US-saudische Allianz? Der Ölpreis wird zur Waffe

Russland, der Iran und Venezuela zählen zu den Verlierern des Ölpreisverfalls. Sind die Länder Opfer eines geostrategischen Manövers, bei dem USA und Saudi-Arabien an einem Strang ziehen?

Doch als Hauptursache der preisdrückenden Überversorgung der Weltwirtschaft mit Öl gilt die Ausweitung der US-Produktion. Quelle: dpa

„Sie haben einen Krieg geplant, um Russland und Venezuela zu zerstören“, polterte Venezuelas Präsident Nicolás Maduro in seiner Neujahrsansprache. Drastische Worte, um die Preisdrückerei am Ölmarkt anzuprangern, die angeblich von den USA und Saudi-Arabien betrieben wird.

Die Theorie hat Auftrieb, seitdem der Ölpreis innerhalb weniger Monate um etwa die Hälfte abgestürzt ist. Bündeln Saudis und USA ihre Kräfte, um unbequeme Führungen in Ölstaaten wie Russland, Iran oder Venezuela zu sabotieren?

Bereits im Oktober schrieb der bekannte Leitartikler Thomas Friedman in der „New York Times“: „Ist es nur meine Einbildung, oder ist ein neuer weltweiter Ölkrieg im Gange, bei dem die USA und Saudi-Arabien auf der einen und Russland und der Iran auf der anderen Seite stehen?“ Friedman wähnte eine „amerikanisch-saudische Öl-Allianz“ am Zuge, die vor allem Russlands Präsidenten Wladimir Putin schaden solle.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

„Sowohl Marktkräfte als auch Regierungsentscheidungen spielen wichtige Rollen am Ölmarkt“, meint Experte Gregory Gause von der Washingtoner Denkfabrik Brookings Institution. „Das Problem ist, dass die geopolitische Theorie nicht mit den Fakten übereinstimmt.“ Es gebe zwar keine Zweifel, dass Saudi-Arabien gerne einen Machtverlust des verfeindeten Regimes im Iran sehen würde. Der Preiskollaps ab September sei aber nicht von den Saudis ausgelöst worden.

Gause macht Herdentriebe und Übertreibungen der Finanzmärkte verantwortlich. Sie hätten zu spät realisiert, dass das weltweite Ölangebot die Nachfrage übersteige. Die Geschichte zeige außerdem, dass es nur in sehr wenigen Ölstaaten zu Regimewechseln während Phasen sinkender Ölpreise gekommen sei.

Regionale Kriege und Umstürze gingen eher mit hohen Ölpreisen einher. Das lasse an einer gezielt von Saudis und Amerikanern herbeigeführten Entwicklung zweifeln.

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