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UN-Klimakonferenz Klima-Schäden in Warschau

Warum die Mammutdiplomatie zum Schutz der Erdatmosphäre nicht funktioniert und warum das sowohl Regierungen wie Umweltschützer nicht zugeben wollen.

Der amtierende Bundesumweltminister Peter Altmaier nimmt heute am Mittwoch und am Freitag an der UN-Klimakonferenz in Warschau teil. Quelle: dpa

Kein Durchbruch in Sicht, nirgends. Den Klimawandel in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf. Beim Weltklimagipfel in Warschau taugt höchstens das Wort Durchwurschteln für das, was die Vertreter der mehr als 190 Länder seit Anfang voriger Woche zu Stande bringen. Der amtierende Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) nimmt heute am Mittwoch und am Freitag an der Mammutkonferenz teil. Das ist offiziell der Abschlusstag, geplant war mal ein Ergebnis mit greifbaren Regeln zum Schutz der Erdatmosphäre.

Die gröbsten Schnitzer des Weltklimarats
Die Zahl der Wirbelstürme nimmt zuWahrscheinlich werde die Aktivität tropischer Wirbelstürme – dazu zählen beispielsweise Hurrikane und Taifune – künftig zunehmen, verkündete der Weltklimarat 2007. Belege für diese Entwicklung gab es schon damals kaum überzeugende. Jetzt die Kehrtwende: Die Experten erkennen an, dass die Prognosen über Stürme zu unzuverlässig sind, und behandeln das Thema nur noch als Randnotiz. Nun sehen sie nurmehr eine schwache Tendenz für stärkere Stürme voraus – begrenzt auf den Nordatlantik und den westlichen Nordpazifik. Quelle: dpa/dpaweb
Die Sache mit dem Hockeyschläger2001 veröffentlichte das IPCC die berüchtigte Hockeyschläger-Kurve. Sie sollte zeigen: Die Erdtemperatur auf der Nordhalbkugel war über Jahrhunderte weitgehend konstant. Erst mit der Industrialisierung und dem damit verbundenen verstärkten Ausstoß von CO2 stieg sie steil an. Bald korrigierten neuere Rekonstruktionen der Klimahistorie das eingängige Bild. Sie zeigen, dass die Temperaturen auch früher stark pendelten. So war es vor 900 Jahren schon einmal annähernd so warm wie heute. Es entstand der Verdacht, dass Forscher um den US-Klimatologen Michael Mann die Kurve zum Klimaverlauf „geglättet“ hatten, um die Dramatik zu betonen. Quelle: Creative Commons
Das arktische Meereis schmilztIn ihrem vorherigen Klimabericht aus dem Jahr 2007 waren sich die IPCC-Experten noch ziemlich sicher: Rings um den Südpol werde das Meereis schrumpfen, schrieben sie. Aktuelle Messungen und Satellitenbilder haben diese Prognose widerlegt. Sie zeigen im Gegenteil sogar eine Zunahme des Packeises. Im gerade veröffentlichten fünften Klimabericht gesteht das Wissenschaftlergremium seinen Irrtum ein. Jetzt halten die Forscher es für eher unwahrscheinlich, dass das antarktische Eisschild rasch an Umfang und Volumen verlieren wird. Anders in der Arktis: Am Nordpol schmilzt das Eis tatsächlich. Quelle: dpa
Die Himalaya-Gletscher verschwindenEbenfalls im Bericht von 2007 schreckte der UN-Klimarat die Welt mit der Nachricht, schon im Jahr 2035 seien die Gletscher im Himalaja vollständig aufgetaut. Käme es so, wären 1,4 Milliarden Menschen in der Region ihres Trinkwasserreservoirs beraubt. Doch bald erwies sich das Horrorszenario als Fehlalarm. Es beruhte auf Angaben der Umweltorganisation World Wide Fund for Nature und schlecht recherchierten Zeitungsartikeln. Erst spät gestand das Gremium den Patzer ein. Er basierte zudem auf einem Zahlendreher: Wenn überhaupt, sollte das Eis frühestens 2350 verschwunden sein. Quelle: dapd
In Afrika drohen große ErnteausfälleAuch die Behauptung, den Afrikanern drohten infolge des Klimawandels massive Ernteausfälle, hatte 2007 den Weg in den vierten Sachstandsbericht gefunden. Die Ernten, hieß es da, würden sich in einigen Ländern bis 2020 womöglich halbieren. In Wirklichkeit bezog sich diese Prognose nur auf drei Staaten am Mittelmeer. Zudem war die wissenschaftliche Qualität der Studie fragwürdig. Offenbar sind die IPCC-Forscher aus dem Schaden klug geworden: Zumindest im Entwurf für den Teilbericht II des Klimareports, den sie kommenden März vorlegen, wiederholen sie die Dürrewarnung nicht. Quelle: dpa

Die Stippvisiten zeigen, dass in der Bundesregierung niemand an großartige Ergebnisse oder Weichenstellungen glaubt. Der Regierungschef des Gastgebers und Kohlelandes Polen, Donald Tusk, bildet nebenher grade sein Kabinett um, auch ein neuer Umweltminister soll her. Der bisherige darf noch auf Abruf die Konferenz weiter leiten. Deutlicher kann es kaum sein, wie ziellos Verhandlungen über den Schutz des Klimas inzwischen sind.

Keine Seite mag das jedoch zugeben: Zu lang ist der Zeitraum, über den sich Staaten zu Bescheidenheit verpflichten sollen. Zu gering ist die Bereitschaft, auf eigenes Wirtschaftswachstum oder Freiheit in der Energieversorgung zu verzichten – sei es für nachfolgende Generationen oder andere Weltregionen, denen der Wandel Hochwasser oder Dürre beschert. Da helfen auch keine Weltklimaberichte, die prognostizieren, dass die Erderwärmung deutlich höher ausfallen wird als zwei Grad im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung. Auch die allgegenwärtigen Umweltschützer in Warschau scheuen sich einzugestehen, dass die herkömmliche Klima-Diplomatie, ein gemeinsames Handeln vieler Regierungen, nicht mehr recht funktioniert.  Langfristige Verpflichtungen und Verbindlichkeiten sind nicht in Sicht.

Der Klimawandel in Zahlen

Stattdessen müssten sich alle Beteiligten mit Eifer damit beschäftigen, wer wem und mit wie viel Geld  hilft, wenn eben schon Klimaschäden zu beklagen sind.  Die Regierungen zieren sich, schließlich könnte das für die Industriestaaten teuer werden. Die Umweltschützer meiden das Thema noch, weil sie damit eingestehen müssten, dass der Klimaschutz nicht funktioniert, sondern es vorrangig noch darum geht, wie mit den Folgen des Wandels umgegangen wird.

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Und so hat nun das große Pokerspiel begonnen. 100 Milliarden Dollar pro Jahr hatten die Industrienationen schon einmal den Entwicklungsländern in Aussicht gestellt, damit sie die  Folgen von Taifunen und Dürre oder den Verlust von Ackerflächen bewältigen können. Umweltminister Altmaier hat nun wohl jährlich etwa drei Milliarden Euro dafür ab 2020 für Deutschland als möglich bezeichnet.

"Wir erwarten allerdings, dass auch andere Länder ihren Verpflichtungen nachkommen", sagte Merkels Mann in Warschau schnell noch hinterher. Mal wieder – erstmal müssen sich alle bewegen und das ist in Warschau unwahrscheinlicher denn je.

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