US-Notenbank Fed spielt bei Zinswende auf Zeit

Fed lässt das Timing für die Zinswende offen und so die Märkte weiter im Dunklen. Fest steht nur: Die erste Zinserhöhung seit der Finanzkrise zieht sich hin. Wie lange, darüber kann nur spekuliert werden.

Fed-Chefin Janet Yellen Quelle: AP

So mancher Anleger könnte vor sechs Wochen geglaubt haben, den nebulösen Code der Federal Reserve geknackt zu haben. Als die US-Notenbank im März erklärte, zumindest bis zur nächsten Sitzung des geldpolitischen Ausschusses im April nicht am faktischen Nullzins rütteln zu wollen, regnete es Spekulationen. Das viel beachtete Wörtchen „geduldig“ wurde aus dem Wortlaut gestrichen, und schließlich konnte man glauben: Die Leitzinserhöhung kommt bei der Sitzung im Juni - oder in den Monaten darauf.

Nun geht das Stochern im Nebel weiter. Statt konkreter Hinweise auf den Zeitpunkt der Zinswende haben sich die Währungshüter nach Ende ihrer zweitägigen Sitzung am Mittwoch von konkreten Zeitangaben wieder verabschiedet. Eine Erhöhung des historisch niedrigen Leitzinses, der seit Ende 2008 zwischen null und 0,25 Prozent liegt, sei erst bei einer „weiteren Verbesserung des Arbeitsmarktes“ angemessen. Zudem liege die Inflation weiter unter der gesetzten Zielmarke von zwei Prozent.

Die größten Pleitestaaten der Welt
Norwegische Insel Quelle: dpa
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Brunnen am österreichischen Parlamentsgebäude Quelle: dpa
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Eiffelturm und Feuerwerk Quelle: dpa
Vancouver Lake Quelle: AP
Platz 6: ItalienItaliens Schulden sind mit 2,75 Billionen Euro immens hoch. Schließlich ist das mehr, als die italienische Volkswirtschaft in einem Jahr erwirtschaftet. Die Schulden im Verhältnis zum BIP liegen bei 139,5 Prozent. Die 60,8 Millionen Italiener sind im Durchschnitt pro Kopf mit 46,757 US-Dollar (rund 45.000 Euro) verschuldet. Quelle: dpa
Platz 5: BelgienNoch höher sind die Schulden pro Einwohner allerdings in Belgien. Hier beträgt die Pro Kopf-Verschuldung 47.749 US-Dollar (44,338 Euro). Die absoluten Staatsschulden belaufen sich auf 375 Milliarden Euro. Das entspricht ziemlich genau der Wirtschaftsleistung des Landes. Quelle: dpa
Platz 4: SingapurDas asiatische Land gilt als wirtschaftlicher Vorreiter in der Region. Allerdings ist die Schuldenlast des 5,5-Millionen-Einwohner-Staates hoch: Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt bei 56.980 US-Dollar (52,910 Euro). Insgesamt liegen die Staatsschulden bei 106,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Quelle: dpa
Platz 3: USAMehr als eine Billion Dollar Defizit stand in den Haushaltsbüchern der USA, als Obama Präsident wurde. Noch im letzten Jahr schoben die Vereinigten Staaten von Amerika einen gigantischen Schuldenberg in Höhe von 18,195 Billionen US-Dollar vor sich her - das waren 58,604 US-Dollar (54,418 Euro) pro Kopf. Mittlerweile hat sich das Haushaltsloch verringert. Wegen höherer Einnahmen und geringerer Ausgaben werde nun nur noch mit einem Defizit von 455 Milliarden Dollar (413 Milliarden Euro) gerechnet. Im kommenden Haushaltsjahr soll das Loch dann bei 429 Milliarden Dollar und damit bei 2,3 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen. Quelle: dpa
Platz 2: IrlandGetoppt wird die Pro-Kopf-Verschuldung nur noch von Irland und einem weiteren Land. Das Euro-Land hat infolge der Finanzkrise eine Pro-Kopf-Verschuldung von über 60,000 US-Dollar aufgebaut. Die Gesamtschulden betragen 121 Prozent des irischen BIP. Zahlen, über die der Spitzenreiten nur lachen kann... Quelle: dapd
Platz 1: JapanJapans Verschuldung beträgt inzwischen über zehn Billionen US-Dollar. Das sind 199 Prozent des BIP - oder 79,525 US-Dollar (73,844 Euro) pro Einwohner. Quelle: dpa

Der Juni scheint damit als Termin vom Tisch, denn von einer robusten Erholung ist die weltgrößte Volkswirtschaft noch ein gutes Stück entfernt. Im Herbst hatte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwar noch um hochgerechnete 5 Prozent zugelegt, doch im vierten Quartal sackte das Wachstum auf 2,2 Prozent ab. „Das wirtschaftliche Wachstum hat sich in den Wintermonaten verlangsamt“, heißt es auch in der Fed-Mitteilung. Der strenge Winter und der starke Dollar sorgten für weitere Bremsspuren: Das Wachstum von 0,2 Prozent im ersten Quartal 2015 kommt praktisch einem Stillstand gleich.

Zwangsläufig richten sich nun alle Augen auf die Sitzung am 17. September, denn beim Treffen im Juli ist keine anschließende Pressekonferenz geplant und eine Sitzung im August findet nicht statt. Dass der Leitzins nach inzwischen 77-monatigem Tiefstand angehoben wird, ohne dass Fed-Chefin Janet Yellen sich den Fragen von Journalisten stellt, scheint zweifelhaft. An den Märkten wird die Zinswende ohnehin erst für Ende 2015 erwartet.

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Nur wenn die amerikanische Wirtschaft zur Aufholjagd ansetzt, die BIP-Schätzung nach oben revidiert wird und auch die Arbeitslosigkeit von derzeit 5,5 Prozent weiter sinkt, könnte die Fed schon früher ernsthaft über eine Abkehr von ihrer Geldpolitik nachdenken. Der niedrige Ölpreis und der die Exporte verteuernden starke Dollar dürften die Aussichten aber weiter trüben. Auch deshalb sprechen die Notenbanker in ihrem Statement von einem abgeschwächten Wachstum, das nur „teilweise auf vorübergehende Faktoren“ zurückzuführen sei.

Als Lichtblick bleibt, dass sich das Szenario von 2014 dieses Jahr wiederholen könnte: Nach einem schleppendem Wachstum in einem ungewöhnlich harten Winter feierte die Wirtschaft im zweiten und dritten Quartal ein Comeback. „Der Ausschuss erwartet weiterhin, (...) dass die Wirtschaftsaktivität in moderatem Tempo zunehmen wird“, schreiben die Währungshüter.

Das Ende der Billiggeld-Ära einzuläuten, bleibt ein Drahtseilakt. Überstürzte Marktreaktionen will die 68-jährige Yellen genauso verhindern wie ausbleibende Investitionen von Unternehmen oder Dämpfer am Immobilienmarkt durch steigende Kreditkosten. Dass die Fed der US-Wirtschaft die Stützräder irgendwann abnimmt, steht außer Frage. Um behutsam vorzugehen, dürfte sie die Zügel nach der ersten Erhöhung aber deutlich langsamer straffen als zuvor. Damit die Märkte sich nicht überrumpelt fühlen, werden die Notenbanker auch in ihren kommenden Sitzungen jedes Wort auf die Goldwaage legen.

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