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Ukraine Mein Fernbus ins Kriegsgebiet

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"Wir fahren jetzt praktisch durch ein Kriegsgebiet"

Das hintere Fahrwerk bedankt sich mit einem schmerzhaftem Knarzen. Als wir das einst reiche Gebiet Donezk erreichen, werden die Straßen schlagartig besser. Doch schon nach wenigen Kilometern biegt der Bus nach rechts ab. Zwar hat die Ukraine weite Teile der Region von den pro-russischen Separatisten zurückerobert, doch teils sind die Straßen zerstört und die Fahrer müssen auf schlechte Nebenstraßen ausweichen. Triste Kioske am offenen Busbahnhof warten in Krasnoarmejsk auf uns, am Horizont ziehen dicke Schlechtwetterwolken auf. Unser böser Busfahrer nutzt die Wartezeit für eine weitere Ansprache. Dass er ja keine Kamera mehr sehe, schimpft er! Auch nicht auf der Strecke zwischen den Kontrollposten. „Wir fahren jetzt praktisch durch ein Kriegsgebiet! Überall sind Scharfschützen!“

Im Bus ist die Stimmung angespannt. Eben hat sich ein dicker Mann mit einer älteren Frau gestritten. Er ist gegen die Separatisten, sie ist unterstützt sie. Ein andere Frau bringt Geschichten ein, die ihr Bekannte erzählt haben – worauf ein Mann meint, dies sei alles Propaganda aus dem Fernsehen. Mein Nachbar sagt, durch die meisten Familien gehe nun ein Riss: „Die einen fühlen sich als Ukrainer, die anderen unterstützen eben die Anderen.“ Nur den Krieg, sagt er, den seien sie allesamt leid. Auch in seiner Nachbarschaft habe es Einschläge gegeben. Wer geschossen habe, lasse sich nie seriös rekonstruieren. Auch wenn die Donezker meist von „den Bombardements“ sprechen – und damit die ukrainische Armee meinen.

Ausland



Letztlich sind die Checkpoints halb so wild. Während draußen der erste Schnee fällt, steigt erst ein ukrainischer Soldat ein und lässt sich von allen Männern im kriegsfähigen Alter die Pässe zeigen. In der „DNR“, wie die selbst ernannte separatistische Volksrepublik genannt wird, müssen alle Männer unter 60 Jahren aussteigen. Nach einer kurzen Passkontrolle geht’s weiter. Ringsherum sind Panzer zu sehen und ein ausgebrannter Fernbus neben einem abgeknickten und verkohlten Strommast. An den Kontrollpunkten der „DNR“ liegt jede Menge Müll, wogegen die ukrainischen gut befestigt sind.

Nach einer halben Stunde erreichen wir Donezk über den Süden – die einzige sichere Einfahrt im Moment, denn im Norden wird gekämpft. Der mies gelaunte Busfahrer verabschiedet sich sogar und wünscht alles Gute. Ein kleines bisschen scheint sich seine Laune gebessert zu haben. Er hat ja keine Probleme bekommen. Und jetzt ist Feierabend im Fernbus. Endlich.

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