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USA Die Herkulesaufgaben von Barack Obama

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Comeback der Industrie

Über diese Themen streiten Obama und Romney
Firmengebäude von GM Quelle: dpa
AußenpolitikDie Außenpolitik von Obama ist von Multilateralismus geprägt - er setzt auf Diplomatie und bei Konflikten auf internationale Zusammenarbeit. Das vor seiner Amtszeit eingeleitete Ende des Krieges im Irak hat er forciert, zudem setzt er sich für einen zügigen, verantwortungsvollen Abzug aus Afghanistan ein. Er fährt eine harte Linie gegen feindlich gesinnte Staaten wie den Iran, ohne auf Kriegseinsätze zu dringen. Im Kampf gegen Terroristen geht er dagegen mit beispielloser Härte vor. Romney kritisiert den Präsidenten für seine „zu weiche“ Außenpolitik. Obama „entschuldige“ sich zu häufig für die USA und habe international ohne Not die Führungsrolle abgegeben. Er selbst verfolge für Amerika eine Strategie der Stärke - Truppenabzüge dürften nicht überstürzt werden. Einen baldigen Militärschlag gegen den Iran lehnt er ausdrücklich nicht ab. Kritisch äußerte er sich über eine Entspannungspolitik zu Ländern wie Russland oder Kuba. Quelle: rtr
SozialesObama steht für die größte Gesundheitsreform in der Geschichte der USA, die Millionen bislang unversicherten Amerikanern einen Schutz bieten soll. Das Gesetzeswerk wird derzeit vom Verfassungsgericht geprüft und könnte bereits im Juni widerrufen werden. Außerdem ist er gegen den Abbau von Hilfen etwa für Arbeitslose oder Rentner, lehnt aber Einsparungen bei den Sozialkosten nicht grundsätzlich ab. Die von den Republikanern scharf abgelehnte Gesundheitsreform ist für Romney eine delikate Angelegenheit: Obama hat sie laut Experten in großen Teilen von einem Gesetz übernommen, das Romney als Gouverneur von Massachusetts eingeführt hatte. Nun aber will er das Werk als Präsident sofort abschaffen. Auch andere Sozialprogramme müssen seiner Ansicht nach wesentlich gekürzt werden. Quelle: rtr
Schuldenuhr der USA Quelle: dpa
Wahlbüro in den USA Quelle: dpa
Zur Person: Barack Obamageb. 1961 auf Hawaii 1985 1988 Sozialarbeiter in Chicago 1991 Jura-Examen in Harvard 1992 Verheiratet mit Michelle Obama ab 1992 Bürgerrechtsanwalt und Uni-Dozent 1996 Wahl in den Senat in Illinois 2004 Wahl in den US-Senat für Illinois seit 2009 US-Präsident Quelle: dpa-tmn
Zur Person: Mitt Romneygeb. 1947 in Detroit 1967 mormonischer Missionar in Frankreich 1969 Verheiratet mit Ann Romney 1975 Abschlüsse in Wirtschaft und Jura in Harvard ab 1975 Unternehmensberater 1984 Gründung einer eigenen Investmentfirma 2002 Vorsitzender Olympia-Organisationskomitee in Salt Lake City 2003-2007 Gouverneur von Massachusetts 2008 Erfolglose erste Bewerbung um Präsidentschaftskandidatur Quelle: rtr

Charleston, South Carolina

Für einen nachhaltigen Aufschwung braucht Amerika ein Comeback der Industrie, die sich derzeit mit Investitionen zurückhält. Vor allem Green Tech soll nun neue Jobs schaffen.

Am Hafen von Charleston steht John Kelly mit einem bunten Blatt Papier in der Hand inmitten einer riesigen Baustelle. „Sehen Sie, hier, die Windturbinen können direkt an den Hafen geliefert und in unsere neue Halle geschafft werden“, schwärmt der Mann und tippt mit dem Zeigefinger auf der Computeranimation auf dem Papier herum. Noch ist von der neuen Halle nicht viel zu sehen, doch bis Mai 2013 soll auf dem Hafenareal, einem alten Warenlager der Marine, das größte und modernste Testzentrum für Windkraftturbinen der Welt entstehen. Kelly ist Direktor für ökonomische Entwicklung am Clemson University Restoration Institute in Charleston, wo das Projekt angesiedelt ist. Die US-Regierung pumpt 45 Millionen Dollar in das Testzentrum, weitere 53 Millionen Dollar schießt der Bundesstaat South Carolina zu. Rund 800 direkte und indirekte Jobs soll das Projekt schaffen, wenn hier bald Konzerne wie GE und Siemens neue Turbinen testen.

Ausgerechnet der tief republikanische Süden Amerikas profitiert damit von Präsident Obamas grüner Innovationsoffensive. Nicht nur die Förderung konventioneller Ressourcen wie Gas und Öl hat Obama in den vergangenen vier Jahren vorangetrieben, sondern auch Investitionen in alternative Energien. Bis 2020, so das Ziel, soll die Windenergie rund 20 Prozent der Energieerzeugung in den USA ausmachen – und nachhaltige Arbeitsplätze schaffen.

Die größten Pleitekandidaten der USA

Hohe Arbeitslosenquote

Notwendig sind diese Jobs dringend. Auch vier Jahre nach der Finanzkrise sind immer noch Millionen von Amerikanern ohne Arbeit, vor allem die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist für US-Verhältnisse extrem hoch. Im September ist die Arbeitslosenquote zwar erstmals nach vier Jahren landesweit unter die acht Prozent gerutscht, doch in vom Strukturwandel betroffenen Staaten wie South Carolina liegt sie über dem nationalen Durchschnitt.

Das Problem: Statt Stellen zu schaffen, neue Fabriken zu bauen oder Maschinen zu kaufen, geben viele US-Industriekonzerne derzeit lieber Milliardensummen für den Rückkauf eigener Aktien aus. Seit 2009 liegt der Anteil der Investitionen am Bruttoinlandsprodukt in den USA unter dem historischen Durchschnitt.

Für Nikki Haley ist das Windprojekt darum umso wichtiger. Die republikanische Gouverneurin von South Carolina lässt keine Chance ungenutzt, die Industrie in ihrem strukturschwachen Bundesstaat anzukurbeln. Ihre einfache Strategie: „Wir haben gute Arbeiter, niedrige Löhne – und vor allem keine Gewerkschaften, die unseren Unternehmen das Leben schwer machen.“

South Carolina war lange von der Landwirtschaft geprägt, dann kam die Textilindustrie – und verschwand wieder. Bis Ende der Neunzigerjahre war die Küstenstadt Charleston ein wichtiger Standort der US-Marine; als ihn die Navy dichtmachte, gingen an die 7.000 Arbeitsplätze verloren. Daher war es ein echter Coup, den Gouverneurin Haley 2011 schaffte. Der US-Flugzeughersteller Boeing entschied sich, sein neues Langstreckenflugzeug Dreamliner in dem Südstaat zu bauen. Über 3.000 neue Jobs hat das Unternehmen hier geschaffen, freilich angelockt von hohen Fördergeldern. Rund 45 Millionen Dollar spendierte der Bundesstaat für ein Aus- und Weiterbildungsprogramm, damit der Konzern die richtigen Arbeiter zum Bau seiner Flugzeuge findet – denn die fehlten. Angesichts der schlechten Arbeitsmarktlage bewarben sich Tausende auf die Stellen, kaum einer von ihnen hatte jemals zuvor mit Flugzeugen zu tun. „Da meldeten sich selbst Schiffsmechaniker und Marinesoldaten“, sagt Jim Maxon. Über zwei Jahre hinweg hat der Projektleiter mit Boeing-Ingenieuren am Trident Technical College in North-Charleston Hunderte ausgebildet, bevor sie in den Boeing-Job wechselten.

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