US-Notenbank Fed dämpft Erwartung einer frühen Zinswende

Die US-Notenbank Fed hat Hoffnungen auf noch länger niedrige Zinsen geweckt. Die US-Aktienmärkte reagierten prompt und stiegen nach Veröffentlichung der neusten Fed-Protokolle auf Tageshöchststände.

Die neue Chefin der US-Notenbank, Janet Yellen, hatte zuletzt eine Zinswende für das erste Halbjahr 2015 in Aussicht gestellt. Quelle: dpa

Die US-Notenbank wird die Zinsen voraussichtlich nicht so früh und kräftig erhöhen, wie bislang gedacht. Darauf lassen die am Mittwoch veröffentlichten Protokolle der jüngsten Zinssitzung von Mitte März schließen. Darin äußern mehrere Notenbanker die Sorge, dass die Märkte aus den aktuellen Projektionen für den Zeitpunkt von Zinserhöhungen die falschen Schlüsse ziehen könnten. Daraus könnte ein aggressiverer Kurs herauslesen werden als ihn die Fed tatsächlich plane, mahnten die Fed-Vertreter. Die US-Aktienmärkte stiegen nach der Veröffentlichung der Protokolle auf Tageshöchststände. Der Kurs des Dollar bröckelte. Händler erwarten nun, dass eine erste Zinserhöhung noch nicht im ersten Halbjahr 2015, sondern frühestens im Juli nächsten Jahres ansteht.

In den im März veröffentlichten Projektionen war im Mittel ein Zinsniveau von 2,25 Prozent für Ende 2016 veranschlagt worden. Dies ist ein halber Prozentpunkt mehr als in der Dezember-Prognose. Aus dem Fed-Protokoll wird deutlich, dass mehrere Notenbanker diese Veränderung für "überzogen" halten. Sie zeigten sich besorgt, dass den Märkten damit ein falsches Bild von der Zinsstrategie vermittelt werde.

"Man kann Hoffnung schöpfen, dass die Fed doch konjunkturstimulierender agiert als bislang gedacht - und diesen Kurs auch länger beibehält als bislang angenommen", sagte Ökonom Steve Sosnick von Timber Hill/Interactive Brokers. Fed-Chefin Janet Yellen war in der Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid überraschend konkret geworden und hatte eine Zinswende für das erste Halbjahr 2015 in Aussicht gestellt. Nach dem für den Herbst erwarteten Ende des Anleihenkaufprogramms dürften "rund sechs Monate" bis zu einer Straffung der Geldpolitik vergehen, sagte sie seinerzeit.

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Der US-Notenbanker Charles Evans schließt nicht aus, dass deutlich mehr Zeit ins Land gehen könnte, bis die Zinswende eingeleitet wird: "Es könnten sechs, es könnten aber auch 16 Monate werden", sagte der Chef der Fed von Chicago vor Journalisten. Die Fed hält den Leitzins bereits seit Ende 2008 auf dem historisch niedrigen Niveau von null bis 0,25 Prozent. Derzeit heizt die Notenbank die Wirtschaft zusätzlich noch mit monatlichen Wertpapierkäufen in Höhe von 55 Milliarden Dollar an. Das Programm soll aber Ende des Jahres auslaufen, wenn sich der Aufschwung gefestigt hat.

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