US-Vorwahlen: Nikki Haley gibt nicht auf
Nikki Haley
Foto: imago imagesAm Dienstag wollte Nikki Haley etwas klarstellen. Sie hatte die Presse nach Greenville, South Carolina, geladen, um eine Erklärung abzugeben. Solche Ankündigungen sind oft das letzte Lebenszeichen einer Präsidentschaftskampagne.
Die Chance, sich einmal mehr den Anhängern zu präsentieren, den Unterstützern zu danken und die Partei auf Geschlossenheit einzuschwören. Doch Haley hatte andere Pläne. „Wir küren in diesem Land keine Könige. Wir haben Wahlen“, so die ehemalige UN-Botschafterin. „Deshalb weigere ich mich, aufzugeben. South Carolina wird am Samstag wählen. Aber am Sonntag werde ich immer noch als Präsidentin kandidieren. I'm not going anywhere.“
Haley will also weiterkämpfen. Doch ihre Erfolgsaussichten sind verschwindend gering. In Umfragen liegt sie weit abgeschlagen hinter Donald Trump. Der Ex-Präsident führt selbst in South Carolina, ihrem Heimatstaat, den sie sechs Jahre lang als Gouverneurin regierte, mit rund 30 Prozentpunkten Vorsprung. Landesweit sieht es noch bitterer aus.
Daran konnten auch die jüngst wieder aufkommenden Trump-Skandale nichts ändern. Das ehemalige Staatsoberhaupt war in der vergangenen Woche in einem Zivilprozess wegen Betrugs zu einer Strafzahlung in Höhe von mehr als 350 Millionen Dollar verurteilt worden. Auch verglich sich Trump mit dem jüngst verstorbenen Kremlgegner Alexey Nawalny – und das, nachdem er tagelang zu dessen Tod geschwiegen hatte. Und immer wieder beleidigte er Haley, insinuierte unter anderem, dass ihr Mann sie verlassen habe, da er bei ihren Wahlkampfauftritten nie dabei sei. Der eigentliche Grund für Michael Haleys Abwesenheit: Der Army-Offizier ist derzeit vor dem Horn von Afrika stationiert.
Dass Trump solche verbalen Ausfälle bei seinen Anhängern nicht schaden, ist acht Jahre nach seinem ersten Wahlsieg eingepreist. Der 77-Jährige ist weiterhin die dominierende Figur bei den Republikanern. Und an der Parteibasis scheint es kein Bedürfnis zu geben, daran etwas zu ändern.
Trotzdem kämpft Haley weiter. Schon am kommenden Dienstag findet die Vorwahl in Michigan statt. Eine Woche später dann folgt der Super Tuesday, an dem 16 Staaten und das Territorium American Samoa abstimmen. Nirgendwo kommt die Ex-Gouverneurin in Umfragen auch nur in die Nähe von Trump. Da stellt sich die Frage: Warum tut sie sich das an?
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Offiziell sagt Haley, sie habe durchaus noch eine Chance auf die Nominierung, verweist auf ihre hervorragenden Umfragewerte im Wettbewerb mit Präsident Joe Biden. Tatsächlich schneidet sie im direkten Vergleich mit dem Amtsinhaber derzeit deutlich besser ab als Trump. Ihr Argument: Mit mir als Kandidatin gewinnen die Republikaner das Weiße Haus zurück. Mit Trump auf dem Wahlzettel werde die Partei hingegen erneut verlieren. Untergraben wird diese Botschaft gleichwohl von dem Umstand, dass auch der Ex-Präsident in zahlreichen Umfragen vor Biden liegt. An der Basis glaubt man daher schlicht nicht, dass man eine eher moderate Kandidatin wie Haley aufstellen muss, um die Demokraten zu schlagen.
Doch Haley lässt bei diesem Punkt nicht locker. Seitdem sie die einzige Gegenkandidatin ist, die sich noch gegen eine erneute Trump-Nominierung stellt, hat sie ihre Kritik am Ex-Präsidenten massiv verstärkt. Bei ihren Auftritten in South Carolina greift sie seine vergangene Amtsführung an, kritisierte scharf seine jüngsten Äußerungen über die Beistandspflicht der Amerikaner zu NATO-Partnern und griff immer wieder auch die juristischen Probleme des 77-Jährigen auf. Das Problem: Die Primary-Wähler mögen Trump. Und Kritik an ihm sind sie gewohnt.
Trotzdem scheinen Trump die andauernden Angriffe aus den eigenen Reihen zu stören. Seine Kampagne reagiert scharf auf Haleys Attacken, schreckt auch vor latent rassistischen Anklängen gegen die indischstämmige Haley nicht zurück. Zwar dürfte die Ex-UN-Botschafterin Trump im Wettstreit um die Nominierung nicht mehr gefährlich werden, doch mit Blick auf die Wahl im Herbst könnte Haleys Kritik Spuren hinterlassen. Schließlich kommt sie bei genau den Wählern gut an, die zwar zu den Republikanern tendieren, aber mit Trump nicht viel anfangen können.
2020 gewann Biden diese Gruppe. Als heimliche Hilfestellung für den Demokraten will Haley ihre Kandidatur gleichwohl nicht verstanden wissen. Sie habe eine „Handvoll“ Probleme mit Trump, so die Kandidatin in Greenville. Mit Biden habe sie gleichwohl „unzählige“ Probleme.
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