US-Notenbank Bernanke hält Erhöhung der Anleihekäufe für möglich

Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank, hält sich im Kongress alle Optionen offen. Es gebe keinen vorher festgelegten Kurs, den die Notenbank einschlagen werde. Sogar eine Erhöhung der Anleihekäufe sei möglich.

Fed-Chef Bernanke vermeidet eine Festlegung auf den künftigen geldpolitischen Kurs der Federal Reserve. Quelle: REUTERS

US-Notenbankchef Ben Bernanke vermeidet nach seinem jüngsten Hin und Her eine Festlegung auf den künftigen geldpolitischen Kurs der Federal Reserve. Er könne sich zwar weiterhin vorstellen, dass das laufende Anleihen-Kaufprogramm noch dieses Jahr Schritt für Schritt zurückgefahren und Mitte 2014 eingestellt werde. Ob dies langsamer oder schneller passiere, hänge aber davon ab, wie sich die Wirtschaft in den kommenden Monaten entwickele, heißt es in dem am Mittwoch vorab veröffentlichten Redetext Bernankes für die erste von zwei Anhörungen vor den beiden Kammern des US-Kongresses. "Es gibt auf keinen Fall einen vorab feststehenden Kurs."

Sollte sich die Konjunktur besser entwickeln als erwartet, dann würden die Anleihekäufe von aktuell 85 Milliarden Dollar pro Monat "etwas schneller" reduziert. Sollte der Arbeitsmarkt sich nicht so bessern wie erhofft, könnten die Notenpressen "länger" mit dem aktuellen Tempo rotieren. "Ganz klar, falls nötig wäre das Komitee auch darauf vorbereitet alle Instrumente - inklusive einer Erhöhung des Umfangs der Anleihekäufe für eine bestimmte Zeit - einzusetzen, um eine Rückkehr zur Vollbeschäftigung bei gleichzeitiger Preisstabilität zu fördern."

US-Haushaltsstreit: Darauf haben sich die Parteien geeinigt
Amerikaner mit einem Jahreseinkommen von mehr als 400.000 Dollar (302.000 Euro) und Paare mit mehr als 450.000 Dollar Einkommen müssen künftig mehr Steuern zahlen. Der Spitzensatz steigt von 35 auf 39,6 Prozent. Auf Kapitalerträge und Dividenden müssen Großverdiener künftig 20 statt 15 Prozent abführen. US-Präsident Barack Obama wollte eigentlich Haushaltseinkommen von mehr als 250.000 Dollar höher besteuern, die Republikaner wollten gar keine Anhebungen. Quelle: dapd
Für alle anderen Einkommensgruppen werden die vor einem Jahrzehnt befristet gesenkten Steuersätze dauerhaft festgeschrieben. Dies war das erklärte Ziel beider Parteien, beide wollen Steuererhöhungen für die Mittelschicht vermeiden. Quelle: REUTERS
Allerdings fällt die vor zwei Jahren eingeführte temporäre Senkung der Sozialabgaben um zwei Prozentpunkte weg. Damit fehlen einer Durchschnittsfamilie rund 1000 Dollar pro Jahr. Quelle: rtr
Großverdiener wie oben definiert müssen auf eine Erbschaft von über 5 Millionen Dollar künftig 40 Prozent Steuern zahlen. Bislang lag der Satz bei 35 Prozent. Obama wollte, dass Erbschaften mit einem Wert von über 3,5 Millionen Dollar mit 45 Prozent besteuert werden. Quelle: dpa
Die zum Jahreswechsel gesetzlich vorgesehenen automatischen Haushaltskürzungen nach dem Rasenmäherprinzip, die niemand wirklich wollte, werden um zwei Monate verschoben. Als Ausgleich muss aber für diese Zeit zielgerichtet gespart werden. Höhere Steuereinnahmen dürfen dabei aufgerechnet werden, um die Kürzungen kleiner zu halten. Quelle: dpa
Alle Bundesbeamte und Kongressangehörigen müssen wie schon in den vergangenen Jahren auf Gehaltserhöhungen verzichten. Obama hatte diese Einkommenssperre gerade erst aufgehoben. Quelle: rtr
Arbeitslose erhalten weiterhin für einen verlängerten Zeitraum staatliche Zahlungen. Damit werden zwei Millionen Amerikaner ohne Job davor bewahrt, mit dem Neujahrstag die Unterstützung zu verlieren. Quelle: dpa
Die meisten der 2009 erlassenen Steuererleichterungen für einkommensschwache Familien werden um fünf Jahre verlängert. Quelle: dapd
US-Schuldenstand zum 31. Dezember 2012: Die selbstgesteckte Schuldenobergrenze der USA wird mit dieser Einigung nicht erhöht. Das muss der Kongress nun binnen zwei Monaten nachholen, damit das Land weiter seine Rechnungen und Zinsen bezahlen kann. Hier zeichnen sich neuerlich erbitterte Verhandlungen ab Quelle: dapd

Kürzlich hatte Bernanke zunächst erklärt, er wolle die Käufe ab Herbst zurückfahren und dann Mitte 2014 einstellen. Später hatte er aber gesagt, die US-Wirtschaft brauche noch lange eine extrem laxe Geldpolitik. Das hatte an den Finanzmärkten für Verunsicherung und starke Schwankungen gesorgt. Bernanke steht den Abgeordneten des Repräsentantenhauses nun ab 16 Uhr (MESZ) Rede und Antwort. Am Donnerstag tritt er dann im US-Senat auf.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Während die New Yorker Wall Street noch geschlossen war, als Bernankes Bemerkungen bekanntwurden, sorgten seine Äußerungen am europäischen Aktienmarkt für steigende Kurse. Der Dax in Frankfurt zog leicht an. Am Devisenmarkt gab der Dollar zum Euro und anderen wichtigen Währungen etwas nach. "Bei den Anlegern scheint sich der Eindruck zu verfestigen, dass es noch eine Weile dauert, bis das Anleihen-Ankaufprogramm zurückgefahren wird", sagte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. Bernanke brauche offenbar noch eine deutlichere Bestätigung dafür, dass sich die US-Wirtschaft nachhaltig erholt, bevor er den Fuß langsam vom geldpolitischen Gaspedal nehmen wolle.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%