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US-Wahlkampf Clintons Spenden-Reichtum droht zur Belastung zu werden

Die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton hat so viele Spenden eingesammelt wie noch nie ein Kandidat zuvor. Doch ausgerechnet ihr Wahlkampf-Reichtum könnte sie am Ende den Wahlsieg kosten.

Was Sie über Hillary Clinton wissen sollten
Hillary Clinton (zweite von links, Aufnahme aus dem Jahr 1969) wird am 26. Oktober 1947 als erstes von drei Kindern von Dorothy und Hugh E. Rodham, mittelständischer Textilunternehmer, geboren. Von 1961 bis 1965 ist sie Schülerin der Maine Township East High und Maine South High in Park Ridge, Illinois. Von 1965 bis 1969: Studium der Politikwissenschaften mit Nebenfach Psychologie am Wellesley College. Quelle: REUTERS
Hillary Clinton, Dorothy Clinton und Hugh Clinton Quelle: AP
Children's-Defense-Fund Quelle: AP
Von 1977 bis 1992 war Hillary Clinton Anwältin und Partnerin der Kanzlei Rose in Little Rock, Arkansas. Von 1979 bis 1981 dauerte die erste Amtszeit von Ehemann Bill als Gouverneur von Arkansas Quelle: AP
Geburt-von-Tochter-Chelsea Quelle: AP
1993 bis 2001 war sie First Lady der USA während der Präsidentschaft von Ehemann Bill. Quelle: AP
US-Außenministerin Quelle: AP

Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wem die Geld-Elite in den USA das Vertrauen für die Präsidentschaft der nächsten vier Jahre schenkt, lohnt ein Blick nach Kalifornien. Dort organisierten Großspender der Demokratin vor kurzem eine Privatparty. Das Ticket kostete 33.000 Dollar, Elton John spielte auf dem Piano und Barbra Streisand mischte sich unter die Gäste. Am Ende kamen so fünf Millionen Dollar zusammen, damit Hillary Clinton den Kampf ums Weiße Haus gewinnt – Wahlkampf auf amerikanisch.

Geld regiert die Politik in den USA. Private Spender gehören zu den vielen Besonderheiten der größten Demokratie der Welt. Wer Präsident der Vereinigten Staaten werden will, muss möglichst viele und reiche Spender um sich sammeln, die ihre Schatulle öffnen. Clinton hat derzeit besonders viele Förderer, Donald Trump eher nicht so.

Die Demokratin schart derzeit sogar so viele Großspender um sich wie noch kein anderer Kandidat zuvor. Insgesamt 1133 Leute haben der Demokratin für den Wahlkampf jeweils mindestens 100.000 Dollar gespendet. Das sind mehr als bei Barack Obama und George W. Bush zusammen. Hinzu kommen zahlreiche Kleinspenden. Allein in den Monaten August und September sammelte Clinton fast 300 Millionen Dollar ein. Zum Vergleich: Der Republikaner Trump akquirierte laut der Webseite „Politico“ gerade mal 262 Millionen Dollar – über den gesamten Wahlkampf hinweg gesehen.

Clintons wirtschaftspolitische Pläne

Ginge es nach dem Geld, müsste Clinton das Präsidentschaftsrennen haushoch gewinnen. Die eingesammelten Dollar fließen in Zeitungs-, Radio- und TV-Werbung. Darin trommeln einfache Leute oder namhafte Persönlichkeiten wie Ex-CIA-Chef Michael Morell für die Demokratin. Am Ende jeder Werbung schließt Clinton mit den Worten: „I approve this message“, das heißt: sie billigt die Botschaft ausdrücklich.

Doch ob Clinton davon wirklich profitieren kann, ist umstritten. Tatsächlich könnte sich der Geldsegen sogar zu einem veritablen Nachteil für die Demokratin auftürmen. Denn damit bestätigt sich ihr größtes Vorurteil: dass Clinton eben Kandidatin der politischen, finanziellen und medialen Elite ist. Zu den Großspendern gehören unter anderem Steven Spielberg, Will Smith und Investmentlegende George Soros. Auch Geldgeber aus Japan, Großbritannien und Frankreich gehören dazu.

Trump versucht, den Geldreigen ihrer Gegnerin zum eigenen Vorteil auszunutzen. „Leute mit speziellen Interessen sagen dir genau, was sie wollen”, sagte Trump kürzlich während eines Wahlkampfauftritts. Seine Abneigung gegenüber der Lobby-Elite in Washington hat Trump erst an die Spitze der republikanischen Partei gebracht. Seine angebliche Unabhängigkeit gegenüber den politischen und wirtschaftlichen Eliten in den Vereinigten Staaten hat seine Glaubwürdigkeit bei den Wählern erhöht – und dazu geführt, dass er die Vorwahlen souverän gewann.

Geld ist der größte Stressfaktor in den USA

Der Spenden-Reichtum Clintons bestätigt damit Trumps Kritik am Establishment. Hinzu kommen die gehackten E-Mails aus dem Umfeld der Demokratin, die eine Nähe zur Wirtschaftselite bestätigen. Kürzlich kam heraus, dass Clinton sich eine „öffentliche“ und eine „private“ Meinung zu eigen mache. Im Klartext: Wer Clinton wirklich ist und wofür sie steht, ist langjährigen Beobachtern nicht ganz klar – und erst recht nicht den Wählern.  

Auch die jüngsten Wikileaks-Enthüllungen werfen kein gutes Licht auf Clinton. Sie bestätigen beispielsweise, dass Clintons Kampagnen-Manager John Podesta mit Großspender Jeffrey Katzenberg, dem Gründer von DreamWorks Animation, im März 2015 Mittagessen war. Zwölf Tage später bat Katzenberg um ein Gespräch mit Clinton. Einen Monat später folgte eine Bitte um ein Treffen mit Bill Clinton. Katzenberg hat eine Million Dollar für den Wahlkampf der Demokratin gespendet.

Auch mit Haim Saban, dem Chef der spanisch-sprachigen Medien-Gruppe Univision, hat es enge E-Mail-Konversationen gegeben, die Clinton und ihrem Team den Ruf einbringen könnten, für Geld politisches Entgegenkommen zu zeigen. Saban und seine Frau haben gemeinsam zehn Millionen Dollar für den Wahlkampf von Hillary gespendet.

Die gehackten E-Mails machen Clinton angreifbar. Vor allem bremsen sie die Kandidatin aus, gegen Trump offensiver vorzugehen. Derzeit hat man das Gefühl, Clinton suche eher die Ferne, um Fehler zu vermeiden.

Die größten Absurditäten im US-Wahlkampf
Hillary Clintons Doppelgängerin Quelle: AP
Von Hirntumor bis Zungenkrebs – Clintons Krankheiten im Überblick Quelle: dpa
Der Knopf in Clintons Ohr Quelle: AP
Hillary Clinton Quelle: AP
Donald Trump – der Antichrist Quelle: dpa
Hillary Rodham Clinton Jimmy Quelle: AP
Die Illuminati und Trump Quelle: REUTERS

Das liegt auch daran, dass Clinton weiterhin extrem unbeliebt ist – vor allem bei jungen Wählern, aber auch bei Frauen. Clinton gelingt es nicht, Trumps sexistische Aussagen zum eigenen Vorteil zu nutzen. Zwar hat Trumps Image deutlich gelitten, aber Clintons Vorsprung ist vergleichsweise gering. Sie schafft es nicht, die offensichtlich frauenfeindlichen Äußerungen Trumps gegen den Republikaner auszuspielen.

Dafür sorgen stattdessen andere. So wird Michelle Obama derzeit als Clintons Super-Waffe gesehen. Sie tourt durch die Staaten und macht Wahlkampf für Clinton. Man muss schon bis in die Sechzigerjahre zurückschauen, um Augenblicke zu finden, in denen sich eine First Lady vehement in den Wahlkampf eingemischt hat.

Michelle Obama sagte vor wenigen Tagen in New Hampshire: „Es ist egal, welcher Partei man angehört – ob Demokrat, Republikaner oder Unabhängige – keine Frau verdient es, so behandelt zu werden. Keiner verdient diese Art des Missbrauchs.” Ihre emotionale Rede hat gesessen. Sie hat viele Frauen überzeugt und die Nation bewegt.

Doch es war eben nicht Clinton, die in einer Welle der Sympathie die Gesellschaft gegen Trump vereint.

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