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USA Das Ende der Supermacht

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Vergleicht man chinesische Hochlohnregionen wie Shanghai und Tianjin mit Niedriglohnregionen im Süden der USA, werden die Lohnstückkostenvorteile Chinas in den nächsten fünf Jahren auf 30 Prozent schrumpfen, erwarten die BCG-Ökonomen. Der Gesamtkostenvorteil läge dann nur noch bei 10 bis 15 Prozent. Berücksichtigt man zudem die Kosten für Lagerhaltung und Transport, verringert sich der Kostenvorteil auf einen einstelligen Prozentsatz oder verschwindet ganz. Harold Sirkin, Partner bei BCG, ist daher überzeugt: „In den nächsten fünf Jahren wird es wieder mehr Produkte made in USA geben.“

Erste Zeichen dafür existieren bereits. Jeffrey Immelt, Chef des Industriegiganten GE, kündigte kürzlich an, wieder mehr im eigenen Land zu investieren. Immelt will jetzt vor allem High-Tech-Produkte wie Flugzeugmotoren und Gasturbinen verstärkt in den USA bauen und in diesem Jahr 1000 Ingenieure einstellen. Im -Gasturbinenwerk in South Carolina sollen zu den 3000 Beschäftigten 100 neue dazukommen. In den Südstaaten sind die Löhne niedrig, Gewerkschaften spielen keine Rolle. Hier haben auch viele deutsche Firmen wie BMW oder Bosch ihre Werke.

Auch der US-Flugzeughersteller Boeing will seine neuen Langstreckenflieger Dreamliner in South Carolina bauen und dort über 3500 Mitarbeiter beschäftigen. Nikki Haley, die neue republikanische Gouverneurin des Bundesstaates, lockte den US-Konzern mit niedrigen Löhnen.

Gegen den Mangel an Fachkräften geht Haley zielstrebig vor. Sie steckt 45 Millionen Dollar in ein Aus- und Weiterbildungsprogramm, damit Boeing qualifizierte Arbeitskräfte findet, die ab 2012 in der Stadt Charleston die Flugzeuge zusammenbauen. Haley lobt das 750-Millionen-Dollar-Investment des US-Konzerns in der von hoher Arbeitslosigkeit gebeutelten Region: „Danke Boeing – ihr lasst Amerika nicht im Stich.“

America, we need you!

Ob die Investitionsoffensive in den Südstaaten das Vorzeichen für ein Wiedererstarken Amerikas ist, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Schaffen die USA es nicht, ihre Schulden abzubauen und die Wirtschaft auf Vordermann zu bringen, hat das dramatische Konsequenzen. Mit einem Anteil von rund 23 Prozent am globalen BIP sind die USA noch immer der wichtigste Taktgeber für die Weltwirtschaft. Ohne ein wirtschaftlich gesundes Amerika wird auch China der ökonomische Aufstieg nicht gelingen. So sind die USA neben Europa der wichtigste Abnehmer für Produkte made in China. Fällt Amerika wirtschaftlich aus, werden auch die Wachstumsraten in China zurückgehen. Das bekäme die deutsche Wirtschaft schmerzlich zu spüren. Mehr als zwölf Prozent der deutschen Exporte gehen nach USA und China.

Ein schwaches und überschuldetes Amerika droht darüber hinaus seine zentrale Rolle im Weltwährungssystem zu verlieren. Als Produzent globaler öffentlicher Güter wie Weltsicherheit und Freiheit werden die USA dann ausfallen. „Die Welt hat ihre Lieferanten globaler öffentlicher Güter in der Vergangenheit schon des Öfteren gewechselt“, sagt Mohamed El-Erian, Chef des weltgrößten Anleihehändlers Pimco. Zum Beispiel nach dem Zweiten Weltkrieg, als die USA die Rolle der globalen Führungsmacht von Großbritannien übernahmen. „Doch anders als damals“, warnt El-Erian, „ist heute kein Land bereit und imstande, diese Aufgabe zu übernehmen, falls die USA nicht die Kurve kriegen.“.

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