US-Präsidentschaftswahl Wie Trump um die Nicht-Wähler buhlt

Politikverdrossene Amerikaner an die Urnen locken – auf diese Strategie setzt Donald Trump. Abgekupfert hat er sie ausgerechnet bei dem Mann, den er im Weißen Haus beerben will. Geht seine Rechnung auf?

Diese Kandidaten wollen 2016 ins Weiße Haus
Donald Trump Quelle: REUTERS
Jeb Bush Quelle: AP
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Ted Cruz Quelle: REUTERS
Rand Paul Quelle: AP

Vince DiSylvester aus Missouri ist 73 Jahre alt und ist noch nie zu einer Präsidentenwahl gegangen. Donald Trump sei vielleicht der erste, der ihn an die Urne locke, sagt der Rentner. „Er ist ein Geschäftsmann. Er kennt die Wirtschaft. Er weiß, wie man die Dinge anpackt.“

Und nicht nur das: „Er nennt die Dinge beim Namen. Wem das nicht passt, der hat eben Pech.“ Auch Ted Wade aus Nevada könnte zum ersten Mal seit 1992 wieder wählen gehen und ebenfalls für Trump stimmen. „Mir reicht das Chaos bei den Republikanern und Demokraten“, sagt der 51-Jährige. Jetzt will er sehen, ob ein „Nicht-Politiker“ es richten kann.

Der Milliardär Trump hat seine Strategie im Vorwahlkampf auf Amerikaner wie DiSylvester und Wade ausgerichtet: auf „verlorene Wähler“. Es sind die bisherigen Nicht-Wähler, die vom scheinbar endlosen Zank zwischen Demokraten und Republikanern angewidert sind.

Es sind politikverdrossene Wähler, denen ihre schlechte wirtschaftliche Lage das Gefühl gibt, sie seien den großen Parteien egal. „Mein ganzer Wahlkampf ist darauf ausgerichtet, die Zahl der Menschen zu vergrößern, die an dieser Wahl teilnehmen wollen und es dann auch tun“, schrieb Trump selbst in einem Kommentar in der Zeitung „USA Today“.

Den Umfragen zufolge geht diese Strategie bislang auf. Erhebungen von Reuters/Ipsos zeigen, dass in diesem Jahr einer von zehn US-Wählern erstmals seine Stimmen abgeben dürfte. Die Zahlen von Juni bis Dezember deuten darauf hin, dass mehr als 27 Prozent dieser Amerikaner sich für Trump entscheiden werden. Sein derzeit wichtigster republikanischer Rivale Ted Cruz kommt dagegen auf nur etwas mehr als 3,4 Prozent dieser Wähler, Parteifreund Marco Rubio auf etwa vier Prozent.

Trump ist nicht der erste amerikanische Politiker, der stark auf Nicht-Wähler setzt. Vor acht Jahren tat das kein Geringerer als der demokratische Amtsinhaber Barack Obama, der viele Amerikaner zum ersten Mal an die Urnen holte. Experten verweisen allerdings auf grundsätzliche Unterschiede bei der Umsetzung dieser Strategie: Obama habe zusätzlich ein Heer von Mitarbeitern aufgestellt, die von Tür zu Tür gegangen seien und die Menschen mobilisiert hätten.

Das Duell der Dynastien
Eine schrecklich mächtige Familie: Der versammelte Bush-Clan beim 90. Geburtstag des ehemaligen US-Präsidenten George H.W. Bush (Mitte). Bush Senior war von 1989 bis 1993 der 41. Präsident der USA. Er ist nicht der einzige US-Präsident a. D. auf dem Bild... Quelle: AP
Der Knurrer aus Texas: Der damalige US-Präsident George W. Bush 2006 in Washington. Die Amtszeit von George W. zwischen 2001 bis 2009 als 43. Präsident der Vereinigten Staaten wird in den USA kritisch gesehen. Der Irakkrieg wird sein größter Fehler bleiben. In letzter Zeit ist er eher durch impressionistische Malerei aufgefallen. Bald könnte er jedoch zum Königsmacher werden... Quelle: AP
Der ehemalige US-Gouverneur Jeb Bush auf Stippvisite in Berlin: Nach Ansicht von Experten könnte der Bruder des 43. US-Präsidenten (George W. Bush) und Sohn des 41. US-Präsidenten (George H. W. Bush) bald seine Präsidentschaftskandidatur für die Republikaner bekanntgegeben. Damit würde er ein Duell der Dynastien bei der Wahl zum 45. US-Präsidenten befeuern... Quelle: AP
Jeb Bush würde dann womöglich gegen Hillary Rodham Clinton antreten, die für die Demokraten bereits auf Stimmenfang. Die ehemalige First Lady hat sich bereits als Außenministerin ihre politischen Tantiemen verdient. Als Nachfolgerin Obamas würde sie eine weitere US-Polit-Dynastie aus der Taufe heben: Möglicherweise wiederholt sich bald die Geschichte. In den USA könnte es zu einem weiteren Duell der Dynastien Bush und Clinton kommen. Zuletzt setzten sich die Clintons durch. Quelle: AP
Der US-Präsident a. D. und bald First Husband? Dann heißt es Clinton-Clan gegen Bush-Dynastie. Die Präsidentschaftswahl am 3. November 1992 entschied Bill Clinton mit 43 Prozent für sich. Der amtierende Präsidenten George H. W. Bush konnte lediglich 38 Prozent der Stimmen ergattern. Clinton-Clan gegen Bush-Dynastie Quelle: AP
Die Kennedy-Brüder John Fitzgerald Kennedy (JFK), Robert Kennedy und Edward Kennedy (v.l.) 1963: Der Kennedy-Clan ist ein ganz besonderes Beispiel für eine US-Polit-Dynastie. Eine Vielzahl von ungewöhnlichen Schicksalsschlägen traf die Familie und ihren Umkreis. Edward starb als einziger der Brüder eines natürlichen Todes. JFK kam indes unter mysteriösen Umständen um... Quelle: AP
Am 22. November 1963 wurde JFK auf einer Wahlkampfreise gegen 12:30 Uhr an der Dealey Plaza in Dallas, Texas mit mehreren Gewehrschüssen während einer Fahrt im offenen Wagen ermordet. Knapp eineinhalb Stunden nach dem Attentat wurde ein Verdächtiger namens Lee Harvey Oswald verhaftet und dann der Öffentlichkeit präsentiert. Er wurde in Polizeigewahrsam erschossen. Quelle: REUTERS

„Sie haben ganze Nachbarschaften abgegrast“, sagt Jan Leighley von der American University. Es sei unklar, ob Trumps Wahlkampf über die notwendige Infrastruktur verfüge, „um sicherzustellen, dass all die aufgepeitschten Leute am Wahltag auch zu den Urnen gehen“. Zudem habe Obama damals auf die Minderheiten in den USA zurückgreifen können.

Trumps Wahlkampf ist dagegen auf Unzufriedene ausgerichtet, die überwiegend zur weißen Mehrheit gehören sowie älter und weniger gebildet sind als der durchschnittliche amerikanische Wähler. Welche Folgen das für Trumps langfristige Chancen hat - diese Frage beschäftigt seit Wochen die politischen Beobachter im In- und Ausland.

Die Politikwissenschaftlerin Anna Pluta von der Rowan University sieht Anzeichen, dass Trumps Anhänger nicht nur weniger gut informiert sind, sondern auch schlicht falsch. Wer falsch informiert sei, schließe seine „Wissenslücken mit Hilfe seines bestehenden Glaubenssystems“, zitiert Pluta in dem Statistik-Wahlblog FiveThirtyEight Forschungsergebnisse.

Solche Wähler stünden dann noch fester zu ihren Kandidaten. Und das deute darauf hin, dass Trumps Anhänger wohl tatsächlich zur Wahl gehen werden, erklärt die Politologin. „Man sollte nicht erwarten, dass Trumps Fans sich so bald von ihm abwenden.“

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