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US-Wirtschaft Back to normal – doch zu welchem Preis?

Spätestens im Sommer, da sind sich Analysten weitgehend einig, wird die US-Wirtschaft wieder die Größe von vor dem Coronaabsturz erreicht haben. Quelle: dpa

Mit aller Macht will die Biden-Administration eine Rückkehr zur Normalität erzwingen. Bis zum Sommer sollen die gröbsten Auswirkungen der Pandemie hinter den USA liegen – auch die wirtschaftlichen. Ist das realistisch?

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Es war ein trauriger Anlass, der US-Präsident Joe Biden am Dienstagabend auf die Südterrasse des Weißen Hauses führte. Gemeinsam mit seiner Frau Jill, Vize-Präsidentin Kamala Harris und deren Ehemann Doug Emhoff nahm das Staatsoberhaupt an einer Schweigeminute teil, um der 500.000 Amerikaner zu gedenken, die im vergangenen Jahr an Covid-19 verstorben sind. Bereits zuvor hatte die National Cathedral im Nordwestsektor der US-Hauptstadt mit 500 Glockenschlägen an die verlorenen Leben erinnert. Für einen kurzen Moment hielt Washington inne.

Kein anderes Land hat so viele Coronatote zu betrauern wie die Vereinigten Staaten von Amerika. Bidens Vorgänger im Amt, Donald Trump, hatte die Pandemie zunächst ignoriert und danach schockierend wenig zu ihrer Bekämpfung beigetragen. So konnte das Virus sich zeitweise nahezu unbeschränkt in Teilen der USA ausbreiten. Seit dem Regierungswechsel hat sich die Situation zumindest ein Stück weit verbessert. Die Zahl der Neuinfektionen ist zuletzt deutlich gesunken, allein in den vergangenen 14 Tagen um rund 44 Prozent. Auch sterben weniger Menschen an der Krankheit. Gleichzeitig drückt die Regierung bei den Impfungen aufs Tempo. Zuletzt erhielten durchschnittlich rund 1,3 Millionen Amerikaner pro Tag das Vakzin. Bei Bidens Amtsantritt waren es noch rund 900.000 gewesen.

Mit aller Macht will die Biden-Administration eine teilweise Rückkehr zur Normalität erzwingen. Bis zum Sommer, so die Hoffnung, sollen die gröbsten Auswirkungen der Pandemie hinter den USA liegen – auch die wirtschaftlichen. Die Ausgangslage ist gut. Nach einem historischen Konjunkturabsturz – dem heftigsten seit der Demobilisierung nach dem Zweiten Weltkrieg – befinden sich die Vereinigten Staaten wieder im Aufschwung.

Die Wachstumserwartungen für 2021 sind enorm. Die Bank of America rechnet in diesem Jahr mit einem Plus von sechs Prozent, Goldman Sachs gar von sieben Prozent. Spätestens im Sommer, da sind sich Analysten weitgehend einig, wird die US-Wirtschaft wieder die Größe von vor dem Coronaabsturz erreicht haben. „Wenn ich wetten müsste, würde ich sagen, dass es schon im April oder Mai soweit ist“, sagt Gregory Daco, Chief US Economist von Oxford Economics.

Die Gründe für die schnelle Erholung sind vielfältig. Einen richtigen Lockdown hat es in den USA zumindest flächendeckend seit Monaten nicht mehr gegeben. Das trieb die Infektions- und Totenzahlen in die Höhe, stabilisierte aber auch die Wirtschaft ein Stück weit. Dass die größte Volkswirtschaft der Welt so gut ins Jahr gestartet ist, hänge aber vor allem mit der sich verbessernden Gesundheitssituation und mit dem Corona-Hilfspaket zusammen, das der Kongress noch im Dezember verabschiedet hatte, so Daco. Teil der Maßnahmen waren auch Direktzahlungen an einen Großteil der amerikanischen Haushalte, die nach einem Jahr der wirtschaftlichen Unsicherheit zum großen Teil in den Konsum flossen – und so die Binnennachfrage in einer schwierigen Zeit erheblich stärkte.

Sollte Biden sein nächstes 1,9 Billionen Dollar schweres Rettungsprogramm wie geplant im März in Kraft setzen, dürfte dies den Konsum zudem weiter ankurbeln und so die Wirtschaft weiter stützen. Der Abbau weiterer Covid-Beschränkungen dürfte ebenfalls helfen. Der Back-To-Normal-Tracker der Rating-Agentur Moody’s sieht die wirtschaftliche Aktivität heute bereits wieder bei mehr als 80 Prozent von dem, was sie vor der Pandemie einmal war. Im vergangenen Frühjahr, während der Lockdowns, hatte sich nur noch bei rund 60 Prozent gelegen.



Ist die größte Volkswirtschaft der Welt also zurück auf Erfolgskurs? So leicht ist es nicht, sagt Diane Swonk, Chief Economist von Grant Thornton. „Die neue Normalität wird der alten ähneln, ihr aber nicht gleich sein“, glaubt sie. Vor allem der Blick auf den Arbeitsmarkt macht Swonk Sorgen. Denn die Zahl der Amerikaner, die einen Job suchen, ist heute immer noch mehr als doppelt so hoch wie vor einem Jahr. Fünf Millionen Menschen sind gleich vollständig aus der Statistik gefallen, da sie die Suche nach einem Arbeitsplatz komplett aufgegeben haben.

Und: Rund 40 Prozent derer, die sich um eine Stelle bemühen, sind bereits länger als sechs Monate arbeitslos. „Ab diesem Zeitpunkt sind die körperlichen und psychischen Auswirkungen von Arbeitslosigkeit ausgesprochen hoch“, so Swonk. „Das zieht langfristige gesellschaftliche Kosten nach sich.“

Überhaupt warnt Swonk davor, die derzeitige Lage als zu rosig einzuschätzen. Die bisherigen Hilfspakete hätten für die Betroffenen vor allem ausgefallenes Einkommen ersetzt. Dies sei richtig und notwendig gewesen, „aber Arbeitsplätze wiederherzustellen, ist eine deutlich schwerere Aufgabe“, sagt sie – zumal durch die Pandemie der Strukturwandel und die Automatisierung zusätzlich an Fahrt gewonnen haben. Die Hoffnung hinter den bisherigen Maßnahmen sei gewesen, die Wirtschaft über die Krise zu bringen, bis sie wieder stark genug sei, um sich selbst zu tragen. Doch das werde trotz der guten Wachstumszahlen nicht einfach sein. „Insgesamt halte ich das Bild für ziemlich uneinheitlich“, urteilt die Ökonomin.

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Auch deshalb hält die Biden-Administration trotz einiger Warnungen an ihren Plänen für ein massives Hilfspaket fest. Rund die Hälfte des Hilfsprogramms soll die Wirtschaft gegen erneute Erschütterungen absichern – durch Direktzahlungen und Unterstützungsprogramme. Der Rest wird in Maßnahmen fließen, die der Ausbreitung des Coronavirus etwas entgegensetzen und auch das Impftempo noch einmal erhöhen sollen. Denn nur wenn die Pandemie besiegt ist, glaubt man im Weißen Haus, kann auch die Wirtschaft vollständig zur Normalität zurückkehren.

Mehr zum Thema: Trotz seinem Bekenntnis zum Zusammenhalt zwischen der EU und den USA ist klar, eine Rückkehr der amerikanischen Außenpolitik zur Vor-Trump-Zeit wird es auch unter Joe Biden nicht geben.

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