Unicef-Bericht Viele Kinder leiden unter Armut und Gewalt

Schwere Kinderrechtsverletzungen wie Kinderarbeit, sexuelle Ausbeutung und Diskriminierung sind in weiten Teilen der Welt traurige Realität. Eine neue Unicef-Studie fordert zum Handeln auf.

Der Unicef-Report 2014 ruft zum weltweiten Handeln auf: Kinderrechtsverletzungen müssen entschlossener bekämpft werden. Quelle: dpa

Vor 25 Jahren wurden die UN-Kinderrechte verabschiedet - doch nach wie vor existieren sie für viele Kinder nur auf dem Papier. Gewalt und Ausgrenzung seien bei der Umsetzung die größten Hürden, beklagte Unicef bei der Vorstellung des aktuellen Reports „Jedes Kind hat Rechte“.

„Gerade die ärmsten Kinder sind von sozialen und medizinischen Fortschritten oft ausgeschlossen“, sagte Jürgen Heraeus, Vorsitzender von Unicef Deutschland. Immer noch sterben den Angaben nach 6,6 Millionen Kinder jährlich an vermeidbaren Krankheiten, bevor sie das Schulalter erreichen.

Zwar konnte seit 1989 die Kindersterblichkeit halbiert und der Anteil arbeitender Kinder um ein Drittel gesenkt werden. Aber vor allem für benachteiligte Kinder müssten Regierungen, Wirtschaft und Zivilgesellschaften noch mehr tun.

Mehr als 150 Millionen Mädchen und 73 Millionen Jungen erfahren jedes Jahr sexuelle Gewalt, besonders häufig in Kriegsgebieten. „In Entwicklungsländern sind mehr als 30 Prozent der Mädchen unter 18 Jahren - einige davon nicht mal sieben Jahre alt - von frühen und erzwungenen Eheschließungen betroffen“, betonte die UN-Sonderbeauftragte zu Gewalt gegen Kinder, Marta Santos Pais.

Die Unicef-Bilder des Jahres
Erster Preis des internationalen Wettbewerbs Unicef-Foto des 2012Die Auseinandersetzung zwischen den Gegnern von Baschar al-Assad und seinen Anhängern ist zu einem zerstörerischen Stellungskrieg im ganzen Land geworden. Zwischen den Fronten werden Zivilisten zermahlen. Gänzlich unbeteiligt: die Kinder. Der italienische Fotograf Alessio Romenzi fängt in seinem Bild den ganzen Irrsinn der Situation ein. Bekleidet und zurechtgemacht, wie sich kleine Mädchen spielerisch herausputzen können, steht das Kind Ende September 2012 auf dem blutigen Boden des häufig unter Beschuss stehenden Dar-El-Shifa-Hospitals in Aleppo. Umgeben von Männern mit Kalaschnikows wartet das Kind an der Hand seines Vaters auf die eigene medizinische Behandlung. Es war zu Hause hingefallen und hatte sich am Kopf verletzt. Zutiefst bewegend ist auch der Ausdruck der Gesichter auf vielen weiteren Fotos in dieser Reportage über die vom Bürgerkrieg Betroffenen. Es sind Einblicke in verstörte Seelen, die für immer durch Verzweiflung, Vertreibung, Verwüstung, Verletzungen und Tod verwundet oder verschwunden sein werden.  Fotograf: Alessio Romenzi, Italien, Agentur Corbis Images Syrien: Kinder zwischen den Fronten Quelle: Presse
Zweiter Preis des internationalen Wettbewerbs Unicef-Foto des 2012In dem Film Slumdog Millionär trennt eine einzige Frage den Jungen aus den Slums von Mumbai von einem Leben als Millionär. Der Traum scheint zum Greifen nahe. Ein rührendes Holly-Bollywood-Kunststück, ein Film zum Träumen. Die Wirklichkeit der über 70 Prozent der Bevölkerung, die unter der Armutsgrenze leben, 40 Prozent davon Kinder, wird sich durch keine Quiz-Show zum Guten verändern. Das zeigt die Langzeitstudie des indischen Fotografen Abhijit Nandi. Er weiß um die Situation der Straßenkinder in vielen Regionen seines Landes, darunter Uttar Pradesh, Bihar und Rajasthan. Mädchen und Jungen, die durch ihre Arbeit ihren Eltern ein winziges Zubrot verschaffen müssen. Eltern, die schon deswegen ihre Kinder nicht zur Schule schicken können. Oder Kinder, die völlig auf sich allein gestellt sind. Sie kämpfen sich durch ihr Leben mit vielen verschiedenen Hilfsarbeiten. Als Kartenverkäufer, Kameltreiber, Fischereihelfer, als Bittstellerinnen, die als Göttin verkleidet sind, oder als Seiltänzerinnen. Nach Schätzungen von Unicef gibt es auf dem Subkontinent mehr als 29 Millionen Kinderarbeiter im Alter zwischen fünf und 14 Jahren. Der Fotograf betont, dass die Abschaffung der Schulgebühren allein nicht ausreicht, um die Probleme dieser Mädchen und Jungen zu lösen. Fotograf: Abhijit Nandi, Indien, Freier Fotograf Indien: Leben als Drahtseilakt Quelle: Presse
Dritter Preis des internationalen Wettbewerbs Unicef-Foto des 2012Am 22. Juli 2011 zündete Anders Breivik eine Autobombe in Oslo, die acht Menschen tötete. Dann begab sich der Attentäter zum Feriencamp auf der Insel Utøya und erschoss gezielt 69 Jugendliche. Die Norwegerin Andrea Gjestvang ist durch ihr Land gereist, um 43 der 495 Jugendlichen, die das Massaker seelisch und körperlich verletzt überlebt haben, zu porträtieren und ihre Reflexionen über das Geschehen aufzuschreiben. „Einen Tag in der Geschichte“ nennt die Fotografin ihr Projekt, mit dem sie ein tieferes Verständnis für die Opfer entwickeln möchte. Es zeigt, wie die Jugendlichen mit den Folgen des Geschehens umgehen. „Mein Leben hat sich in mehr als in einer Hinsicht verändert. In der Grundschule wurde ich gehänselt, ich fühlte mich traurig und zog mich zurück“, sagt Cecilie, die sich gemeinsam mit einer Freundin zu verstecken suchte. Ihre Freundin wurde getötet, sie selbst überlebte schwer verletzt. Die letzte Kugel stoppte an ihrem Weisheitszahn, ihr Arm musste amputiert werden. Trotzdem schätze sie jetzt das Leben und habe zu ihrem wahren Selbst gefunden, erzählte die 17-jährige der Fotografin. Die 15-jährige Ylva betont, dass sie ihre Narben mit Würde tragen wolle. Denn diese wurden ihr zugefügt, weil sie für Werte einstehe, die sie auch nach dem historischen schwarzen Tag aufrecht halte. „Das Leben geht weiter. Ich sage mir diesen Satz jeden Tag. Es ist der Satz, den ich auf dieser Welt am meisten hasse“, sagt Tuva (17), die sich verstecken konnte und das Attentat deshalb körperlich unverletzt  überlebt hat. Fotografin: Andrea Gjestvang, Norwegen, Agentur Moment Norwegen: Der schlimmste Tag ihres Lebens Quelle: Presse
Vierter Preis des internationalen Wettbewerbs Unicef-Foto des 2012Entzücken über meine Tochter mag schön und gut sein, aber das reicht nicht, sagen sich immer mehr amerikanische Mütter. Aufgerüscht, opulent frisiert, mit üppigem Make-up versehen, werden schon Zweijährige auf die Laufstege der Schönheitswettbewerbe geschickt. Die Popularität der „child beauty pageants“ explodiert derzeit in den USA, angefeuert durch die so umstrittene wie einflussreiche Reality-TV-Serie „Toddlers and Tiaras“, so die Beobachtung der dänischen Fotografin Laerke Posselt. Im April 2012 fand sie Zugang hinter die Kulissen solcher Wettbewerbe in Alabama, Georgia und South Carolina sowie zum Zuhause der Kleinen. Sie traf auf Offenheit und Sympathie. Gleichzeitig überfiel sie Unbehagen. Die Mädchen werden gedrillt, erwachsene Popstars und Models zu imitieren. Was also ist die Botschaft, die ein Kind aus einer solchen Beauty-Konkurrenz ziehen muss? Ich bin nur liebenswert, wenn ich aussehe wie Barbie oder Beyoncé und andere mir zujubeln? Das Selbstwertgefühl der Mädchen wachse, so die Meinung der Eltern. Kritiker werfen ihnen dagegen Kindesmissbrauch vor. Fotografin: Laerke Posselt, Dänemark, Agentur Moment USA: Schönheitsköniginnen Quelle: Presse
Ehrenvolle Erwähnung - Wettbewerb Unicef-Foto des Jahres 2012Solche Schindereien sind für uns kaum vorstellbar: Kinder, die Tag für Tag in enge, schlecht gesicherte Stollen kriechen, um geringe Mengen von Kohle zu fördern. Die sie anschließend für wenige Rupien verkaufen. Die Situationen im Kohlebergbau, die der in Indien lebende australische Fotograf Daniel Berehulak mit seiner Kamera festgehalten hat, vermitteln eine Ahnung von den jammervollen Bedingungen, die für  Kinderarbeiter in den Jaintia-Bergen im Bundesstaat von Meghalaya gelten. Wie viele Minderjährige hier schuften, ist umstritten – die indische Kinderrechtsorganisation Impulse schätzt ihre Zahl auf bis zu 70.000. Die UN-Kinderrechtskonvention schreibt das Recht jedes Kindes fest, vor ausbeuterischer Arbeit geschützt zu werden. Seit 2006 ist Kinderarbeit von unter 14-jährigen auch in Indien verboten – ein Beschluss, den die indische Regierung erst im November dieses Jahres bekräftigt hat. Doch der kleine Junge, der mit großen Mühen Wasser in die gewonnene Kohle gießt, um sie zu waschen und sie anschließend zu zerkleinern, hat keine andere Wahl. Nur mit dieser Arbeit kann er überleben. Fotograf: Daniel Berehulak, Australien, Agentur Getty Images Indien: Die dunkle Seite der Armut Quelle: Presse
Ehrenvolle Erwähnung - Wettbewerb Unicef-Foto des Jahres 2012Sie sind auf sich allein gestellt – doch oft versorgen sie auch ihre kleinen Geschwister. Manche haben das Glück, wenigstens von der Großmutter oder beiden Großeltern betreut zu werden. Fast jedes dritte Kind wächst ohne Vater oder Mutter in der Republik Moldau auf. Manche der Zurückgelassenen sehen ihre Eltern Monate oder auch Jahre nicht. Für Besuche reicht das Geld nicht aus, das die Eltern als Altenpfleger oder Erntehelfer in der Ferne verdienen. Auch müssen vielfach hohe Schleppergebühren zurückgezahlt werden. So bleiben über lange Zeiträume nur die Stimmen am Telefon oder das Gesicht auf dem Computer beim Skypen. Und es bleibt die Traurigkeit und die Einsamkeit auf beiden Seiten. Die deutsche Fotografin Andrea Diefenbach dokumentiert diese getrennten Welten in ihrem 2012 veröffentlichten Buch „Land ohne Eltern“. Eine von Unicef geförderte Studie zeigte bereits 2006, dass Kinder, die von ihren Eltern in der Heimat zurückgelassen wurden, oft sehr unter der Trennung leiden und sich mit der Zeit emotional distanzieren. Vor allem kleine Kinder tun sich in der Folge häufig generell schwer, soziale Kontakte zu entwickeln – auch zu Gleichaltrigen. Fotografin: Andrea Diefenbach, Deutschland, Freie Fotografin Republik Moldau: Kinder allein zuhaus Quelle: Presse
Ehrenvolle Erwähnung - Wettbewerb Unicef-Foto des Jahres 2012Heutzutage ist die Republik Tschetschenien ein Teil der Russischen Föderation. Durfte während der Zeit der geeinten Sowjetunion der Glaube in Tschetschenien keine Rolle spielen, forciert das Regime des heutigen Präsidenten Ramzan Kadyrov die Rückbesinnung auf islamische Traditionen. Sie sollen die Moral der Gesellschaft stärken und einem „Sittenverfall“ entgegenwirken. Diesen religiösen Einfluss auf das Leben von heranwachsenden Mädchen versucht die russische Fotografin Diana Markosian, die in den USA lebt, in ihrer siebenmonatigen Reportage zwischen 2011 und 2012 einzufangen. Das Tragen von Kopftüchern in öffentlichen Gebäuden und Schulen ist Pflicht. Oft wird auch der Hijab, eine den Körper als Ganzes bedeckende Kleidung, gefordert. Tägliche Gebete gehören zum Tagesablauf. Das Verhältnis von Mädchen und Jungen steht unter strenger Aufsicht. Intime Annäherungen sind vor der Hochzeit strengstens verboten. Dagegen sind frühe Eheschließungen und dann möglichst viele Kinder erwünscht. Fotografin: Diana Markosian, Rußland, Getty Images emerging photographers Tschetschenien: Zurück zur Religion Quelle: Presse
Ehrenvolle Erwähnung - Wettbewerb Unicef-Foto des Jahres 2012In einem Werk des US-Chemiekonzerns Union Carbid traten im Dezember 1984 im indischen Bhopal aufgrund technischer Pannen, nicht zuletzt verursacht durch Sparmaßnahmen, mehrere Tonnen giftiger Stoffe in die Atmosphäre. Tausende Menschen starben an den unmittelbaren Folgen. Unzählige erblindeten, erlitten Hirnschäden, Lähmungen, Lungenödeme, Herz-, Magen- und Leberleiden. Später kamen Fehlbildungen an Neugeborenen und Wachstumsstörungen bei heranwachsenden Kindern hinzu. Ein Grund dafür ist, dass sich nach wie vor hochgiftige Überreste aus der Explosion in Boden und Grundwasser befinden. Niemand fühlt sich für die Sanierung des Industriegeländes zuständig. Genauso wenig wie für die Geschädigten. Der italienische Fotograf Alex Masi fühlt sich als Augenzeuge verpflichtet, in seinem Langzeitprojekt auf diese unsägliche Situation und das bis heute nicht gelöste Problem der Giftmüllentsorgung aufmerksam zu machen. Fotograf: Alex Masi, Italien, Agentur Corbis Images Indien: Die Katastrophe von Gestern ist das Drama von Heute Quelle: Presse
Ehrenvolle Erwähnung - Wettbewerb Unicef-Foto des Jahres 2012Ab wann dürfen oder sollen Jugendliche ein Selbstbestimmungsrecht über ihren Körper haben? Seit ihrem 15. Lebensjahr lässt sich die inzwischen 17-jährige Nancy* Botox spritzen. Ein Nervengift, das die Fähigkeit hat, Falten zu glätten. Die 16-jährige Peggy* hat sich bei einem Chirurgen für eine Brustvergrößerung angemeldet. Und der gleichaltrige David* wurde durch eine Geschlechtsumwandlung zur Frau.  Die in Südafrika geborene und in England lebende Fotografin Michelle Sank urteilt nicht über die jungen Menschen, die vor der Kamera ihre Sehnsüchte nach einem in ihrem Sinne perfektionierten Körper offenbaren. Sie enthält sich jedweder Wertung über den Veränderungswillen. *Namen geändert Fotografin: Michelle Sank, UK, Freie Fotografin Großbritannien: Mein Körper gehört mir Quelle: Presse
Ehrenvolle Erwähnung - Wettbewerb Unicef-Foto des Jahres 2012In einigen Regionen Afrikas gerät die Welt durch eine fatale Mischung aus Gewalt,  wirtschaftlichen und sozialen Umbrüchen sowie klimatischen Veränderungen aus den Fugen. Zutiefst verunsicherte Menschen versuchen, die Urheber für ihnen unerklärliche Phänomene wie verdorrte Ernten, gestohlenes Vieh, versiegende Brunnen, heimtückische Krankheiten, fehlende Manneskraft, plötzlichen Reichtum oder bittere Armut in ihrer Umgebung dingfest zu machen. Verursacher sind schnell gefunden, weil sie durch Aberglaube bekannt sind: die Hexen. Eine Gruppe von als Hexen stigmatisierte Frauen mit ihren Kindern hat die schwedische Fotografin Åsa Sjöström 2011 in einem Camp ohne Wasser und Strom im Norden Ghanas angetroffen. Sie waren dorthin vor Verleumdungen, körperlicher Gewalt und Androhung der Todesstrafe geflohen. Selbst Kinder werden andernorts des Hexentums beschuldigt. UNICEF unterstützt Selbsthilfegruppen und einheimische Organisationen, die der Verfolgung durch Aufklärung ein Ende setzen wollen.   Fotografin: Ǻsa Sjöström, Schweden, Agentur Moment Ghana: Kinder der Hexen Quelle: Presse
Ehrenvolle Erwähnung 2012 - Wettbewerb Unicef-Foto des Jahres 2012Mit der Entfernung der Vorhaut werden jährlich rund 1,5 Millionen Türken offiziell in den Kreis ihrer Glaubens- und Geschlechtsgenossen aufgenommen. Ob sie wollen oder nicht - das Ritual ist Pflicht, um ein vollwertiger Muslim zu sein, so die Beobachtung des deutschen Fotografen Christian Werner. „Sünnet“ ist das türkische Wort für diesen operativen Eingriff. Neben der Hochzeitsfeier und dem Militärdienst ist es das größte gesellschaftliche Ereignis im Leben eines türkischen Mannes. Wochenlang bereiten sich Eltern, Verwandte und Freunde auf diesen besonderen Tag vor, an dem die Jungen wie Prinzen ausstaffiert werden. Doch wenn nach der Beschneidungszeremonie die lokale Betäubung nachlässt, zeigen sich die Schmerzen in Gesicht und Haltung der Jungen. Kemal Özkan, der renommierteste Beschneider in der Türkei brachte es in seiner 40-jährigen Karriere auf über 115.000 Operationen. Bei den Eingriffen im Mai 2011 dabei zu sein, wurde dem deutschen Fotograf ohne Vorbehalt gestattet. Was er, aus einem anderen Kulturkreis kommend, nicht als selbstverständlich empfand.   Fotograf: Christian Werner, Deutschland, Agentur Laif Türkei: Beschneidungsriten Quelle: Presse
iEhrenvolle Erwähnung beim Wettbewerb Unicef-Foto des Jahres 2012Weite Teile des Landes sind nach wie vor in der Hand lokaler Clans, Kriegsherren, radikal-islamischer Gruppen oder Piraten. Hossein Fatemi, ein Fotograf aus dem Iran, führt uns die Kriegsfolgen für Kinder in Somalia vor Augen. Er dokumentiert ihren Kampf ums Überleben, ihren harten Alltag inmitten von Schießereien und Hungersnot, ihr Ausharren in Flüchtlingslagern ohne wirkliche Zukunftsperspektive, auf die jedes Kind ein Recht hat.  Es ist eine gefahrvolle Hilfe, die trotz aller widrigen Umstände von Organisationen wie UNICEF und seinen Partnern vor Ort in Somalia geleistet wird. Unsicherheit und Gewalt erschweren die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln, Wasser und medizinischer Hilfe. Trotzdem wurden mit Hilfe von UNICEF Hunderttausende akut mangelernährte Mädchen und Jungen in Ernährungszentren in Somalia behandelt. Rund 1,7 Millionen Menschen haben Zugang zu sauberem Wasser erhalten. Fotograf: Hossein Fatemi, Iran, Agentur Panos Pictures Somalia: Immer wieder Krieg, Hunger und Tod Quelle: Presse

Pais würdigte auch Fortschritte im Bereich Kinderschutz. Diese gingen jedoch zu langsam voran, kritisierte sie. „Das Risiko von Gewalt ist weiter hoch, auch und gerade dort, wo Kinder eigentlich am sichersten aufgehoben sein sollten - in der Schule, zu Hause, in Heimen oder in Jugendstrafanstalten.“ Laut Unicef zeigen 300 Millionen Kinder unter fünf Jahren problematisches Beziehungsverhalten und Aggressivität, weil sie in ihrem Umfeld Gewalt ausgesetzt sind.

Das Wohlergehen von Kindern müsse endlich zum Maßstab für sozialen Fortschritt und die Zukunftsfähigkeit eines Landes gemacht werden, forderte Unicef. Mit der Unterzeichnung der Kinderrechtskonvention hätten sich dazu praktisch alle Staaten verpflichtet.

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Lob und Tadel gab es für Deutschland: „Deutschland hat die Konvention von Anfang an unterstützt, aber das heißt nicht, dass bei uns alles in Ordnung ist“, sagte Heraeus und erinnerte daran, dass zwischen 2000 und 2010 knapp neun Prozent der Kinder hierzulande in anhaltender Armut gelebt hätten. Er forderte, auch in Deutschland eine unabhängige Ombudsstelle für Kinder einzurichten.

Der Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, Ralf Kleindiek, sprach sich dafür aus, Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern. „In bestimmten Situationen brauchen Kinder eine eigene Rechtsstellung, auch unabhängig von den Eltern.“ Zudem werde es vor dem geplanten G8-Gipfel 2015 in Deutschland eine große Diskussionsveranstaltung für Kinder und Jugendliche geben, deren Ergebnisse dann den Staatschefs präsentiert werden.

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