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Unfreiwillige Ein-Kind-Politik

Die europäische Rentenversicherung ist ein Geburten-Killer

Trotz der erst kürzlich gelockerten Ein-Kind-Politik hat China immer noch höhere Geburtenraten als Deutschland. Denn die europäische Rentenversicherung erwies sich als rigorose Geburtenbremse.

In China wurde die Ein-Kind-Politik gelockert. Trotzdem hat Europa ein viel wirksameres Mittel die Geburtenzahlen zu drücken: die Rentenversicherung. Quelle: AP

China hat nach über 30 Jahren seine strenge Ein-Kind-Politik gelockert. Wenn mindestens ein Partner Einzelkind ist, darf ein Ehepaar von nun an zwei Kinder bekommen. Wenn nämlich die Eltern selbst Einzelkinder sind, gibt es keine Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen, die mithelfen könnten, die Eltern und Großeltern im Alter zu ernähren.

Die Kommunistische Partei hat erkannt, dass hier eine demografische und sozialpolitische Zeitbombe tickt und dass es so nicht weitergehen kann. Einem Kind von Eltern, die selbst Einzelkinder waren, ist es nun einmal nicht möglich, als Erwachsener für zwei Eltern und möglicherweise weitere vier Großeltern zu sorgen.

Auf dem Land dürfen Ehepaare unabhängig von der neuen Regel auch weiterhin zwei Kinder haben, wenn das erste Kind ein Mädchen ist. Ein Mädchen gehört zur Familie des Mannes und muss dessen Eltern versorgen. Eltern, deren einziges Kind ein Mädchen ist, gelten deshalb in China als Unglücksraben. Sie sichern mit ihrer Erziehungsleistung den Lebensabend der künftigen Schwiegereltern, gehen aber selbst leer aus. Daher dürfen sie es noch einmal probieren. Erst wenn auch das zweite Kind ein Mädchen ist, müssen sich die Eltern in ihr Schicksal fügen. Außerdem dürfen ethnische Minderheiten grundsätzlich zwei Kinder pro Ehepaar haben, um den Bestand ihrer Kultur zu sichern.

Deutsche sehen China als Bedrohung
Wirtschaftsmacht37 Prozent der befragten Deutschen assoziieren mit China vor allem eine starke Wirtschaftsmacht. Faszination und Angst polarisieren hierzulande die Bevölkerung im Bezug auf Chinas ökonomische Stärke. Das Land wird als Schlüsselrolle für die eigene und internationale Entwicklung gesehen und 57 Prozent der Befragten beurteilen die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen sogar als wichtiger als die zu den USA. Gleichzeitig geht mit dem Wirtschaftsboom Chinas aber auch die Angst einher, chinesische Unternehmen könnten deutsche Firmen von den internationalen Märkten verdrängen. 59 Prozent der Deutschen empfinden Chinas starke Wirtschaft daher als Bedrohung. Quelle: dpa/dpaweb
BevölkerungswachstumBabyboom und Bevölkerungswachstum, daran denken 20 Prozent der Deutschen, wenn sie das Stichwort China hören. Derzeit leben 1,35 Milliarden Menschen in China, die Bevölkerungsdichte beträgt 143 Einwohner pro Quadratkilometer. Doch die Bevölkerung wird noch weiter wachsen, um 0,6 Prozent pro Jahr. Für 2032 rechnen Statistiken mit 1,467 Milliarden Menschen in China, bei einer gleichbleibenden Fertilitätsrate von 1,7 Kindern pro Frau. Viele Deutsche sehen das auch als Bedrohung an. Quelle: REUTERS
Kommunismus15 Prozent fällt spontan der Kommunismus ein, wenn sie an China denken. Während China im ökonomischen Bereich erfolgreich in den internationalen Handel eingebettet wurde und sich für ausländische Investoren geöffnet hat, ist das Land politisch in den Augen der Deutschen weiterhin ein diktatorisches Ein-Parteien-System unter Führung der Kommunistischen Partei. Die ist mit etwa 78 Millionen Mitglieder nicht nur die größte kommunistische Partei der Welt, sondern auch die mitgliederstärkste Partei allgemein. Deutsche verbinden mit ihr ein vornehmlich negatives Bild. Quelle: REUTERS
Chinesische MauerMan kennt sie aus Reiseprospekten und gefühlt jedes zweite China-Restaurant ist nach ihr benannt. Nicht weiter verwunderlich also, dass 15 Prozent der Befragten mit China die Chinesische Mauer assoziieren. Sie gilt als Weltkulturerbe und erstreckt sich über 21.196 Kilometer. Früher sollte die Mauer vor allem zum Schutz vor Völkern aus dem Norden dienen, heute ist sie eine der meistbesuchten Touristenattraktionen Chinas und lockt Reisende aus aller Welt an. 36 Prozent der Befragten haben daher sehr großes oder großes Interesse an China als Reiseland. Quelle: dpa
Chinesisches EssenPeking-Ente, Reis süß-sauer - und das alles mit Stäbchen: 14 Prozent der befragten Deutschen denken beim Stichwort China an chinesisches Essen. Was Viele aber nicht wissen: Chinesisches Essen ist nicht gleich chinesisches Essen. Die meisten der 23 Provinzen Chinas haben ihre eigene Regionalküche. Zu den populärsten gehört die würzige Küche aus Sichuan, die gerne Sojasauce, Ingwer und Frühlingszwiebeln verwendet, die scharfe Xiang-Küche aus Hunan und die kantonesische Yue-Küche, die vor allem durch die Verwendung ungewöhnlicher Zutaten wie Hundefleisch bekannt geworden ist. Übrigens: Die Peking-Ente ist das berühmteste Gericht der chinesischen Küche. Quelle: REUTERS
MenschenrechtsmissachtungEbenfalls 14 Prozent fallen zu China Menschenrechtsverletzungen ein. Auf die Frage, wo sie das Land gegenwärtig und in 15 Jahren beim Schutz der Menschenrechte sehen, ordneten 60 Prozent der Befragten die Volksrepublik in die Schlussgruppe ein, nur 1 Prozent sieht China als Spitzengruppe in Bezug auf Menschenrechte. Auch das Bild Chinas als ein Rechtsstaat stößt auf wenig Zustimmung bei den Deutschen. 49 Prozent stimmten der Aussagen gar nicht zur, nur 1 Prozent sieht China als Rechtsstaat an. 80 Prozent der befragten Bevölkerung geht außerdem davon aus, dass in China kaum oder keine Debatten über politische Themen geführt werden. Quelle: dpa
Diebstahl von Ideen12 Prozent denken, China spioniere deutsche Unternehmen aus und verkaufe die Ideen aus dem Westen als eigene. Nachgebaute Ware aus China, oft zum Spottpreis, macht deutschen Unternehmen das Leben schwer. Auch das Markenimage chinesischer Produkte ist bei den befragten Deutschen schlecht. So assoziieren viele Konsumenten in Deutschland chinesische Produkte mit einfache, technisch wenig anspruchsvolle Billigware. Quelle: dpa

Doch trotz der neuen Lockerungen bleibt die chinesische Familienpolitik im Grundsatz drakonisch. Wer ohne Erlaubnis ein Kind zur Welt bringt, muss vielfach 50.000 Renminbi zahlen, um dem Staat die Schulkosten zu ersetzen. Das entspricht etwa 25 normalen Monatsgehältern. Der Staat holt sich das Geld notfalls, indem er das Mobiliar verpfändet. Wer dem ausweichen will, indem er sein Kind verheimlicht, wird hart bestraft.

Dramatische Effekte

Man sollte vermuten, dass sich die Radikalität der bisher in China gewählten Ein-Kind-Politik in extrem niedrigen Geburtenraten widerspiegelt. Aber das ist nicht der Fall. So liegt die Zahl der Kinder pro Frau in China mit einem Durchschnittswert von 1,66 um einen Zehntelpunkt über dem Durchschnitt der Europäischen Union – und sogar um zwei Zehntelpunkte über dem deutschen Wert.

Besonders groß sind die Unterschiede, wenn man die Zahl der jährlich Neugeborenen in Relation zur Bevölkerung betrachtet. Mit zwölf Neugeborenen pro 1000 Einwohner liegt China weit vor der EU oder Deutschland, wo die entsprechende Zahl nur zehn beziehungsweise acht beträgt.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die chinesische Ein-Kind-Politik nicht gewirkt hätte. Sie hat sogar dramatische Effekte gehabt, denn die Geburtenrate lag beim Beginn der Ein-Kind-Politik im Jahr 1979 noch bei 2,8 Kindern pro Frau. Auf 1000 Einwohner kamen damals jährlich 18 Neugeborene. Der Grund für den überraschenden Befund ist vielmehr, dass in Europa und speziell Deutschland mit dem gesetzlichen Rentensystem noch eine ganz andere Kraft am Werke war, die die Kinderzahl reduzierte.

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