US-Luftangriffe Stillstand im Krieg gegen den IS

Seit einem Jahr bombardiert die Anti-IS-Koalition Stellungen des Islamischen Staats. Geschlagen scheint die Terrororganisation noch lange nicht. Zwei Gründe sind dafür entscheidend.

ISIS-Terror in Kobane Quelle: dpa Picture-Alliance

Das schwarz-weiße, verwackelte Bild einer Straße ist zu sehen. Einen Moment später ein weißes Aufblitzen, eine weiße Wolke, die aufsteigt, sich langsam schwarz verfärbt, verschwindet.

Diese Aufnahme veröffentlichte das US-Verteidigungsministerium. Zu sehen ist darauf, wie US-Amerikanische F-18-Kampfjets am 8. August 2014 Bomben auf Konvois und Gefechtsstellungen des „Islamischen Staats“ nahe Erbil warfen, der Hauptstadt der autonomen irakischen Region Kurdistan. Der IS stand zu diesem Zeitpunkt kurz vor den Toren Erbils. Ein Massaker drohte. 40.000 Jesiden waren in Gefahr, genauso wie US-Bürger vor Ort.

Aus welchen europäischen Ländern radikale Islamisten kommen

Einen Tag zuvor hatte US-Präsident Barack Obama verkündet, in den Kampf gegen den IS einzugreifen. Dank der US-Luftangriffe konnte Erbil verteidigt, ein Massaker abgewendet werden. Trotzdem ist die Bilanz des auf drei Jahre angelegten US-Einsatzes im Irak und in Syrien nach einem Jahr und rund 5000 Luftangriffen zwiegespalten.

Territoriale Folgen

„Einerseits konnte dank der Luftangriffe verhindert werden, dass der IS in Syrien und im Irak durchmarschiert“, sagt Christian Hacke, Politikwissenschaftler an der Universität Bonn und Experte für die amerikanische Außenpolitik.

Neben Erbil konnte die im September 2014 in die Hände der Dschihadisten gefallene syrische Stadt Kobane von den kurdischen Peschmerga-Kräften zurückerobert werden. Ein entscheidender Faktor sei die Luftnahunterstützung der Amerikaner gewesen.

Getötete und gefangen genommene Top-Terroristen

„Andererseits scheinen die Kampfkraft und die Attraktivität des IS ungebrochen“, so Hacke. Obwohl die Amerikaner Kommandoanlagen, Rückzugsräumte und Nachschublinien im gesamten IS-Gebiet bombardierten, konnte der IS jüngst strategisch wichtige Gebietsgewinne vermelden.

So eroberten die Dschihadisten die irakische Stadt Ramadi und die syrische Stadt Palmyra – beides sind wichtige Posten für den IS. Laut Angaben der Organisation für Menschenrechte in Syrien hält der IS bis heute die Hälfte Syriens (auch wenn davon große Teile Wüstengebiete sind und der IS de facto nur zwischen zehn und 15 Prozent der besiedelten Gebiete besetzt hat) und den Norden des Iraks – darunter die Millionenstadt Mosul und das Sinja-Gebiet.

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