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US-Notenbank Fed legt Zinspause ein und lässt Tür für weitere Erhöhung offen

Fed lässt Leitzins wie erwartet stabil Quelle: dpa

Die US-Währungshüter legen bei ihrer Anpassung der Leitzinsen eine Pause ein. Was Ökonomen nicht überrascht. Der nächste Zinsschritt wird erst im Dezember erwartet. Präsident Trump versucht zu bremsen.

Die US-Notenbank Fed pausiert nach mehreren Zinserhöhungen und nimmt zugleich Anlauf für einen weiteren Schritt nach oben. Der Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld bleibt in der Spanne von 2,0 bis 2,25 Prozent, wie die Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell am Donnerstag mitteilten. Sie bescheinigten der Wirtschaft zudem ein hohes Wachstumstempo und ließen damit die Tür für eine weitere Erhöhung offen. Der Leitzins wurde zuletzt im September angehoben - die dritte Erhöhung in diesem Jahr. Eine vierte dürfte bald folgen: „Mit dem anhaltend kräftigen Wachstum für das dritte Quartal sowie dem starken Beschäftigungsaufbau im Oktober im Rücken steuert die Fed klar auf eine weitere Zinsanhebung im Dezember zu“, so der Chefvolkswirt Uwe Burkert von der Landesbank LBBW.

Die Wirtschaft zwischen Chicago und Los Angeles hatte ihr hohes Wachstumstempo im Sommer nur leicht gedrosselt: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 3,5 Prozent zu, nachdem im Frühjahr ein Plus von 4,2 Prozent herausgesprungen war. Der Jobmarkt legt zudem seit Monaten deutlich stärker zu als nötig wäre, um mit dem Bevölkerungswachstum Schritt zu halten. Die Fed soll Vollbeschäftigung und stabile Preise sichern. Sie wähnt sich bei diesen Zielen bei einer Erwerbslosenquote von zuletzt 3,7 Prozent am Ziel und spricht von einem Arbeitsmarkt, der „weiter an Stärke“ gewonnen habe. Auch die Inflation sehen die Währungshüter im grünen Bereich, da sie sich auf der von der Fed angepeilten Marke von 2,0 Prozent stabilisiert hat.

Mit einer Straffung der Geldpolitik kann die Fed einer Überhitzung der Konjunktur vorbeugen, die von US-Präsident Donald Trumps radikalen Steuersenkungen im Volumen von 1,5 Billionen Dollar zusätzlichen Schub erhält. Der US-Präsident, dessen Republikaner bei den Kongresswahlen am Dienstag die Mehrheit im Repräsentantenhaus einbüßten, hat die Notenbank wegen der Zinserhöhungen kritisiert und für „verrückt“ erklärt. Er fürchtet, dass die höheren Zinsen dem Aufschwung schaden.

Ruhige Handelstage in Frankfurt und New York - Spannung vor Fed-Sitzung

Die jüngste Zinssitzung, die zwei Tage umfasst, war wegen der Kongresswahlen um einen Tag verschoben worden. Sie war damit nicht wie sonst üblich an einem Mittwoch, sondern an einem Donnerstag zu Ende gegangen. Zugleich war es der letzte reguläre Zinsentscheid, der ohne anschließende Pressekonferenz über die Bühne ging. Für die Dezember-Sitzung ist ein Presseauftritt Powells fest eingeplant. Und für nächstes Jahr hat der Fed-Chef angekündigt, nach jeder der regulären acht Zins-Sitzungen den Reportern Rede und Antwort zu stehen. Experten erwarten, dass er dabei drei Mal Gelegenheit haben wird, Zinserhöhungen zu erläutern.

Nach Ansicht von Ökonom Steve Blitz vom Analysehaus TS Lombard wird die Notenbank 2019 in der Spätphase des Aufschwungs in ein Dilemma geraten, da die Inflation anziehen und sich der Boom zugleich abschwächen dürfte: „Irgendwann nächstes Jahr wird sich Powell dann entscheiden müssen: den Preisen auf den Fersen bleiben oder auf schwächeres Wachstum reagieren.“

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