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US-Steuerreform "Regierung muss Standort Deutschland stärken"

Bundeskanzlerin Angela Merkel Quelle: dpa

Die US-Steuerreform hat große Auswirkungen auf deutsche Unternehmen in den USA und den Wirtschaftsstandort Deutschland. Wer zu den Gewinnern und Verlierern gehört und warum die deutsche Politik dringend handeln muss.

WirtschaftsWoche: Welche Auswirkungen hat die amerikanische Steuerreform auf deutsche Tochterunternehmen in den USA?
Matthias Amberg: Ich denke, dass die positiven Aspekte überwiegen. Die Reform bietet den deutschen Unternehmen gute Wachstumschancen. Sie profitieren nicht nur davon, dass sie selbst weniger Steuern zahlen müssen und die Anschaffungs- und Herstellungskosten für zahlreiche Wirtschaftsgüter in den USA in den nächsten fünf Jahren sofort gewinnmindernd berücksichtigt werden.

Sondern wo noch?
Durch die Reform haben die amerikanischen Unternehmen mehr Geld zur Verfügung. Ihre Nachfrage nach Investitionsgütern wird steigen. Davon werden vor allem deutsche Maschinenbauer profitieren. Deutsche Maschinen genießen in den USA einen hervorragenden Ruf, sind aber auch nicht preiswert. Jetzt werden sich mehr amerikanische Unternehmen die deutschen Produkte leisten können.

Glauben Sie, dass deutsche Unternehmen verstärkt in den USA investieren werden?
Die niedrigeren Steuern bieten natürlich einen Anreiz, jetzt zu investieren. Ich glaube aber nicht, dass Unternehmen ihre strategischen Überlegungen hauptsächlich von Steuerfragen abhängig machen. Die wirtschaftlichen Aspekte spielen hier die Hauptrolle und die sind in den USA nach wie vor sehr gut. Außerdem ist es für ausländische Unternehmen in den USA wichtig, auch Produktionsstätten beziehungsweise After-Sales-Services vor Ort zu haben, wenn sie auf dem amerikanischen Markt erfolgreich sein wollen.

Zur Person

Weshalb?
Ich lebe jetzt bereits seit 13 Jahren in den USA und beobachte, dass Kunden und Firmen ausländische Unternehmen, die auch vor Ort produzieren ganz anders wahrnehmen. Wer nicht nur exportiert, sondern auch einen Beitrag zum Wachstum der amerikanischen Wirtschaft leistet, wird viel wohlwollender behandelt und hat damit auch bessere Chancen sich auf dem Markt gegenüber der amerikanischen Konkurrenz durchzusetzen.

Mit den deutschen Maschinenbauern haben Sie bereits einen der Gewinner der Reform genannt. Wer profitiert ansonsten noch besonders?
Die Autobauer gehören sicherlich ebenfalls zu den Gewinnern, da sie große Werke in den USA haben und deshalb von den niedrigeren Steuern stark profitieren. Auf der anderen Seite der Skala landen wohl die Banken und die Versicherer. Ob sich für sie die Reform auszahlt, wird die Zukunft zeigen.

Sie spielen auf die sogenannte BEAT-Steuer an, die zu Doppelbesteuerungen führen kann?
Die BEAT-Steuer ist der Knackpunkt dieser Reform, den die Unternehmen im Auge behalten müssen. Sie wird beispielsweise bei Lizenzgebühren oder Management Fees der US-Töchter an den deutschen Mutterkonzern fällig. Die Gefahr besteht, dass deutsche Unternehmen für diese Lizenzen zweimal Steuern zahlen müssen, einmal in Deutschland und einmal in den USA. Noch ist aber unklar, ob diese etwas protektionistische Keule von den anderen Staaten auch akzeptiert wird, oder sie womöglich dagegen klagen.

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