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Unruhen Chile sagt Ausrichtung des Klima-Gipfels im Dezember ab

Chile erlebt heftige Unruhen im Land. Wegen der instabilen Sicherheitslage scheidet das südamerikanische Land als Gastgeber für den Klima-Gipfel aus.

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Demonstranten bewegen sich zwischen brennenden Barrikaden. Sie fordern den Rücktritt von Präsident Pinera. Quelle: dpa

Chile hat die Ausrichtung der nächsten Weltklimakonferenz im Dezember und des Asien-Pazifik-Gipfels im November abgesagt. Staatschef Sebastián Piñera begründete dies am Mittwoch in Santiago de Chile mit den anhaltenden Unruhen in seinem Land.

Am Montag hatte die chilenische Regierung den zehntägigen Ausnahmezustand, der wegen der schweren Unruhen verhängt worden war, wieder aufgehoben. Piñera hatte am Wochenende ein entsprechendes Dekret unterzeichnet, um „zur institutionellen Normalisierung Chiles“ beizutragen.

Die massiven Demonstrationen, gegen die die Polizei hart vorging, waren von einer später zurückgenommenen Erhöhung der Fahrpreise im öffentlichen Nahverkehr ausgelöst worden. Später machten viele Menschen ihrem Zorn über die angesichts niedriger Löhne zu hohen Lebenshaltungskosten und die ungleiche Verteilung des Wohlstandes Luft. Es kam zu Plünderungen und Brandstiftungen, mindestens 20 Menschen starben.

Piñera bildete am Montag in einer Reaktion auf die Proteste die Regierung um. Acht Minister wurden ausgetauscht. Dabei kam es auch zu einer deutlichen Verjüngung. Alle zurückgetretenen Minister sind älter als 60 Jahre alt, die neuen alle unter 50. „Chile ist nicht dasselbe Land, das wir vor ein paar Wochen hatten. Chile hat sich verändert und die Regierung muss sich auch verändern“, sagte Piñera bei der Vereidigung der neuen Minister. Das neue Kabinett habe die Aufgabe, einen Dialog für ein gerechteres Chile zu beginnen.

Doch auch nach der Umbildung der chilenischen Regierung gingen die Proteste weiter. In den Straßen der Hauptstadt Santiago de Chile forderten am Montag erneut Tausende Menschen den Rücktritt von Präsident Sebastián Piñera, wie der Sender CNN am Dienstag (Ortszeit) berichtete. Dabei sei es zu Straßenschlachten mit den Sicherheitskräften und einem Brand an einer Hauptstraße Santiagos gekommen. Die Polizei rückte demnach mit Tränengas, Gummigeschossen und Wasserwerfern vor.

Gonzalo Blumel, der von Piñera am Montag zum Innenminister berufen worden war, nannte die Gewalt „inakzeptabel“: Alle Seiten sollten davon Abstand nehmen. Blumel folgte auf Andrés Chadwick, der von Opposition und Demonstranten wegen Übergriffen der Sicherheitskräfte scharf kritisiert worden war.

Zu den entlassenen Ministern gehört auch Andrés Chadwick, der als Innenminister von der Opposition und den Demonstranten wegen Übergriffen der Sicherheitskräfte scharf kritisiert worden war. Fünf der 20 Todesopfer während der Unruhen wurden nach Angaben des Nationalen Instituts für Menschenrechte (INDH) von Militärs oder Polizisten getötet. Andere starben bei Bränden in Supermärkten sowie einer Fabrik. Weitere 1132 Menschen seien verletzt worden und 3243 festgenommen.

Mehr: Die lateinamerikanische Wirtschaft ist vom globalen Hoffnungsträger zum Risikofaktor geworden. Das schwache Wachstum fördert politische Instabilität.

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