative der Abzug schwerer Waffen von der Front, mehr Rechte für die Rebellengebiete und die Rückerlangung der Kontrolle der Grenze zu Russland für Kiew bis zum Jahresende vereinbart worden. Allerdings blieben Fragen bezüglich der Umsetzung offen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte von einem Hoffnungsschimmer gesprochen.

Die Kämpfe gingen aber auch anderswo in der Ostukraine weiter: Nach Angaben der Stadtverwaltung der Rebellenhochburg Donezk kamen vier Zivilisten ums Leben. Die Rebellen teilten mit, bei Artillerieangriffen auf die von ihnen gehaltenen Städte Lugansk und Gorlowka seien sieben Menschen ums Leben gekommen. Im Südosten in der Nähe des Asowschen Meeres eroberte die ukrainische Armee eigenen Angaben zufolge einige Dörfer zurück.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte der Nachrichtenagentur Ria-Nowosti zufolge, Moskau werde nur als Bürge in dem Friedensprozess auftreten, es könne Entwicklungen am Boden nicht beeinflussen, „weil Russland kein Teilnehmer des Konflikts ist“.

Die Feuerpause soll von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa überwacht werden. Generalsekretär Lamberto Zannier sagte in Kiew, er hoffe, dass die Feindseligkeiten zum festgelegten Zeitpunkt enden.

Am Montag soll dann damit begonnen werden, eine Pufferzone zwischen den verfeindeten Parteien zu errichten. Jede Seite muss schwere Waffen von der Front abziehen, so dass die Zone 50 bis 140 Kilometer groß sein wird, je nach Kaliber der Waffen. Der Abzug soll innerhalb von zwei Wochen abgeschlossen sein.

Russische Ermittler teilten mit, keinen Grund für die Freilassung einer in Moskau inhaftierten Offizierin der ukrainischen Luftwaffe zu sehen. Das russische Ermittlungskomitee erklärte am Freitag, nur ein Gericht könne die Haftentlassung von Nadeschda Sawtschenko beschließen. Nach den Verhandlungen über ein Friedensabkommen hatte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko angekündigt, Sawtschenko werde bald freikommen.

In dem Bürgerkrieg in der Ostukraine sind seit April vergangenen Jahres nach UN-Angaben mehr als 5300 Menschen getötet worden, mehr als eine Million sind geflohen. Vorherige Waffenruhen waren größtenteils gescheitert.

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