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US-Autoindustrie Stimmung wendet sich gegen weitere Staatsmilliarden

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Die Schuld für das Desaster lasten die Amerikaner  vor allem dem Management an. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Gallup Mitte Dezember waren 64 Prozent der Meinung, die Vorstände hätten es verbockt. Es folgen mit immerhin 43 Prozent die Gewerkschaften als Übeltäter. In einem Land, in dem es Arbeitnehmervertreter generell schwer haben, weil sie als Hemmschuh und natürlicher Feind des Unternehmers gelten, kommen dicke Pensionspakete und großzügige Sozialleistungen eben nicht gut an, wenn diese das Unternehmen in eine Situation bringen, in der es nach Staatshilfe schreit.

Für Obama ist das keine einfache Situation. Er hatte während des Wahlkampfes die Gewerkschaften geschlossen hinter sich. Kann er sie jetzt fallen lassen und weitere Hilfe für GM und Chrysler verweigern? Wohl kaum. Gleichzeitig sind aber vor allem Umweltschützer, die ebenfalls stark im Obama-Lager vertreten sind, nicht gut auf die US-Autokonzerne zu sprechen, weil diese über Jahre hinweg zum Beispiel gegen schärfere Abgasnormen und bessere Verbrauchswerte mit allen Mitteln der Lobby-Kunst abgewehrt haben.

Stimmungswandel bei Staatshilfen

Zudem haben die meisten Amerikaner die Nase voll davon, in selbst verschuldete Schwierigkeiten geratene Industrien mit weiteren Milliarden aus Steuertöpfen über Wasser zu halten. Mitte November hatten bei weiteren Gallup-Befragung noch 47 Prozent weitere Rettungsaktionen für Detroit befürwortet, rund 49 Prozent waren dagegen. Doch im Februar hat sich das Meinungsbild eindeutig gegen GM & Co. gewendet. 72 Prozent der Befragten sind dagegen, dass der Kongress weitere Überbrückungsdarlehen genehmigt, nur noch 25 Prozent dafür. Dennoch waren Ende Februar immerhin noch 51 Prozent der Befragten der Meinung, alle drei US-Hersteller werden die Krise überleben. 47 Prozent glauben, dass mindestens einer aufgeben muss. Im Dezember hatte dieser Wert noch bei 40 Prozent gelegen.

Angela Merkel wird aufpassen müssen, wenn sie tatsächlich deutsche Steuergelder für die GM-Tochter Opel locker macht. Denn an einer Realität kommt kein Politiker in den USA oder in Deutschland vorbei: Es gibt gigantische Produktionsüberkapazitäten. So bitter das für die betroffenen Opel-Mitarbeiter auch sein mag: Jedes Autowerk, das dicht gemacht wird, erhöht die Chancen für die anderen Hersteller, sichert dort Arbeitsplätze. Auch wenn das bei der Opel-Konkurrenz in Stuttgart, München, Wolfsburg oder Köln niemand laut sagen will.

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