WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

US-Wirtschaft noch zu schwach Janet Yellen will Bernankes Kurs fortsetzen

Die designierte Fed-Chefin Janet Yellen sieht die US-Konjunktur trotz Anzeichen einer Erholung noch lange nicht über den Berg. Sie deutet an, die vom scheidenden Fed-Chef Ben Bernanke verfolgte Politik des billigen Geldes weiterzuführen. Die Tokioter Börse schoss prompt auf ein Drei-Wochen-Hoch.

Janet Yellen - die erste Frau an der Spitze der Fed
Janet Yellen galt als Favoritin für den Posten an der Spitze der US-Notenbank, seitdem der frühere Finanzminister Lawrence Summers Mitte September erklärt hatte, er stehe für das Amt des Fed-Vorsitzenden nicht zur Verfügung. Die 67-jährige Yellen gilt als enge Vertraute Ben Bernankes. Seit 2012 ist sie stellvertretende Vorsitzende der Fed. Quelle: AP
Hinsichtlich der Finanzkrise hat Janet Yellen eine weißere Weste als Summers. „Vielmehr noch hat Yellen frühzeitig die großen Gefahren der Finanzkrise erkannt und mit als erste davor gewarnt“, sagt Fed-Beobachter Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. Quelle: AP
Seit den 70er Jahren arbeitete die Ökonomin immer wieder für die Fed in Washington, war später auch Chefin der Notenbank in San Francisco. Zwischendurch beriet sie den damaligen US-Präsidenten Bill Clinton. Quelle: REUTERS
Yellen ist eine ausgewiesene Arbeitsmarktexpertin - ein Pfund, mit dem sie wuchern kann. Denn die Fed hat anders als etwa die EZB nicht nur den Auftrag, für stabile Preise zu sorgen, sondern auch für Vollbeschäftigung. Und sie koppelt ihre Zinspolitik an die Arbeitslosenquote, die mit über sieben Prozent zwar langsam fällt, aber noch immer auf einem für amerikanische Verhältnisse hohen Niveau liegt... Quelle: REUTERS
Die Fed versucht, die Lage mit massiven Konjunkturhilfen zu verbessern. Die Maßnahmen - etwa milliardenschwere Anleihe-Käufe - haben aber Nebenwirkungen für die Wirtschaft und sind daher umstritten. Die frühere Berkeley-Professorin Yellen betont, im Zweifelsfall eine höhere Inflation für eine niedrigere Arbeitslosenquote in Kauf zu nehmen. Quelle: AP
Yellen ist in der fast 100-jährigen Geschichte der Zentralbank die erste Frau an der Spitze. Sie steht für eine Fortsetzung der ultra-lockeren Geldpolitik Bernankes. Mit ihr dürfte die Fed Experten zufolge noch länger auf Konjunkturhilfen setzen und eine Zinserhöhung auf die lange Bank schieben. Quelle: dpa
Yellen gilt als konsens-orientiert, loyal und uneitel. Stets hat sie in ihrer langjährigen Laufbahn in der Fed alle Beschlüsse der Führung mitgetragen und sich nicht ins Rampenlicht gedrängt. Quelle: REUTERS

Weitermachen wie bisher, so lautet die erste Botschaft von Janet Yellen, designierte neue Chefin der US-Notenbank. In einem vorbereiteten Text, den die Federal Reserve vorab auf ihrer Internetseite veröffentlichte, stellte die 67-jährige Yellen klar: Bevor die Fed damit beginnen könne, die monatlichen Anleihenkäufe in Milliardenhöhe zurückzufahren, müsse sich die konjunkturelle Lage in den USA erheblich verbessern.  Die US-Wirtschaft und auch der Arbeitsmarkt entwickelten sich noch deutlich unterhalb ihres Potenzials.

Seit einem halben Jahr schweigt Yellen. Vor ihrem großen Tag am heutigen Donnerstag in Washington, wo sie dem US-Bankenausschuss im Senat Rede und Antwort stehen muss, stellt die 67-jährige ihre erste Rede schon einen Tag vorher ins Internet -  wohl damit sich schon mal alle einlesen können  und auch die Medien frühzeitig erstes Futter bekommen.

Biografische Daten der Fed-Chefin

Der neue, alte Kurs der US-Notenbank freut die Börsen: Die Spekulation auf eine Fortsetzung der ultralockeren Geldpolitik und ein unerwartet kräftiges Wirtschaftswachstum in Japan haben der Tokioter Börse am Donnerstag den höchsten Stand seit drei Wochen beschert. "Wir befinden uns in der bestmöglichen Situation. Es wird wieder auf Risiko gespielt", erklärte Mitsushige Akino von Ichiyhoshi Asset Management. "Es scheint, als ob 'Tapering' bei der Fed keine Priorität hat." Mit 'Tapering' bezeichnen Finanzprofis die Drosselung der milliardenschweren Anleihekäufe durch die Fed. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index kletterte im Vormittagshandel um 1,4 Prozent auf 14.771 Punkte. Der breiter gefasste Topix notierte mit 1213 Stellen 0,8 Prozent fester.

Die Ölpreise sind am Donnerstag leicht gestiegen. Am Morgen kostete ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent zur Auslieferung im Dezember 107,28 US-Dollar. Das waren 16 Cent mehr als am Vorabend. Der Preis für US-Öl der Sorte WTI stieg um 11 Cent auf 93,99 Dollar.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.


Spannend wird Yellens Auftritt vor dem US-Bankenausschuss trotz der Vorabveröffentlichung ihrer Rede, weil sie sich den bohrenden Fragender Demokraten und Republikaner stellen muss. Für Yellen kommt es darauf an, dass sie sich vor allem nicht als allzu extreme „Taube“, die für eine extrem lockere Geldpolitik steht, präsentiert. Löchern werden sie dahingehend vor allem die Republikaner, die die milliardenschweren Staatsanleihenkäufe der Fed zur Ankurbelung der Konjunktur lieber heute als morgen zurückfahren wollen.

Wird Yellen, die US-Präsident Barack Obama im Oktober als neue Vorsitzende der Federal Reserve nominiert hat, vom Kongress bestätigt, wird sie die erste Frau an der Spitze der mächtigsten Notenbank der Welt sein. Die Amtszeit des aktuellen Fed-Vorsitzenden Ben Bernanke endet am 31. Januar.

Mit Material von Reuters und dpa

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%