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USA Das Ende der Supermacht

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Haushaltsdefizit und Staatsschulden der USA Quelle: IWF

Die Chancen, rasch einen neuen Job zu finden, sind schlecht. Dazu trägt auch bei, dass die Mobilitätsbereitschaft gesunken ist. Durch die Immobilienbaisse sind die Häuserpreise im Schnitt um mehr als 30 Prozent zurückgegangen. Viele Bürger können ihre Häuser daher nur mit Verlust verkaufen, wenn sie einen neuen Job in einer anderen Stadt annehmen. Bereits 44 Prozent der Arbeitslosen sind länger als sechs Monate ohne Job, die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit liegt bei 40 Wochen. Tendenz steigend. Je länger die Menschen ohne Arbeit sind, desto stärker erodiert ihre Qualifikation – und desto uninteressanter werden sie für potenzielle Arbeitgeber.

Die Erfahrungen anderer Länder mit Finanzkrisen lassen Böses ahnen. Sie zeigen, dass die Arbeitslosenquote nach einem Crash zehn Jahre lang im Schnitt um mehr als fünf Prozentpunkte über ihrem Vorkrisenniveau verharrt. Danach muss sich Amerika für längere Zeit auf Arbeitslosenquoten um die zehn Prozent einstellen – mit negativen Folgen für Einkommen, Konsum und Wachstum.

Anders als Europa sind die USA auf Langzeitarbeitslosigkeit nicht vorbereitet. Seit 1980 hat Washington die Mittel für die aktive Arbeitsmarktpolitik real um 60 Prozent gekürzt. Programme, die Langzeitarbeitslose wieder in Lohn und Brot bringen, gibt es daher kaum.

Schlechte Bildung

Bessere Aussichten auf dem Arbeitsmarkt hat, wer den Abschluss auf einer Eliteuni nachweisen kann. Doch in einer Welt, in der sich Ideen durch neue Technologien rasch verbreiten und Produktionsprozesse verlagerbar sind, reicht es nicht aus, nur über eine top ausgebildete Elite zu verfügen. Ebenso wichtig ist der qualifikatorische Mittelbau, die Facharbeiter, die in der Lage sind, neue Ideen in Produkte umzusetzen. „Diese Arbeitskräfte fehlen uns hier“, sagt US-Ökonom Vivek Ghosal.

Vor allem den Technologieunternehmen fehlt es an Personal. „Man kann einen Fahrstuhl-Mechaniker nicht über Nacht in einen Softwareprogrammierer umschulen“, sagt Bernard Baumohl, Ökonom beim Forschungsinstitut The Economic Outlook Group in Princeton.

Knapp 36 Prozent der von der Unternehmensberatung Droege befragten deutschen Unternehmen gaben an, in den USA zwar hervorragend ausgebildete Führungskräfte zu finden. Rar seien dagegen Facharbeiter, die die Innovationen auf die Straße bringen. „In den USA fehlt eine strukturierte Ausbildung von Facharbeitern, wie sie Deutschland mit der dualen Berufsausbildung besitzt“, erklärt Lars Knorn, Managing Director von Droege in New York.

Das Problem beginnt schon in der Schule. Nach Angaben der OECD belegen die USA bei den naturwissenschaftlichen Kenntnissen der 15-jährigen Schüler im internationalen Vergleich nur Rang 17, bei den mathematischen Fähigkeiten kommen sie nur auf Platz 25.

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