US-Bürger reisen aus Drei Tote bei Protesten in Ägypten

In Ägypten herrscht gespannte Ruhe. Zahlreiche Ausländer verlassen das Land. Am Sonntag droht eine weitere Eskalation: Zum Jahrestag des Amtsantritts Mursis will eine Protestbewegung den Präsidenten zum Rücktritt zwingen.

Das Jahr der Proteste
Arabischer Frühling Quelle: dpa
Occupy Wall Street Quelle: REUTERS
Stuttgart 21 Quelle: REUTERS
Euro (gegen Sparmaßnahmen) Quelle: dpa
Euro (gegen Euro-Rettung) Quelle: dapd
Tottenham Quelle: Reuters
Camila Vallejo Quelle: REUTERS
Anti-Putin-DemonstrationenIn Russland gilt das ungeschriebene Gesetz: Es darf nur demonstrieren, wer das Regime Putin unterstützt. Allein die Furcht vor den Schlagstöcken der Polizei dürften folglich viele Moskauer von der Teilnahme an einer Demonstration gegen die Führung Anfang Dezember abgeschreckt haben. Umso bemerkenswerter, dass dennoch Zehntausende Moskauer am 10. Dezember gegen die Kreml-Partei auf die Straße gehen. Sie schimpfen über angeblichen Betrug bei der Duma-Wahl und fordern den Rücktritt Putins. 52.000 Polizisten sind in der Hauptstadt aufmarschiert, in weiten Teilen halten sie sich zurück. Quelle: dpa
Hunderttausende gegen Atomkraft“Fukushima mahnt: Alle AKWs abschalten.” Gut zwei Wochen nach der Kernschmelze in dem havarierten Meiler Fukushima-Daiichi protestieren am 26. März mehr als 250.000 Menschen in Deutschland gegen die Atompolitik der Bundesregierung. Allein in der Hauptstadt ziehen rund 100.000 Kernkraft-Gegner mit Trillerpfeifen und Transparenten vom Potsdamer Platz zu einer Kundgebung vor dem Brandenburger Tor. Auch in Hamburg, Köln und München gibt es Groß-Demonstrationen. Der GAU in Japan - oder die Stimmung im Volk!? - verändert schließlich auch die Risiko-Bewertung der Kernkraft von Physikerin und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Hatte sie noch ein halbes Jahr vor der Katastrophe von Fukushima eine Laufzeitverlängerung deutscher Meiler durchgesetzt, vollzog Merkel im Frühjahr und Sommer 2011 eine Kehrtwende. Ihr Kabinett beschließt: 2022 soll in Deutschland das letzte Kernkraftwerk abgeschaltet werden. Quelle: dapd
Blockade des Castor-TransportsDer Atom-Ausstieg Deutschlands ist seit einem halben Jahr beschlossene Sache. Der Castor-Transport im November wird dennoch der längste und teuerste Atommüll-Transport der deutschen Geschichte. 125 Stunden braucht der hoch gesicherte Konvoi von der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague bis zu seiner Ankunft im Zwischenlager Gorleben. Alleine in Deutschland schützen ihn 20.415 Polizisten, 400 Beamte mehr als beim letzten Castor-Transport. Bei Zusammenstößen mit Linksautonomen werden 133 Beamte verletzt, die Beamten setzen zum Teil Wasserwerfer und Schlagstöcke ein. Quelle: REUTERS
Rosenmarsch gegen Gewalt Quelle: dapd

Nach neuen tödlichen Protesten gegen den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi bereiten sich Opposition und Muslimbruderschaft auf weitere Demonstrationen vor. Am Freitag waren bei den Demonstrationen gegen Mursi mindestens drei Menschen getötet und mehr als hundert verletzt worden. Auf dem Kairoer Tahrir-Platz campierten am Samstag noch Gegner des Staatsoberhaupts. An diesem Sonntag wollen sie mit Millionen Unterschriften Mursi zum Rücktritt zwingen. Es drohen blutige Konfrontationen mit den Islamisten. Die US-Botschaft schickte einen Teil ihrer Mitarbeiter aus dem Land.
Unter den Toten war auch ein US-Bürger. Nach Angaben der Sicherheitskräfte wurde er von einem zunächst nicht identifizierten Mann mit einem großen Messer in die Brust gestochen, als er Demonstranten fotografierte. Die „New York Times“ berichtete am Samstag in ihrer Onlineausgabe, der 21 Jahre alte Student aus Ohio habe als Praktikant bei der Organisation Amideast in Ägypten Kindern Englisch beigebracht und zugleich sein Arabisch verbessert.
Im Laufe des Samstags verließen zahlreiche Ausländer das nordafrikanische Land. Sämtliche Flüge vom internationalen Flughafen Kairo in die USA, nach Europa und in die Golfstaaten waren nach Angaben aus Sicherheitskreisen ausgebucht. Auch Mitarbeiter und Familienangehörige der US-Botschaft - insgesamt 45 Personen - verließen den Angaben nach per Flugzeug das Land.

Die bisherigen Proteste waren erst ein Vorgeschmack auf die für Sonntag geplanten Großkundgebungen der Opposition. Das US-Außenministerium warnte Amerikaner vor nicht unbedingt nötigen Reisen in das Land. Alle US-Bürger wurden dringend aufgefordert, alle Demonstrationen in Ägypten zu meiden, weil selbst friedliche Versammlungen schnell gewalttätig werden könnten.
Auch das Auswärtige Amt empfiehlt deutschen Staatsbürgern „nachdrücklich“, während und nach den angekündigten Großdemonstrationen „besondere Vorsicht walten zu lassen und den jeweiligen Einzugsbereich der Demonstrationen (für Kairo insbesondere die Innenstadt und Heliopolis) weiträumig zu meiden“.

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Ziel der Opposition ist der Rücktritt Mursis. Die islamistische Führung des Landes lehnt Neuwahlen aber ab. Mursi war 2012 bei der ersten freien Präsidentschaftswahl mit knapper Mehrheit gewählt worden. Eine Protestbewegung will am Sonntag, zum Jahrestag seiner Vereidigung, mehr als 20 Millionen Unterschriften von Bürgern übergeben, die seine Absetzung und Neuwahlen fordern. Seine Anhänger allerdings betonen, Mursi werde nicht vor Ende seiner vierjährigen Amtszeit zurücktreten.

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