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Unmut in Pjöngjang Nordkorea sieht in US-Wirtschaftshilfen eine Bedrohung

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Es gibt für Kim gute Gründe, wirtschaftlicher Hilfe argwöhnisch zu begegnen

Das sieht Kim anders. Unter Trumps Politik des „maximalen Drucks“ lasten die internationalen Strafen schwerer denn je auf Nordkorea. Eine Lockerung der Sanktionen würde die Türen zu mehr Handel mit China, Südkorea und möglicherweise Russland öffnen. Diesen Partnern traut Nordkorea mehr als Washington. Auch der Zugang zu globalen Finanzinstituten wäre dann möglich. Das Letzte, was Kim will, ist, seine Atomwaffen aufzugeben, nur damit amerikanische Geschäftsleute und Unternehmer über sein Land herfallen. Ein solches Szenario klingt in seinen Ohren mehr nach einer Drohung als nach einem Angebot.

Zwar hat Nordkorea ausländische Investitionen dringend nötig, doch gibt es für Kim gute Gründe, wirtschaftlicher Hilfe argwöhnisch zu begegnen. Sich solch einer Unterstützung zu öffnen, bedeutet immer auch einen vermehrten Kontakt mit potenziellen Störern von Außen, Rufen nach Veränderung sowie eine Lockerung der Kontrollen und Beschränkungen. All dies könnte eine Gefahr für Kims fast uneingeschränkte Autorität bedeuten.

Entsprechend deutlich reagiert Nordkorea. Als Pompeo begann, über seinen Plan zu sprechen, die nordkoreanische Wirtschaft wieder aufzubauen, schnappte der erste Vizeaußenminister Kim Kye Gwan zurück, Pjöngjang habe kein Interesse: „Wir haben niemals erwartet, die USA würden uns beim Wirtschaftsaufbau unterstützen, und werden das auch in Zukunft nicht vereinbaren.“

Auch staatliche nordkoreanische Medien attackierten die Pläne am Sonntag, indem sie Fox News, CBS und CNN „gehackte Medien“ nannten, die auf der „Gehaltsliste der Macht“ stünden. Die Sender hatten Programme ausgestrahlt, in denen Regierungsvertreter darüber sprachen, welche umfangreichen nicht-staatlichen Hilfen auf Nordkorea warteten, wenn es nachweisbar und unumkehrbar abrüste.

Zwar achten die nordkoreanischen Medien darauf, Trump nicht direkt anzugreifen. Aber die Sache ist so heikel, dass der Norden seine Reaktionen auch verstärkt ideologisch untermauert. Da werden die Überlegenheit des sozialistischen Systems und der Wert der Unabhängigkeit betont - und vor den hinterhältigen Machenschaften der „Imperialisten“ gewarnt, was in Nordkorea gleichbedeutend mit „Amerikaner“ zu verstehen ist.

So hieß es am Sonntag in einem Leitartikel der Parteizeitung: „Imperialisten zählen darauf, dass sie ihre Ziele ohne einen einzigen Schuss erreichen können, indem sie dafür sorgen, dass die Menschen verkommen und ideologisch auseinanderdriften, und indem sie soziale Unruhe stiften.“ Weiter heißt es, die kapitalistische Lebensart sei „ideologisch und kulturell vergiftend“: „Wenn einer derartigen Vergiftung nicht vorgebeugt wird, ist es weder möglich, die Unabhängigkeit und den Sozialismus zu verteidigen, noch dass ein jedes Land und eine jede Nation sich unabhängig entwickelt.“

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