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US-Notenbank Fed bleibt geldpolitisch auf dem Gaspedal

Die US-Notenbank Fed macht vorerst keine Abstriche an ihren milliardenschweren Anleihekäufen zum Ankurbeln der Wirtschaft. Die Fed wird weiterhin langfristige Staatsanleihen und mit Hypotheken besicherte Wertpapiere im Wert von monatlich 85 Milliarden US-Dollar kaufen.

Die Federal Reserve bleibt bei ihrer Gelpolitik und kauft weiter monatlich Wertpapiere und Staatsanleihen für 85 Milliarden Dollar. Quelle: AP

Nach der nur knapp abgewendeten Pleite der USA im Haushaltsstreit lässt die Notenbank die Geldschleusen sperrangelweit offen. Da die Erholung am Arbeitsmarkt stockt, will die Federal Reserve (Fed) auch weiterhin monatlich für 85 Milliarden Dollar Staatsanleihen und Immobilienpapiere kaufen. Wie die Fed am Mittwoch in Washington weiter mitteilte, ist die Arbeitslosenquote noch immer zu hoch. "Und die Haushaltspolitik dämpft das Wachstum", warnte die Fed mit Blick auf die Folgen des Etatstreits. Da die Wirtschaft unter den Behördenschließungen und politischen Turbulenzen im Oktober gelitten hat, dürfte die Fed noch bis Anfang 2014 geldpolitisch auf dem Gaspedal bleiben. Die Aktienmärkte an der Wall Street reagierten unbeeindruckt auf die anhaltende Geldflut und blieben leicht im Minus. Der Dollar verringerte seine Verluste zum Euro.

Wer die Börsen wackeln lässt
Ben Bernanke Quelle: AP
Janet Yellen (Fed-Vizepräsidentin)Yellen gilt als ausgewiesene Arbeitsmarktexpertin und zugleich als Taube. Sie hat zwar ebenfalls ein Auslaufen der Konjunkturhilfen bei einer Besserung der Wirtschaftslage in Aussicht gestellt, macht aber aus ihrer Prioritätensetzung keinen Hehl: Für den FOMC müsse der Abbau der Arbeitslosigkeit im Zentrum stehen, auch wenn die Inflationsrate „zeitweise leicht über zwei Prozent“ liegen sollte. Yellen wird Bernanke in Jackson Hole vertreten. Womöglich wird sie die Bühne nutzen, um den weiteren geldpolitischen Weg der Fed abzustecken. Quelle: REUTERS
William Dudley (links im Bild, New York, FOMC-Vizevorsitzender)Der enge Vertraute Bernankes plädiert dafür, nichts zu überstürzen. Die Fed solle noch „drei bis vier Monate“ warten, bis sie über ein Zurückfahren der Bond-Käufe entscheide. Bis dahin werde sich ein klareres Bild ergeben, wie weit die Konjunkturerholung gediehen sei. Zugleich betont Dudley, das Programm bleibe flexibel. Bei einer Eintrübung der Konjunktur könne das Tempo der Käufe auch wieder steigen. Quelle: dapd
Charles Evans (Chicago Fed)Er gilt als Taube und ist für eine extrem lockere Geldpolitik im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Ein Ende der Bond-Käufe kommt für ihn erst in Frage, wenn der Jobmarkt über den Berg ist. Dazu legt er die Latte hoch: Über mehrere Monate müssten mindestens jeweils mehr als 200.000 neue Stellen geschaffen werden. Im Mai waren es lediglich 175.000. Quelle: REUTERS
Eric Rosengren (Boston Fed)Auch er steht eher im Ruf, eine Taube zu sein. Rosengren schlägt vor, in einigen Monaten eine „moderate Verringerung“ der Bond-Käufe zu prüfen, falls sich der Arbeitsmarkt weiter erholt. Zunächst hatte er dafür einen Schwellenwert von 7,25 Prozent bei der Arbeitslosenquote genannt, der aus seiner Sicht Ende des Jahres erreicht werden könnte. Zuletzt stieg die Quote aber leicht auf 7,6 Prozent. Quelle: REUTERS
Esther George (Kansas City Fed)Sie hält die Geldpolitik für zu locker und plädiert für ein Zurückfahren der Konjunkturhilfen. Sie warnt, ein zu starkes Stimulieren der Wirtschaft werde die Inflation anheizen. Quelle: REUTERS
James Bullard (St. Luis Fed)Der Notenbanker sorgt sich um die Preisstabilität, allerdings nicht wegen möglicher inflationärer Auswirkungen der Geldschwemme, sondern wegen des derzeit zu niedrigen Preisauftriebs. Er möchte die Anleihe-Käufe solange fortsetzen, bis die Inflationsrate wieder auf den Zielwert der Fed von zwei Prozent gestiegen ist. Andernfalls drohe das Inflationsziel an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Im April ging die von der Fed beobachtete Teuerungsrate (PCE) in den USA auf 0,7 Prozent zurück. Quelle: REUTERS

Die meisten von Reuters befragten US-Händler erwarten ein Eindämmen der Geldflut erst ab März 2014. Den Leitzins beließ die Zentralbank wie erwartet bei null bis 0,25 Prozent. Der Kongress bewahrte die US-Regierung mit einer Einigung in letzter Minute vor der Zahlungsunfähigkeit. Die Folgen des vorübergehenden Haushaltsnotstands für die Wirtschaft sind jedoch noch nicht absehbar.

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Rund 800.000 Bundesbedienstete wurden wochenlang in Zwangsurlaub geschickt. Ökonomen befürchten, dass die Auswirkungen des Streit das Wirtschaftswachstum im letzten Quartal 2013 um bis zu einen halben Prozentpunkt schmälern wird. Die Konsumenten sind verunsichert und auch der Ruf der USA an den Finanzmärkten hat gelitten.

Eine Abkehr von der Nullzinspolitik steht vorerst nicht auf der Agenda. Die Fed will den Schlüsselzins mindestens so lange niedrig halten, bis die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent gesunken ist. Zuletzt lag die Quote bei 7,2 Prozent.

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