WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

US-Vorwahlen Die Legende von Iowa

Seite 2/3

Die Favoriten der Republikaner

Newt Gingrichs Wahlkampf-Bus unterwegs durch Iowa. Quelle: REUTERS

Nach Monaten sanften Geplänkels hagelt es jetzt persönliche Tiefschläge. Da brandmarkt der sonst so nette Favorit in dem Vorwahlrennen, Mitt Romney, seinen derzeit schärfsten Rivalen Newt Gingrich als unwählbar, weil er doch mit Skandalen aus der Vergangenheit überladen sei.

Die „Washington Post“ bezeichnet den Vorwahlkampf bereits jetzt als „wildestes republikanisches Rennen, an das sich überhaupt jemand erinnern kann“. Kein Kandidat ist sicher vor den Anfeindungen, die den ganzen Tag im Fernsehen rauf und runter laufen. „Das ist in dieser Negativität beispiellos“, meint David Yepsen, der als Lokalreporter über zahlreiche Iowa-Wahlen berichtete.

Der Grund für den brutalen Anzeigenkrieg: Selbst so kurz vor der ersten „Primary“ ist völlig offen, wer mit dem Selbstbewusstsein des Gewinners in weitere Rennen gehen kann und für wen das „Unternehmen Präsidentschaft“ mit einem schlechten Abschneiden quasi gescheitert ist. Eine letzte Umfrage der Lokalzeitung „Des Moines Register“ wirbelte das Kandidatenfeld gerade erneut durcheinander. Der Langzeit-Außenseiter Rick Santorum darf plötzlich auf den Sieg hoffen, der Überraschungs-Favorit Newt Gingrich dagegen schmiert ab.

Einzig Mitt Romney, der Multimillionär und Ex-Gouverneur von Massachusetts, konnte sich in Umfragen kontinuierlich im Spitzenfeld halten. Doch vielen erzkonservativen und streng christlichen Republikanern an der Basis ist der Mormone und einstige Top-Unternehmer ein Dorn im Auge.

Tea-Party-Lieblinge weiter im Rennen

Bis vor wenigen Wochen galt das politische Urgestein Newt Gingrich als sein härtester Konkurrent. Er gilt als Strippenzieher und Vordenker der Republikaner. Nach einer Serie von TV-Wahlspots, in denen Gingrich schlecht gemacht wurde, rutschte der Ex-Präsident des Repräsentantenhauses und mächtigste Gegenspieler des früheren Präsidenten Bill Clinton aber deutlich ab.

Die peinlichen Patzer der Obama-Gegner
Ann Romney interviewt ihren Mann Mitt Romney Quelle: REUTERS
Mitt Romney Quelle: REUTERS
Aber auch der Republikaner Newt Gingrich, der nun zurecht feixt, hat scheinbar den falschen PR-Berater. Bei einem Wahlkampfauftritt in Florida erklärte er, dass er im Falle eines Wahlsieges eine Mond-Kolonie gründen wolle. Bis 2020 solle eine permanente Basis auf dem Mond entstehen - "und sie wird amerikanisch sein", so Gingrich. Er wolle eine stabile kommerzielle Raumfahrtindustrie nach dem Vorbild des Luftfahrtbooms der 1930er Jahre entwickeln, sowie die Erforschung des Mars angehen. Gingrichs "Vision" reiht sich ein in eine Reihe von skurrilen Äußerungen und Patzern der Präsidentschafts-Bewerber. Zuletzt sorgte Gingrich mit einem Vorschlag zur Kinderarbeit für Verwunderung. Quelle: REUTERS
Newt Gingrich schlug vor, die Gesetze zur Kinderarbeit zu lockern Quelle: REUTERS
Newt Gingrich beleidigte Demonstranten der Occupy-Wall-Street-Bewegung Quelle: dapd
Ron Paul Quelle: REUTERS
Vier Republikaner kämpfen noch um die Nominierung, Michele Bachmann, die einstige Favoritin der erzkonservative Tea Party, gehört nicht mehr dazu. Sie warf das Handtuch, nachdem sie bei der ersten Vorwahl in Iowa kaum Wählerstimmen gewinnen konnten. Möglicherweise auch, weil sie sich zuvor einige peinliche Patzer erlaubt hatte. So nutzte sie die Attacke eines Mobs auf die britische Botschaft in Teheran Ende November für eine verbale Attacke auf den Iran, berichtet die "Huffington Post". Bachmanns Fazit: Die US-Botschaft gehöre schnellstens geschlossen. "Wäre ich Präsidentin der USA, hätten wir keine US-Botschaft im Iran", so Bachmann. Was die 55-Jährige offenbar nicht wusste: Seit 1980 hat Washington die diplomatischen Beziehungen zum Iran abgebrochen. Seit April 1980 gibt es auch keine US-Vertretung in dem Land mehr. Quelle: dapd

Stattdessen rückten potenzielle Tea-Party-Lieblinge wie der streitbare Kongressabgeordnete Ron Paul, dem rechtsextreme Äußerungen zugeschrieben werden, und der streng religiöse Ex-Senator und Abtreibungsgegner Rick Santorum ins Rampenlicht. Dort sonnte sich im Sommer auch schon der texanische Gouverneur Rick Perry, bis er sich bei Debatten mit seinen Rivalen eine Reihe von peinlichen Patzern leistete.

Abschreiben sollte man den ulktrakonservativen Perry trotzdem nicht. Denn der texanische Gouverneur steht finanziell am besten da. Beobachter trauen ihm zu, dass er bis zu eine Milliarde US-Dollar an Wahlspenden zusammen bekommen könnte.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%