WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

US-Regierung Obamas Problem mit der Wirtschaftskompetenz

Amerikanische Unternehmensführer hoffen, dass das Ausscheiden des Harvard-Professors Larry Summers aus dem Team der wirtschaftspolitischen Berater des US-Präsidenten ein wichtiges Signal ist: Barack Obama könnte in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit auf einen freundlicheren Kurs gegenüber Unternehmen umschwenken.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Larry Summers, Harvard-Professor und Vorsitzender des nationalen Wirtschaftsrats im Weißen Haus Quelle: REUTERS

Larry Summers war der Architekt der Wirtschaftspolitik von Präsident Barack Obama während der ersten zwei Jahre seiner Amtszeit. Der Harvard-Professor, der Anfang der Neunziger Jahre unter Bill Clinton als Finanzminister zahlreiche wirtschaftsfreundliche Maßnahmen zur Deregulierung insbesondere der Finanzmärkte befürwortet und mit durchgesetzt hatte, machte dabei einen bemerkenswerten Schwenk. Zur Bekämpfung der Rezession schneiderte er ein Mega-Konjunkturpaket, er war im Hintergrund maßgeblich an der Strukturierung des Finanzmarktreformgesetzes beteiligt, mit dem die gesamte Branche schärfer kontrolliert wird. Er war ein starker Befürworter der neuen Konsumentenschutzbehörde, er schimpfte im Chor mit dem Präsidenten auf Wall-Street-Banken, Kreditkartengesellschaften und Versicherungen. Aus Sicht der Unternehmen, die sich zudem mit den Folgen der Krankenversicherungsreform und schärferen Umweltgesetzen herum zu schlagen haben, stand Summers für eine Politik, die gegen die Unternehmen gerichtet war, die eigentlich für einen Aufschwung der US-Wirtschaft und neue Arbeitsplätze sorgen sollen.

Unternehmer für Nachfolge im Gespräch

Jetzt hegen Manager und Inhaber von kleinen und großen Unternehmen die Hoffnung, daran könnte sich bald etwas ändern. Denn Summers wird seine Position als Chefberater des Präsidenten in Wirtschaftsfragen Ende des Jahres aufgeben und an die Elite-Universität Harvard in Boston zurück kehren. Und für seine Nachfolge werden mögliche Kandidaten genannt, die nicht mehr von einer Hochschule oder aus der Politik kommen, sondern aus der Unternehmenswelt. So soll nach Informationen aus verschiedenen Quellen Anne Mulcahy, die ehemalige Chefin des Kopiererherstellers Xerox ganz oben auf der Liste stehen. Am vergangenen Freitag hatte Mulcahy in Washington ein vertrauliches Dinner mit der engsten politischen Vertrauten von Präsident Obama, Valerie Jarrett.

Eine andere Kandidatin für die Summers-Nachfolge könnte nach Meinung der “Washington Post” Ann Fudge sein. Die ehemalige Chefin der Marketing- und Kommunikationsagentur Young and Rubicam Brands würde ebenfalls Wirtschaftskompetenz aus der Perspektive der Unternehmen einbringen. Die 58jährige sitzt heute in mehreren Aufsichtsgremien, etwa im Board of Directors des US-Konzerns General Electric, bei Unilever und Norvartis. Seit vergangenem Februar leitet sie zudem bereits eine vom Präsidenten eingesetzte überparteiliche Kommission, die sich mit fiskalpolitischer Verantwortung und Reform beschäftigt. Fudge sei deshalb unmittelbar auf dem Radar des Weißen Hauses. 

Barak Obama Quelle: laif

Summers Abgang kommt nicht überraschend. Er soll  sich zunächst Hoffnungen gemacht haben, das Finanzministerium zu übernehmen. Doch Obama entschied sich für den jüngeren Timothy Geithner. Dann hatte Summers angeblich auf den Posten des Chefs der amerikanischen Notenbank Federal Reserve geschielt. Doch mitten in der Wirtschaftskrise wollte Obama keinen  Wechsel an der Spitze dieser wichtigen Institution riskieren und verlängerte die Amtszeit von Ben Bernanke.

Summers Abgang ist zudem nicht der einzige. Anfang September hatte bereits die Professorin von der Universität Berkeley Christina Romer ihren Posten als Mitglied im Rat der Wirtschaftsberater des Präsidenten aufgegeben, dem Summers vorstand. Romer hatte eine unglückliche Figur abgegeben, als sie sich bereits vor der Verabschiedung des amerikanischen Konjunkturpakets darauf festgelegt hatte, mit diesen Belebungsmaßnahmen würde die Arbeitslosigkeit in den USA nicht über acht  Prozent steigen. Heute liegt sie bei 9,6 Prozent.

Druck auf Obama wächst

Und auf dem wichtigen Posten des Budgetdirektors musste der US-Präsident einen Aussteiger gehen lassen.  Peter Orszag gab diese Position Ende Juli auf. Nach der Bestätigung durch den Senat soll Jacob Lew sein Nachfolger werden. Damit hätte Obama bereits einen Mann aus der Wirtschaft für einen Posten in seiner Administration geholt. Lew war zuletzt Manager bei der Citibank und leitete dort die Hedge-Fonds-Gruppe.

Die große Frage ist, ob Finanzminister Geithner die nächsten Monate übersteht. Sollten die Demokraten bei den Anfang November anstehenden Wahlen wichtige Mehrheiten in Repräsentantenhaus und Senat verlieren, dürfte der Präsident unter starken Druck geraten, auch diesen Posten neu zu besetzen. Oppositionsführer John Boehner hatte bereits lautstark einen Rauswurf von Summers und Geithner gefordert. Zur Hälfte ist diese Forderung bereits erfüllt.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%