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US-Außenpolitik "Deutschland wird mehr zahlen müssen"

George Friedman ist Politologe und Chef des US-Beratungsinstituts Geopolitical Futures, das sich mit amerikanischer Außenpolitik beschäftigt. Der neue Präsident werde das US-Engagement im Ausland radikal zurück fahren.

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Das ist der Trump-Clan
Der 45. Präsident der USA heißt Donald Trump, die First Lady Melania. Für den Wahlsieger spielte seine Familie eine wichtige Rolle im Wahlkampf – und tut es auch während der Präsidentschaft noch. Denn Donald Trump misstraut den meisten politischen Beratern. Nur seine engsten Angehörigen dürfen ihm die Meinung sagen und Ratschläge geben. Quelle: REUTERS
Ivanka Trump Quelle: AP
Donald Trump Jr Quelle: AP
Tiffany Trump Quelle: REUTERS
Tiffany Trump Quelle: REUTERS
Eric Trump Quelle: AP
Seine Ehefrau Lara Yunaska stand ihm bei jeder Wahlkampfveranstaltung seines Vaters zur Seite. Eric ist der Sohn von Ivana Trump, Trumps erster Ehefrau. Im Jahr 2012 wurde Eric vom „Forbes“-Magazin zu einem der Top 30-Immobiliengurus gekürt. Er leitet gemeinsam mit seinen Geschwistern das Trump Imperium und ist Gründer. Quelle: REUTERS

WirtschaftsWoche: Herr Friedman, Donald Trump wird neuer Präsident der Vereinigten Staaten. Wie wird sich die Außenpolitik der USA verändern?
Die Außenpolitik hat sich schon verändert. Die NATO ist der Sicherheitspfeiler, auf dem die Beziehung zwischen Europa und den USA ruht. Aber die Bürger in den USA sind frustriert über den Beitrag, den die USA an das Sicherheitsbündnis zahlen. Amerika ist nicht nur der größte Beitragszahler mit 22 Prozent des NATO-Budgets in Höhe von 2,8 Milliarden Dollar pro Jahr. Amerika bringt auch eine größere und stärkere Armee in die NATO ein. Wenn man das berücksichtigt, zahlen die USA de facto 72 Prozent des Militärbündnisses mit 28 Ländern.

Was heißt das?
Trump wird Europa auffordern, mehr zu zahlen – und zwar so viel, wie es dem US-Beitrag relativ zum Bruttoinlandsprodukt entspricht. Europa ist eine reiche Region. Jedes NATO-Mitglied muss die gleiche Last tragen. Trump wird den Druck auf Europa oder einzelne Länder erhöhen. Es muss eine faire Lastverteilung und gleiche strategische Ziele geben.

Wird sich das Verhältnis zwischen Europa und den USA dadurch verschlechtern?
Europa verhält sich wie ein großes Land, aber ernsthaft, es ist es nicht. Jedes Land innerhalb der Europäischen Union hat seine eigene Militärstrategie. Man kann das etwa an der Reaktion auf die russische Aggression erkennen. Deutschland hat sich viel zurückhaltender verhalten als beispielsweise Polen. Ähnlich verhält es sich im Nahen Osten. Seit 15 Jahren führen die USA in der Region einen Krieg. Aber nur wenige europäische Länder wie Großbritannien unterstützen uns. Viele Länder leisten nur marginale Beiträge.
Viele Länder halten das US-Engagement in der Region eben für grundfalsch. Der Einmarsch im Irak hat viel Vertrauen zerschlagen.

Donald Trump im Portrait

Unabhängig davon, ob man das Engagement der USA im Nahen Osten begrüßt oder nicht: Das amerikanische Volk ist es leid, dass die USA für die Weltsicherheit zahlen. Das ist eine wachsende politische Realität in Amerika und Europa muss sich entscheiden.

Was heißt das konkret?
Trump wird versuchen, die Beiträge der USA an die NATO neu zu verhandeln. Aber die Gespräche werden eher auf bilateraler Ebene stattfinden. Die USA werden mit Deutschland, Frankreich und Polen und so weiter sprechen. US-Politiker sind derzeit schlicht verunsichert über den Zustand der Europäischen Union und die Uneinigkeit der Mitgliedsländer. Es gibt Leute, die sagen: Was ist die eigentlich die Vorwahl von Europa? Es gibt eine große Unsicherheit darüber, wer innerhalb der EU wirklich zuständig ist. Die Wahrheit ist, dass Verteidigungspolitik nicht in Brüssel entschieden wird, sondern in jedem einzelnen Land.

Trumps wirtschaftspolitische Pläne

Wie wird sich die US-Außenpolitik unter Trump grundsätzlich verändern?
Die Frage der NATO schmort schon seit einiger Zeit. Trump hat aber die internationalen Allianzen und Handelsabkommen zu zentralen Themen gemacht. Das heißt, die gesamte Struktur der US-amerikanischen Außenpolitik steht in Frage. Amerika wird sich aus internationalen Vereinbarungen und Organisationen stärker zurückziehen. Bilaterale Absprachen werden wichtiger. Partner der USA wie Deutschland werden mehr zahlen müssen.

Was bedeutet Trump für US-europäische Handelsabkommen?
TTIP ist tot. Die USA haben ein großes soziales Problem. Die Wohlstandsgewinne durch Wirtschaftswachstum sind nicht gleichverteilt. Einige Politiker denken: Handelsabkommen sind grundsätzlich gut. Aber sie stellen nur noch eine Minderheit. Die Binnennachfrage ist gesunken, weil das Einkommen der Mittelklasse gesunken ist. Trump wird nun zwischen den Befürwortern und Gegnern von Freihandel im Kongress verhandeln müssen. Das wird schwierig. Aber kaum einer glaubt noch, dass Globalisierung überhaupt keinen Schaden angerichtet hat.

Wie sieht die neue US-Handelsdoktrin aus?
Wir werden das Ende einer Politik sehen, die davon ausgeht, dass Freihandel das Beste für Amerika ist. Die USA werden sich künftig für selektiven Handel entscheiden. Absoluter Freihandel wird es künftig nur noch für Industrien geben, die extrem wettbewerbsfähig sind. Für andere Branchen wie das Produzierende Gewerbe und die Landwirtschaft wird es modifizierten oder gar keinen Freihandel geben.
Wird Trump das nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA beenden ?
Nein. Er wird versuchen, es neu zu verhandeln. Aber er wird das Abkommen nicht beenden. Das hat er auch klar gemacht. Die mexikanische Regierung hat ja auch schon gesagt, dass das Abkommen modernisiert werden müsse, aber eben in deren Vorstellung. Mexikos Wirtschaft hat in den vergangenen 20 Jahren stark davon profitiert. Unternehmen aus Nicht-Nafta-Ländern haben eine Niederlassung in Mexiko gegründet, um die amerikanischen Zölle zu umgehen.

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