US-Wahlkampf: Clintons Spenden-Reichtum droht zur Belastung zu werden
Hillary Clinton (zweite von links, Aufnahme aus dem Jahr 1969) wird am 26. Oktober 1947 als erstes von drei Kindern von Dorothy und Hugh E. Rodham, mittelständischer Textilunternehmer, geboren. Von 1961 bis 1965 ist sie Schülerin der Maine Township East High und Maine South High in Park Ridge, Illinois. Von 1965 bis 1969: Studium der Politikwissenschaften mit Nebenfach Psychologie am Wellesley College.
Foto: REUTERSHillary Clinton (rechts im Bild, Aufnahme aus dem Jahr 1992 mit ihren Eltern Dorothy und Hugh).
Erste politische Schritte macht sie 1964 als Wahlhelferin des konservativen Republikaners Barry Goldwater. 1969 bis 1973: Studium der Rechtswissenschaften an der Yale Law School in New Haven; Engagement für Kinder- und Familienrecht. 1970 engagiert sie sich als Wahlkampfhelferin für die Senatskampagne des Demokraten Jospeh Duffey
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1973 bis 1974 war Clinton Juristin für den "Children's Defense Fund" sowie den Justizausschuss des Repräsentantenhauses während des Watergate-Skandals um Präsident Nixon. Im Bild zu sehen ist die Gründerin der Non-Profit-Organisation, Marian Wright Edelman (Mitte).
Zwischen 1974 und 1978 ging sie einer Lehrtätigkeit an der University of Arkansas School of Law nach.
1975 heiratete sie Bill Clinton, seinerzeit ebenfalls Dozent an der University of Arkansas School of Law, unter Beibehaltung ihres Mädchennamens Rodham.
Foto: APVon 1977 bis 1992 war Hillary Clinton Anwältin und Partnerin der Kanzlei Rose in Little Rock, Arkansas. Von 1979 bis 1981 dauerte die erste Amtszeit von Ehemann Bill als Gouverneur von Arkansas
Foto: AP1980 wurde Tochter Chelsea geboren, zwei Jahre später entschied Hillary Clinton sich doch zur Annahme des Nachnamens Clinton.
Foto: AP1993 bis 2001 war sie First Lady der USA während der Präsidentschaft von Ehemann Bill. Sie arbeitete an der Reform des US-Gesundheitssystems mit.
Foto: AP2008 erlitt Hillary Clinton eine Niederlage gegen Barack Obama bei den Vorwahlen zur Präsidentschaftskandidatur der Demokraten. 2009 bis 2013 war sie die US-Außenministerin während der ersten Amtszeit Obamas (im Bild mit Li Keqiang 2012).
Foto: AP2016 wird Hillary Clinton Präsidentschaftskandidatin der Demokraten. Sie tritt gegen ihren republikanischen Konkurrenten Donald Trump an.
Foto: APUm ein Gefühl dafür zu bekommen, wem die Geld-Elite in den USA das Vertrauen für die Präsidentschaft der nächsten vier Jahre schenkt, lohnt ein Blick nach Kalifornien. Dort organisierten Großspender der Demokratin vor kurzem eine Privatparty. Das Ticket kostete 33.000 Dollar, Elton John spielte auf dem Piano und Barbra Streisand mischte sich unter die Gäste. Am Ende kamen so fünf Millionen Dollar zusammen, damit Hillary Clinton den Kampf ums Weiße Haus gewinnt – Wahlkampf auf amerikanisch.
Geld regiert die Politik in den USA. Private Spender gehören zu den vielen Besonderheiten der größten Demokratie der Welt. Wer Präsident der Vereinigten Staaten werden will, muss möglichst viele und reiche Spender um sich sammeln, die ihre Schatulle öffnen. Clinton hat derzeit besonders viele Förderer, Donald Trump eher nicht so.
Die Demokratin schart derzeit sogar so viele Großspender um sich wie noch kein anderer Kandidat zuvor. Insgesamt 1133 Leute haben der Demokratin für den Wahlkampf jeweils mindestens 100.000 Dollar gespendet. Das sind mehr als bei Barack Obama und George W. Bush zusammen. Hinzu kommen zahlreiche Kleinspenden. Allein in den Monaten August und September sammelte Clinton fast 300 Millionen Dollar ein. Zum Vergleich: Der Republikaner Trump akquirierte laut der Webseite „Politico“ gerade mal 262 Millionen Dollar – über den gesamten Wahlkampf hinweg gesehen.
Ginge es nach dem Geld, müsste Clinton das Präsidentschaftsrennen haushoch gewinnen. Die eingesammelten Dollar fließen in Zeitungs-, Radio- und TV-Werbung. Darin trommeln einfache Leute oder namhafte Persönlichkeiten wie Ex-CIA-Chef Michael Morell für die Demokratin. Am Ende jeder Werbung schließt Clinton mit den Worten: „I approve this message“, das heißt: sie billigt die Botschaft ausdrücklich.
Doch ob Clinton davon wirklich profitieren kann, ist umstritten. Tatsächlich könnte sich der Geldsegen sogar zu einem veritablen Nachteil für die Demokratin auftürmen. Denn damit bestätigt sich ihr größtes Vorurteil: dass Clinton eben Kandidatin der politischen, finanziellen und medialen Elite ist. Zu den Großspendern gehören unter anderem Steven Spielberg, Will Smith und Investmentlegende George Soros. Auch Geldgeber aus Japan, Großbritannien und Frankreich gehören dazu.
Trump versucht, den Geldreigen ihrer Gegnerin zum eigenen Vorteil auszunutzen. „Leute mit speziellen Interessen sagen dir genau, was sie wollen”, sagte Trump kürzlich während eines Wahlkampfauftritts. Seine Abneigung gegenüber der Lobby-Elite in Washington hat Trump erst an die Spitze der republikanischen Partei gebracht. Seine angebliche Unabhängigkeit gegenüber den politischen und wirtschaftlichen Eliten in den Vereinigten Staaten hat seine Glaubwürdigkeit bei den Wählern erhöht – und dazu geführt, dass er die Vorwahlen souverän gewann.
Der Spenden-Reichtum Clintons bestätigt damit Trumps Kritik am Establishment. Hinzu kommen die gehackten E-Mails aus dem Umfeld der Demokratin, die eine Nähe zur Wirtschaftselite bestätigen. Kürzlich kam heraus, dass Clinton sich eine „öffentliche“ und eine „private“ Meinung zu eigen mache. Im Klartext: Wer Clinton wirklich ist und wofür sie steht, ist langjährigen Beobachtern nicht ganz klar – und erst recht nicht den Wählern.
Auch die jüngsten Wikileaks-Enthüllungen werfen kein gutes Licht auf Clinton. Sie bestätigen beispielsweise, dass Clintons Kampagnen-Manager John Podesta mit Großspender Jeffrey Katzenberg, dem Gründer von DreamWorks Animation, im März 2015 Mittagessen war. Zwölf Tage später bat Katzenberg um ein Gespräch mit Clinton. Einen Monat später folgte eine Bitte um ein Treffen mit Bill Clinton. Katzenberg hat eine Million Dollar für den Wahlkampf der Demokratin gespendet.
Auch mit Haim Saban, dem Chef der spanisch-sprachigen Medien-Gruppe Univision, hat es enge E-Mail-Konversationen gegeben, die Clinton und ihrem Team den Ruf einbringen könnten, für Geld politisches Entgegenkommen zu zeigen. Saban und seine Frau haben gemeinsam zehn Millionen Dollar für den Wahlkampf von Hillary gespendet.
Die gehackten E-Mails machen Clinton angreifbar. Vor allem bremsen sie die Kandidatin aus, gegen Trump offensiver vorzugehen. Derzeit hat man das Gefühl, Clinton suche eher die Ferne, um Fehler zu vermeiden.
Hillary Clintons Doppelgängerin
Nach ihrem Schwächeanfall während einer Veranstaltung zum 11. September trat Clinton nur zwei Stunden später wieder in die Öffentlichkeit. Für Verschwörungstheoretiker war das ganz klar eine Doppelgängerin. Sogenannte Beweise wurden in sozialen Medien gesammelt. Ob Nase oder Finger – es seien klare Unterschiede zu sehen. Weitere Spekulationen: Die Doppelgängerin soll Schauspielerin Teresa Lilly Barnwell sein, eine Clinton-Imitatorin.
Foto: APVon Hirntumor bis Zungenkrebs – Clintons Krankheiten im Überblick
Epilepsie, Parkinson oder Hirntumor – um Clintons Gesundheit ranken sich die wildesten Spekulationen. Bereits 2015 verkündete die Zeitung „National Enquirer“ das baldige Ableben der Demokratin. In einem Video der Seite „Infowars“ analysieren Experten Clintons Lachen als eine Persönlichkeitsstörung. Der Blog „The Conservative Tree House“ stelle einen Fleck auf Clintons Zunge fest. Diagnose: Zungenkrebs.
Foto: dpaDer Knopf in Clintons Ohr
„Ein Knopf im Ohr?“, mit dieser Frage löste Schauspieler James Woods eine heftige Diskussion aus. Der Grund: ein Foto, das Clinton bei einem Auftritt im Sender NBC mit einem kleinen Gegenstand im Ohr zeigt. Woods postete auch eine Wikileaks-E-Mail von 2009, in der Clinton-Vertraute Huma Abedin fragt: „Hast du Deinen Knopf im Ohr mitgenommen, oder soll ich ihn holen?“. Die Seite „True Pundit“ mutmaßt, dass Clinton schon früher Ansagen über den Knopf bekam.
Foto: APMysteriöser Begleiter
Er weicht ihr nicht von der Seite: Clintons Begleiter. Einige sehen in ihm keinen Bodyguard, sondern eine Gefahr. Der Autor Mike Cernovich: „Jeder Sicherheitsagent trägt einen Anzug. Hillarys Begleiter ist leger angezogen. Etwas Großes bahnt sich da an.“ Auf einem Foto soll der Begleiter eine Diazepamspritze halten, einen Arzneistoff gegen Panikattacken. Es wurde geraunt, der Mann sei ein Psychiater, der Clinton auch hypnotisiere. Das beweise angeblich ein Video, in dem der Begleiter ihr etwas ins Ohr flüstert.
Donald Trump – der Antichrist
Der Antichrist – eine Figur aus der Bibel, die Gegenmacht zu Jesus Christus. Laut Bibel soll sich der Mond vor der Ankunft des Antichristen in Blut verwandeln. Die Verbindung zu Trump: An seinem Geburtstag, dem 14. Juni 1946, gab es eine totale Mondfinsternis, auch als „Blutmond“ bekannt. Auch die Zahl des Antichristen (666) tauche in Trumps Leben auf. Eines seiner Gebäude hat er in der 666 Fifth Avenue in New York gekauft. Selbst lebt er im 66. Stock des Trump Towers. Für viele ist das sehr mysteriös.
Foto: dpaHillary Rodham Clinton Jimmy
„Es ist alles nur gespielt!“, schreibt der US-amerikanische Journalist Justin Raimondo auf seinem Blog. Donald Trump schauspielere, um seiner Freundin Hillary Clinton zur Präsidentschaft zu verhelfen. Die Gründe: seine gute Beziehung zu den Clintons, seine Unterstützung vergangener demokratische Kampagnen und seine kontroversen Aussagen, mit denen er die Republikaner zu spalten versuche. Rassismus, Hetzparolen und Populismus – Trump könne nur eine Karikatur des Konservatismus sein – erfunden von den Demokraten. Im Bild spielt Jimmy Fallon Donald Trump.
Foto: APDie Illuminati und Trump
Die Illuminati, eine Geheimgesellschaft, die im Jahr 1785 verboten wurde, besteht nach Meinung einiger Verschwörer weiter fort. Trump soll nun angeblich gezielt von dem Orden eingesetzt worden sein, um als nächster Präsident ihren Befehlen zu gehorchen. Befolgt er sie nicht, könnte er von den Illuminati umgebracht werden. Dies sei ja schon bei Präsident John F. Kennedy der Fall gewesen. „Beweisvideos“ sollen zeigen, dass Trump zu den Illuminati gehöre. Zu erkennen sei dies etwa an seinen Händen, die er zu einer Pyramide formt – eines der wichtigsten Symbole des Ordens.
Foto: REUTERSClinton und Trump sind Reptiloide
So absurd sie klingt, hat die Theorie der Reptiloide doch viele Anhänger. Erfinder David Icke beschreibt Reptiloide als intelligente Wesen, die von reptilienartigen Außerirdischen abstammen. Ihr Ziel: Kontrolle der Weltpolitik. Trump und Clinton sind die neuesten Verdächtigen. Videos sollen beweisen, dass Trump eine Maske trage. Clinton habe indessen Schuppen auf der Stirn. Dass die Videos stark bearbeitet sind, scheint die Anhänger der Theorie nicht im Geringsten zu stören.
Foto: dpaDas liegt auch daran, dass Clinton weiterhin extrem unbeliebt ist – vor allem bei jungen Wählern, aber auch bei Frauen. Clinton gelingt es nicht, Trumps sexistische Aussagen zum eigenen Vorteil zu nutzen. Zwar hat Trumps Image deutlich gelitten, aber Clintons Vorsprung ist vergleichsweise gering. Sie schafft es nicht, die offensichtlich frauenfeindlichen Äußerungen Trumps gegen den Republikaner auszuspielen.
Dafür sorgen stattdessen andere. So wird Michelle Obama derzeit als Clintons Super-Waffe gesehen. Sie tourt durch die Staaten und macht Wahlkampf für Clinton. Man muss schon bis in die Sechzigerjahre zurückschauen, um Augenblicke zu finden, in denen sich eine First Lady vehement in den Wahlkampf eingemischt hat.
Michelle Obama sagte vor wenigen Tagen in New Hampshire: „Es ist egal, welcher Partei man angehört – ob Demokrat, Republikaner oder Unabhängige – keine Frau verdient es, so behandelt zu werden. Keiner verdient diese Art des Missbrauchs.” Ihre emotionale Rede hat gesessen. Sie hat viele Frauen überzeugt und die Nation bewegt.
Doch es war eben nicht Clinton, die in einer Welle der Sympathie die Gesellschaft gegen Trump vereint.