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US-Notenbanker "Aus Anleihekäufen zügig aussteigen"

Jeffrey Lacker, Zentralbankchef von Richmond und Mitglied im geldpolitischen Ausschuss der US-Notenbank Fed, fordert ein Ende der lockeren Geldpolitik und der massiven Anleihenkäufe.

Der Präsident der Federal Reserve Bank von Richmond, Jeffrey Lacker, fordert im Interview mit WirtschaftsWoche ein baldiges Ende der milliardenschweren Anleihenkäufe durch die US-Notenbank Quelle: Presse

Präsident Lacker, die US-Notenbank kauft weiter Staats- und Hypothekenanleihen für monatlich 85 Milliarden Dollar. Es sieht nicht so aus, als würde das der Konjunktur wirklich helfen.

Lacker: Die quantitativen Lockerungsprogramme haben wenig bewirkt, um die Konjunktur anzukurbeln. In den letzten drei Jahren lag das Wachstum bei zwei Prozent. Einen großen Sprung sehe ich da auch in den nächsten Monaten nicht. Ich teile den Optimismus meiner Fed-Kollegen nicht, die im zweiten Halbjahr dieses Jahres mit einem Wachstum in den USA von 2,8 Prozent und im kommenden Jahr mit drei Prozent rechnen. Meine Prognose liegt für dieses Jahr bei zwei Prozent, für 2014 bei nicht mehr als 2,25 Prozent.

Wer die Börsen wackeln lässt
Ben Bernanke Quelle: AP
Janet Yellen (Fed-Vizepräsidentin)Yellen gilt als ausgewiesene Arbeitsmarktexpertin und zugleich als Taube. Sie hat zwar ebenfalls ein Auslaufen der Konjunkturhilfen bei einer Besserung der Wirtschaftslage in Aussicht gestellt, macht aber aus ihrer Prioritätensetzung keinen Hehl: Für den FOMC müsse der Abbau der Arbeitslosigkeit im Zentrum stehen, auch wenn die Inflationsrate „zeitweise leicht über zwei Prozent“ liegen sollte. Yellen wird Bernanke in Jackson Hole vertreten. Womöglich wird sie die Bühne nutzen, um den weiteren geldpolitischen Weg der Fed abzustecken. Quelle: REUTERS
William Dudley (links im Bild, New York, FOMC-Vizevorsitzender)Der enge Vertraute Bernankes plädiert dafür, nichts zu überstürzen. Die Fed solle noch „drei bis vier Monate“ warten, bis sie über ein Zurückfahren der Bond-Käufe entscheide. Bis dahin werde sich ein klareres Bild ergeben, wie weit die Konjunkturerholung gediehen sei. Zugleich betont Dudley, das Programm bleibe flexibel. Bei einer Eintrübung der Konjunktur könne das Tempo der Käufe auch wieder steigen. Quelle: dapd
Charles Evans (Chicago Fed)Er gilt als Taube und ist für eine extrem lockere Geldpolitik im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Ein Ende der Bond-Käufe kommt für ihn erst in Frage, wenn der Jobmarkt über den Berg ist. Dazu legt er die Latte hoch: Über mehrere Monate müssten mindestens jeweils mehr als 200.000 neue Stellen geschaffen werden. Im Mai waren es lediglich 175.000. Quelle: REUTERS
Eric Rosengren (Boston Fed)Auch er steht eher im Ruf, eine Taube zu sein. Rosengren schlägt vor, in einigen Monaten eine „moderate Verringerung“ der Bond-Käufe zu prüfen, falls sich der Arbeitsmarkt weiter erholt. Zunächst hatte er dafür einen Schwellenwert von 7,25 Prozent bei der Arbeitslosenquote genannt, der aus seiner Sicht Ende des Jahres erreicht werden könnte. Zuletzt stieg die Quote aber leicht auf 7,6 Prozent. Quelle: REUTERS
Esther George (Kansas City Fed)Sie hält die Geldpolitik für zu locker und plädiert für ein Zurückfahren der Konjunkturhilfen. Sie warnt, ein zu starkes Stimulieren der Wirtschaft werde die Inflation anheizen. Quelle: REUTERS
James Bullard (St. Luis Fed)Der Notenbanker sorgt sich um die Preisstabilität, allerdings nicht wegen möglicher inflationärer Auswirkungen der Geldschwemme, sondern wegen des derzeit zu niedrigen Preisauftriebs. Er möchte die Anleihe-Käufe solange fortsetzen, bis die Inflationsrate wieder auf den Zielwert der Fed von zwei Prozent gestiegen ist. Andernfalls drohe das Inflationsziel an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Im April ging die von der Fed beobachtete Teuerungsrate (PCE) in den USA auf 0,7 Prozent zurück. Quelle: REUTERS

Was macht Sie so skeptisch?

Zum einen sind die Verbraucher immer noch sehr vorsichtig. Der Konsum macht immerhin zwei Drittel unserer Wirtschaft aus. Wenn nicht mehr konsumiert wird, woher soll ein stärkeres Wachstum kommen? Es wird noch eine Weile dauern, bis die Amerikaner die vergangene Rezession verarbeitet haben.

US-Unternehmen, nicht nur die großen Finanzinstitute, haben im zweiten Halbjahr doch Milliardengewinne verbucht.

Grund für die Zurückhaltung von Unternehmen, mehr zu investieren und noch mehr Mitarbeiter einzustellen, ist zum einen die unklare fiskalische Lage in den USA – die Sparmaßnahmen, die Verschuldungsproblematik, die fehlende Steuerreform, die anstehende Gesundheitsreform. Das betrifft vor allem auch kleinere und mittlere Unternehmen, die wie in Deutschland auch in Amerika eine zunehmend wichtige Rolle für die Konjunktur spielen. Die global angespannte wirtschaftliche Lage, vor allem in Europa und auch in China, sorgt auch nicht gerade für sprühenden Optimismus.

Der Zeitpunkt, an dem die Fed aus ihrer ultralockeren Geldpolitik aussteigt, liegt also noch in weiter Ferne?

Wir müssen den Ausstieg aus dem Anleihenkaufprogramm zügig umsetzen. Die Inflation ist noch recht niedrig. Die Arbeitslosenquote in den USA ist schneller gesunken, als wir erwartet haben. Sie dürfen nicht nur die vergangenen Wochen im Blick haben, sondern den Zeitraum von September bis heute. Diese Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt reichen aus, um mit einem Ausstieg aus dem Kaufprogramm zu beginnen. Bei den jüngsten Fed-Treffen kam ein Ende dieser Anleihenkäufe in Sicht. Als Erstes sollten wir so schnell wie möglich die monatlichen Hypothekenanleihenkäufe beenden.

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