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US-Wahlen Freie Bahn für Flip-Flop-Romney

Nach dem Rückzug des erzkatholischen US-Republikaners Rick Santorum hat der Mormone und Multimillionär Mitt Romney die besten Chancen, gegen US-Präsident Obama beim Kampf ums Weiße Haus anzutreten. Die Karten im US-Wahlkampf werden neu gemischt.

Republican presidential candidate, former Massachusetts Gov. Mitt Romney, Quelle: dapd

Rick Santorums Abgang deutete sich schon am Osterwochenende an. Der konservative US-Politiker sagte am Karfreitag alle Wahlkampftermine bis auf wenige Telefonate ab. Offizielle Begründung: Er wolle sich um seine dreijährige Tochter kümmern, die erneut ins Krankenhaus müsse. Außerdem stünde die Feier des 21. Geburtstages seiner älteren Tochter an. Das klang sehr nach Ausrede - auch, wenn Santorum damit seinem Image als frommer Katholik und treu sorgendem Familienvater gerecht wurde.

Nun gibt der Republikaner Santorum endlich auf. Seit Wochen lag er deutlich abgeschlagen hinter seinem Parteikollegen Mitt Romney. Für die Nominierung als Präsidentschaftskandidat benötigt ein Bewerber 1144 Delegiertenstimmen. Romney war nach den Abstimmungen in Maryland, Wisconsin und dem Hauptstadtbezirk Washington DC Anfang April bereits auf mehr als 600 gekommen. Santorum lag zwar auf Platz zwei hinter Romney, war dennoch mit nur 272 Stimmen weit abgeschlagen.

Millionen von der Wall Street
Die größten Spender von Mitt RomneyNoch liegt Mitt Romney deutlich hinter US-Präsident Barack Obama. Sowohl in der Wählergunst, als auch beim Spendensammeln. Der Amtsinhaber hat bislang Spenden in Höhe von über 86 Millionen US-Dollar eingesammelt. Sein ärgster Herausforderer kommt auf gut 32,2 Millionen US-Dollar. Ein Großteil der Geldgeber des US-Republikaners und ehemaligen Gouverneurs des Bundesstaates Massachusetts, Mitt Romney, stammt von der Wall Street. Größter Sponsor… Quelle: FEC Quelle: dpa
… sind die Angestellten und Mitglieder der Geschäftsführung der New Yorker Investmentbank Goldman Sachs. Von den Beschäftigten des Finanzdienstleisters gingen 354.700 US-Dollar auf das Konto von Romney und dessen Unterstützergruppen ein, listet die „Federal Election Commission“, die Kontrollbehörde für Präsidentenwahlen in den USA auf. Hintergrund: Jede Einzelperson, die mehr als 200 US-Dollar an einen Politiker überweist, muss neben Namen und Wohnort auch ihren Arbeitgeber angeben. Quelle: dapd
Auch den Angestellten der Credit Suisse ist Romney offenbar näher als US-Präsident Barack Obama. Über 250.000 US-Dollar haben Angestellte des US-Ablegers der Schweizer Bank für den US-Vorwahlkampf bereits locker gemacht, 86 Prozent des Geldes floss an die Republikaner. Insgesamt gingen bereits 195.250 US-Dollar an Romney. Grund für den starken Zuspruch der Wall Street: Romney hat einen Master of Business Administration und arbeitete unter anderem für die Unternehmensberatung Bain & Company in Boston. Später war der heute 64-Jährige Gründungspartner der 1984 gegründeten Private-Equity-Gesellschaft Bain Capital. Quelle: rtr
Ähnlich deutlich ist das Votum bei der Geschäftsführung und der Belegschaft der US-Bank Morgan Stanley. Von den über 400.00 US-Dollar Spendengeldern gingen 82 Prozent an die Republikaner. Der größten Teil des Kuchens ging an Romney bzw. an seine Unterstützergruppen. 185.800 US-Dollar spendeten die Banken, um Werbespots, Wahlkampfauftritte und Berater mitzufinanzieren. Quelle: AP Photo
Einzelpersonen dürfen in den USA nicht mehr als 5000 US-Dollar spenden. Jedenfalls nicht direkt an den Kandidaten. An ihrer Stelle springen die so genannten „PACs“ ein, „Political Action Committees“. Diese Lobbygruppen unterstützen Präsidentschaftskandidaten – am liebsten, in denen sie die politischen Gegner in TV-Spots denunzieren. US-Bürger dürfen grenzenlos an diese „PACs“ spenden. Ein besonders großzügiger Gönner ist Hedgefonds-Ikone John Paulson. Der Gründer und Präsident der Investmentgesellschaft „Paulson & Co.“  wurde berühmt, da er während der US-Immobilienkrise rechtzeitig gegen den Häusermarkt gewettet hatte und damit 2007 rund 3,7 Milliarden Dollar verdiente, mehr als jeder andere Hedge-Fonds Manager in dem Krisenjahr. Paulson hat eine Million US-Dollar an die Romney-nahe Gruppierung „Restore Our Future“ gespendet. Quelle: dpa.
Auch der Selfmade-Milliardär und Besitzer des US-Football-Teams Washington Redskins, Daniel Snyder, soll Mitt Romney laut "Washington Post" großzügig unterstützen. Quelle: rtr.
Die Beteiligungsgesellschaft H.I.G. Capital hat Niederlassungen in Miami, Atlanta, Boston, New York und San Francisco, sowie in London, Paris und Hamburg – und verwaltet mehr als 8,5 Milliarden US-Dollar. Im US-Vorwahlkampf haben deren Beschäftigte Mitt Romney bisher mit 186.500 US-Dollar unterstützt. Quelle: rtr.

Doch der 53-jährige Santorum gefiel sich nur allzu sehr in der Außenseiterrolle. Von Romneys Schwächen profitierte der Ex-Senator. Romneys spröde Art, dessen „Versprecher“ bei Reden – etwa Sätze wie, er hätte kein Problem damit, Leuten zu kündigen oder er sorge sich nicht um die Armen, die hätten ja Essensmarken und Sozialhilfe – sorgten für Unmut bei den Wählern.

Santorum dagegen präsentierte sich als der „Mann des Herzens“, der die Leute mitreißt. „Mein Erfolg hat mit meinen Werten zu tun“, sagte Santorum. Stolz betonte er immer wieder, er habe das Interesse der Wähler auch ohne die Hilfe der Medien geweckt. Das stimmt in der Tat. Doch letztlich ist auch sein Stern am Kandidatenhimmel der Republikaner verglüht – wie schon der von Michelle Bachmann, Rick Perry und Herman Cain. Santorum erkannte zum Schluss immerhin selbst, dass es wahrlich an ein Wunder grenze, dass er überhaupt so weit gekommen sei.

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