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US-Vorwahlen Die Legende von Iowa

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Der Agrarstaat ist erstaunlich unrepräsentativ

Mitt Romney bei der US-Vorwahl Iowa Quelle: REUTERS

Der Texaner Ron Paul sitzt seit über 20 Jahren im US-Repräsentantenhaus und ist bereits zwei Mal, zuletzt 2008, als Präsidentschaftskandidat gescheitert. Er gilt als geistiger Vater der Tea-Party-Bewegung.

Die Bewerbung der Abgeordneten Michele Bachmann hat ebenfalls bessere Zeiten hinter sich. Nachdem die Tea-Party-Ikone Sarah Palin sich gegen eine Kandidatur entschied, sammelten sich viele Anhänger der erzkonservativen Bewegung hinter Bachmann. Im August gewann sie eine symbolische Testwahl in Iowa, aber danach liefen ihr Mitarbeiter davon und ihre Kampagne geriet finanziell ins Stottern. Doch vielleicht gelingt ihr eine Überraschung: Immerhin stammt Bachmann aus Iowa. Ihr Geburtsort heißt Waterloo und nun wird die Vorwahl in Bachmanns Heimat zu ihrer vielleicht entscheidenden Schlacht.

Dabei ist es eigentlich erstaunlich, dass in dem Agrarstaat zwischen Maisfeldern und Kuhställen mancher Präsident gemacht wurde. Denn die drei Millionen Bewohner Iowas sind kein Spiegelbild der gesamten US-Gesellschaft. Laut der US-Zensusbehörde sind 91 Prozent der drei Millionen Bewohner weiß - der US-Schnitt liegt bei 72 Prozent. Auch die Arbeitslosenquote ist niedriger als der landesweite Durchschnitt: Sechs Prozent der Erwachsenen haben keinen Job. Landesweit liegt die Quote bei 8,6 Prozent.

Symbolkraft kann Abstimmung beeinflussen
Repräsentativ für den Rest der USA ist das etwas öde Fleckchen Erde im Mittleren Westen also wahrlich nicht. Vierzig Prozent der rund drei Millionen Einwohner leben auf dem Land, anteilig mehr als doppelt so viele wie im Rest der Nation. Und der Staat stellt beim entscheidenden Parteitag der Republikaner Ende August gerade mal ein Prozent der Delegierten.

Doch die Symbolkraft der ersten Wahl ist immens und kann die Stimmung bei den nächsten Abstimmungen beeinflussen. Wer aber in Iowa gewinnt, ist trotzdem kein garantierter Kandidat für die Präsidentschaftswahlen. Das zeigte sich zuletzt bei den Republikanern vor vier Jahren: Damals konnte der Baptistenpfarrer Mike Huckabee das Rennen der Republikaner in Iowa für sich entscheiden, verschwand aber am 5. März von der Kandidaten-Liste nachdem John McCain die landesweite Mehrheit der republikanischen Delegiertenstimmen bekommen hatte.

Obamas Konkurrenten
Die Kandidaten der Republikaner
Herman Cain Quelle: dapd
Michele Bachman Quelle: REUTERS
Jon Huntsman Quelle: dapd
Newt Gingrich Quelle: REUTERS
Rick Perry Quelle: dapd
Rick Santorum Quelle: dpa

Drei weitere Männer brechen ebenso die Idee der Legende von Iowa: Die späteren US-Präsidenten George H. W. Bush, Ronald Reagan und Bill Clinton mussten den Sieg im US-Staat einem anderen Kandidaten überlassen, siegten aber am Ende. Die Regel „mindestens Platz drei“ funktioniert aber trotzdem fast immer: Die drei späteren Präsidenten lagen alle auf Platz zwei oder drei.

Mit Material von dpa und Reuters

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