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Umweltabkommen zwischen USA und China Die Klimafarce

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Kurzsichtig und unwirtschaftlich

In keinem Land werden so viele Nuklearreaktoren gebaut wie in China. 28 sind im Bau, weitere 30 in Planung. Heute stammen 14,6 Gigawatt aus atomarer Energie, 2030 sollen es 200 sein. In keinem anderen Land laufen so viele Projekte zur Kohle-Gas-Verflüssigung wie in China. China unternimmt damit weitaus mehr Anstrengungen als andere Schwellenländer wie zum Beispiel Indien.

Nur: Auch wenn der relative Anteil von Kohle sinkt, wird der absolute bei einem BIP-Wachstum von sieben Prozent dennoch steigen.

China und USA einigen sich auf neue CO2-Emissionsziele

Der Grund dafür liegt in der Wirtschaftsstruktur des Landes. Noch immer machen Investitionen in die Infrastruktur rund 50 Prozent des BIP-Wachstums aus. Die Baubranche braucht Stahl. Allein die Provinz Hebei - eine der dreckigsten Teile des Landes - produziert doppelt so viel Stahl wie USA. Die Industrie wiederum ist sowohl arbeits- als auch energieintensiv. Die Stahlwerke stillzulegen, würde Arbeitsplätze kosten. Weniger Investitionen in die Infrastruktur würde das ohnehin schwächelnde Wachstum weiter bremsen.

Also versucht sich Peking in einem Balance-Akt. In den nächsten Jahren will China die Luftqualität in den Regionen um die Hauptstadt, im Yangze-Delta um Shanghai und Perlflussdelta um Guangzhou um rund 20 Prozent senken. Das sind die Regionen, in denen eine Mittelschicht herausgebildet hat, die sich zunehmend über die Luftqualität beschwert. Rund 280 Milliarden US-Dollar sollen in den nächsten fünf Jahren dafür ausgegeben werden.

Dafür werden Teile der dreckigen Industrie in westlich gelegenere Provinzen ausgelagert werden - dort wo die Menschen zu wenig über die Folgen der schlechten Luft wissen und das Ausland nicht so genau hinschaut. Das ist zynisch für die Bewohner dieser Teile des Landes, und ob es etwas nützen wird, ist fraglich: Schon jetzt wird ein Großteil der Verschmutzung von Westen nach Osten geweht. So leiden auch Japan und Korea unter den chinesischen Kohlekraftwerken. Sogar in Kalifornien soll die Luftverschmutzung messbar sein.

In Arbeit
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Das als "historisch" gefeierte Abkommen bedeutet also nichts anderes als, dass in den nächsten 15 Jahren wird die Luft in China noch schlechter werden. Die Wende nicht vorher zu schaffen, ist kurzsichtig und letztlich auch unwirtschaftlich. Pro Jahren sterben zwischen 350.000 und 500.000 Chinesen an den Folgen der Luftverschmutzung. Die OECD beziffert die Folgekosten auf 1,4 Billionen US-Dollar jährlich.

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