US-Wahlen Bernie Sanders Kampf gegen Amerikas Superreiche

Bernie Sanders will eine „politische Revolution“ gegen ein Kartell der Superreichen anzetteln – und zieht in Umfragen an Hillary Clinton vorbei. Den Demokraten droht ein Linksschwenk.

Bernie Sanders Quelle: AP

Ziemlich rassistisch sollen sie lange Zeit gewesen sein, die Einwohner von Dubuque. So gesehen ist es kein Zufall, dass bis heute kaum Schwarze hier am nördlichen Mississippilauf in Iowa leben. Hier arbeitet der Mann, und die Frau hütet die Kinder. Homosexuelle gibt es nicht, zumindest nicht offiziell. Dubuque ist also eine Stadt, in der ein „Sozialist“ keine Chance hat. Darum stoppt Bernie Sanders, der Linkeste der Präsidentschaftskandidatenamtsanwärter seinen Tross genau hier.

Es ist Vorwahlkampf, die Zeit, in der Kandidaten mit möglichst markigen Auftritten möglichst große Massen anziehen müssen. In die Basketball-Halle sind nur ein paar Hundert Wähler zum Auftritt des Demokraten gekommen, keine 27.000 wie neulich in Los Angeles. Aber die Ersten rufen bereits „Börnie, Börnie“, als sich der Kandidatenkandidat für seine Rede bereit macht.

Diese Kandidaten wollen 2016 ins Weiße Haus
Donald Trump Quelle: REUTERS
Jeb Bush Quelle: AP
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Marco Rubio Quelle: AP
Ted Cruz Quelle: REUTERS
Rand Paul Quelle: AP

Iowa ist im Vorwahl-Ritus der USA traditionell der erste Bundesstaat, in dem Delegierte über die Präsidentschaftskandidaten ihrer Parteien abstimmen. Im Februar ist es so weit. In Umfragen des Senders FOX News liegt Bernie Sanders 19 Prozentpunkte hinter Hillary Clinton zurück, doch er holt auf. In New Hampshire, wo sie ein paar Tage später abstimmen, liegt der parteilose Senator aus der Fraktion der Demokraten vor der Ex-Außenministerin und Ex-First-Lady. Das ist keine kleine Sache. Der Anspruch Hillary Clintons auf das Kandidatenamt der Demokraten, Anfang 2017 Barack Obama zu folgen, schien quasi hochamtlich besiegelt.

Das Duell der Dynastien
Eine schrecklich mächtige Familie: Der versammelte Bush-Clan beim 90. Geburtstag des ehemaligen US-Präsidenten George H.W. Bush (Mitte). Bush Senior war von 1989 bis 1993 der 41. Präsident der USA. Er ist nicht der einzige US-Präsident a. D. auf dem Bild... Quelle: AP
Der Knurrer aus Texas: Der damalige US-Präsident George W. Bush 2006 in Washington. Die Amtszeit von George W. zwischen 2001 bis 2009 als 43. Präsident der Vereinigten Staaten wird in den USA kritisch gesehen. Der Irakkrieg wird sein größter Fehler bleiben. In letzter Zeit ist er eher durch impressionistische Malerei aufgefallen. Bald könnte er jedoch zum Königsmacher werden... Quelle: AP
Der ehemalige US-Gouverneur Jeb Bush auf Stippvisite in Berlin: Nach Ansicht von Experten könnte der Bruder des 43. US-Präsidenten (George W. Bush) und Sohn des 41. US-Präsidenten (George H. W. Bush) bald seine Präsidentschaftskandidatur für die Republikaner bekanntgegeben. Damit würde er ein Duell der Dynastien bei der Wahl zum 45. US-Präsidenten befeuern... Quelle: AP
Jeb Bush würde dann womöglich gegen Hillary Rodham Clinton antreten, die für die Demokraten bereits auf Stimmenfang. Die ehemalige First Lady hat sich bereits als Außenministerin ihre politischen Tantiemen verdient. Als Nachfolgerin Obamas würde sie eine weitere US-Polit-Dynastie aus der Taufe heben: Möglicherweise wiederholt sich bald die Geschichte. In den USA könnte es zu einem weiteren Duell der Dynastien Bush und Clinton kommen. Zuletzt setzten sich die Clintons durch. Quelle: AP
Der US-Präsident a. D. und bald First Husband? Dann heißt es Clinton-Clan gegen Bush-Dynastie. Die Präsidentschaftswahl am 3. November 1992 entschied Bill Clinton mit 43 Prozent für sich. Der amtierende Präsidenten George H. W. Bush konnte lediglich 38 Prozent der Stimmen ergattern. Clinton-Clan gegen Bush-Dynastie Quelle: AP
Die Kennedy-Brüder John Fitzgerald Kennedy (JFK), Robert Kennedy und Edward Kennedy (v.l.) 1963: Der Kennedy-Clan ist ein ganz besonderes Beispiel für eine US-Polit-Dynastie. Eine Vielzahl von ungewöhnlichen Schicksalsschlägen traf die Familie und ihren Umkreis. Edward starb als einziger der Brüder eines natürlichen Todes. JFK kam indes unter mysteriösen Umständen um... Quelle: AP
Am 22. November 1963 wurde JFK auf einer Wahlkampfreise gegen 12:30 Uhr an der Dealey Plaza in Dallas, Texas mit mehreren Gewehrschüssen während einer Fahrt im offenen Wagen ermordet. Knapp eineinhalb Stunden nach dem Attentat wurde ein Verdächtiger namens Lee Harvey Oswald verhaftet und dann der Öffentlichkeit präsentiert. Er wurde in Polizeigewahrsam erschossen. Quelle: REUTERS

Kampf gegen soziale Ungleichheit

Kaum jemand glaubt denn auch ernsthaft, dass der bald 74-jährige Sanders mit dem schlohweißen Haar und Halbglatze ins Weiße Haus einziehen wird. Aber er hat in gut drei Monaten eine rasant wachsende Graswurzel-Bewegung in einen Kampf gegen soziale Ungleichheit in den USA geführt: Sie stellt sich gegen Superreiche, die kaum Steuern zahlen und die politische Klasse mit Wahlkampfspenden korrumpieren, fordert dagegen mehr Investitionen in Bildung, Gesundheit und Infrastruktur. Und sie prägt damit die Debatte in diesem aufziehenden Wahlkampf. Das ist inhaltlich mehr, als etwa alle Kandidaten der Republikaner zusammen bisher erreicht haben.

Sanders kokettiert damit, der einzige „Sozialist“ in Washington zu sein. Seit den Siebzigerjahren ist er in der Politik. Er war immer gegen Krieg, stimmte stets gegen Handelsabkommen, kämpfte für Sozialleistungen und gegen Steuersenkungen für Reiche. So jemand war bis vor ein paar Jahren unwählbar, selbst unter Demokraten. Aber mit der Finanzkrise hat sich das geändert. Und je stärker die „Berniemania“, desto größer wird der Druck von links auf Hillary Clinton.

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