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US-Präsidentschaft Warum Donald Trump scheitern wird

In den Umfragen führt Milliardär Donald Trump das Feld der republikanischen Präsidentschaftskandidaten an. Seine Aussichten auf die Nominierung seiner Partei oder gar das Weiße Haus gehen aber gegen Null. Drei Gründe.

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Donald Trump Quelle: AP

Geschäftsmann, Exzentriker und konservativer Hardliner – kann ein solcher Kandidat US-Präsident werden? Bereits vor vier Jahren musste sich die republikanische Partei dieser Frage stellen. Im Jahr 2011 bewarb sich der frühere Pizza-Unternehmer Herman Cain um die Nominierung seiner Partei.

Diesmal tritt Milliardär Donald Trump an. Und der sagt für eine Kontroverse nach der nächsten. Kürzlich hatte er sich beispielsweise abfällig über den republikanischen Politiker John McCain geäußert, der im Vietnam-Krieg gefangen genommen und gefoltert wurde. „Er ist ein Kriegsheld, weil er gefangen wurde. Ich mag Leute, die nicht gefangen wurden“, hatte Trump über McCain gesagt. Mexikanische Einwanderer bezeichnete er pauschal als Schmarotzer und Vergewaltiger. Und bei einer Wahlkampfkundgebung lästerte er über seine Co-Kandidaten und veröffentlichte vor laufenden Kameras die Mobilfunknummer eines Konkurrenten.

Diese Kandidaten wollen 2016 ins Weiße Haus
Donald Trump Quelle: REUTERS
Jeb Bush Quelle: AP
Ben Carson Quelle: AP
Mike Huckabee Quelle: REUTERS
Marco Rubio Quelle: AP
Ted Cruz Quelle: REUTERS
Rand Paul Quelle: AP

In aktuellen Umfragen hat Trump das nicht geschadet – im Gegenteil. Bei den Republikanern liegt er vorne. Durchschnittlich kommt Trump derzeit auf 18 Prozent. Diesen Mittelwert weist die Umfrageplattform Realclearpolitics derzeit für Trump aus. Danach folgt Floridas Ex-Gouverneur Jeb Bush auf Platz zwei mit knapp 14 Prozent und Scott Walker, Gouverneur von Wisconsin, auf Platz drei mit elf Prozent. Zuletzt hatte eine Umfrage der Washington Post für Aufregung gesorgt, bei der Trump gar auf 24 Prozent kommt – ein doppelt so hoher Wert, wie ihn Jeb Bush erreicht.

Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass Trump im Wettstreit um die republikanische Kandidatur langfristig mitspielen kann. Dafür gibt es drei Gründe:

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    1. Trump fehlt die Unterstützung der Republikanischen Partei

    Dem Establishment der sogenannten Grand Old Party ist Trump ein Dorn im Auge. Ihr Problem: In der Hauptwahl würde er gegen Hillary Clinton oder einen anderen Kandidaten der Demokraten haushoch verlieren. Dietmar Herz, Politikwissenschaftler an der Universität Erfurt, sieht Trumps größten Nachteil bei seiner Wirkung auf Minderheiten. „Afroamerikaner, Latinos, Schwule und Lesben würde ihn nicht wählen. Ohne diese Minderheiten kann aber niemand in den USA Präsident werden.“

    Schon Mitt Romney hatte 2012 dieses Problem. Während Obama überproportional viele Frauen und eine Art Koalition der ethnischen Minderheiten hinter sich wusste, konnten die Republikaner lediglich bei der weißen Mittelschicht punkten. Zu wenig, denn die einstigen Minderheiten sind angesichts der demografischen Entwicklung längst wahlentscheidend.

    Wie lange bleibt Donald Trump im Rennen?

    2. Trump hat keine Wahlkampfmaschine

    Sollte es zu einem Duell zwischen Hillary Clinton für die Demokraten und Jeb Bush für die Republikaner kommen, hätte dies vor allem einen Grund: Beide Familien verfügen über gut funktionierende Wahlkampfmaschinen. Die Bush- und Clinton-Dynastien sind tief im politischen System der Vereinigten Staaten verwurzelt und können auf Wahlkampforganisationen zurückgreifen, die schon für die früheren Präsidenten Bill Clinton sowie für George Bush Senior und Junior um Stimmen geworben haben.

    In den Bundesstaaten Iowa und New Hampshire wird im Januar zuerst gewählt. „Einige tausend Stimmen können hier entscheidend sein“, sagt US-Wahlkampfexperte Herz. Nur wer über gut gerüstete Wahlkampfteams in den einzelnen Staaten verfügt, wird sich dort auch durchsetzen können.

    Trump - McCain ist kein Kriegsheld

    3. Trump hat keine Agenda

    16 Republikaner haben mittlerweile ihre Kandidatur erklärt. Die meisten lassen sich einem der beiden großen Lager zuordnen. Auf der einen Seite gibt es die Sozialkonservativen, die traditionelle religiöse Werte hochhalten, meist gegen Abtreibung und die Home-Ehe argumentieren und einen möglichst schlanken Staat fordern. Auf der anderen Seite stehen die eher Moderaten, die für eine konservative Wirtschaftspolitik werben, meist geringere Steuern fordern und die USA außenpolitisch als Weltpolizei begreifen.

    Donald Trump passt in keines der Lager. „Er hat überhaupt keine Agenda, keine eindeutigen Positionen“, sagt Herz. „Daher fällt es vielen schwer, seine Kampagne ernst zu nehmen. Donald Trump geht es vor allem um Aufmerksamkeit.“

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      Für die anderen Kandidaten ist nun wichtig, wie lange Trump im Rennen bleibt. Je länger er kandidiert und je erfolgreicher er in dem Umfragen ist, desto mehr kann er bestimmen, worüber in der republikanischen Partei debattiert wird. Trumps bisherige Äußerungen haben gezeigt, dass ihm konstruktive politische Debatten egal sind.

      Sein Privatvermögen, das nach eigenen Angaben zehn Milliarden Dollar umfassen soll, kann ihm im Wahlkampf noch nützlich sein. Politikwissenschaftler Herz glaubt dennoch, dass die Trump-Show spätestens zum Jahreswechsel endet. „Wenn die Vorwahlen losgehen, lichtet sich traditionell das Feld.“

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