USA Die Herkulesaufgaben von Barack Obama

Obama bleibt der Chef im Weißen Haus. Er steht vor einer Herkulesaufgabe: Er muss eine tief gespaltene Nation einen und die weltgrößte Volkswirtschaft vor einer Rezession bewahren. Eine Reise durch ein Land der Gegensätze.

Lächeln für den großen Sieg - Matt Romney und Barack Obama Quelle: dpa

Barack Obama darf weitermachen. Das Votum der Bürger fiel überraschend deutlich aus. Mindestens 303 Wahlmänner-Stimmen konnte der Amtsinhaber auf sich vereinen. Er siegte in fast allen "Swing States" und darf seine vier Jahre lang Arbeit fortsetzen. Einen leichten Job hat er nicht vor sich. Obama muss in seiner zweiten Amtszeit die Eiszeit zwischen Demokraten und Republikanern beenden und überfällige Reformen durchsetzen. Er muss den Staatshaushalt sanieren, ohne das Land in die nächste Rezession zu stürzen.

Drei Ortstermine in Amerika (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Denn Fakt ist: Auch wenn die US-Wirtschaft im dritten Quartal überraschend deutlich um – auf das Jahr hochgerechnete – zwei Prozent gewachsen ist, kämpft die größte Volkswirtschaft der Welt mit massiven Problemen. Millionen Amerikaner sind auf Essensmarken angewiesen, die Kluft zwischen Arm und Reich geht immer stärker auseinander, das Gesundheitssystem ist ineffizient und teuer. Es fehlen Jobs, es mangelt an qualifizierten Fachkräften. Doch es gibt auch Zeichen der Hoffnung: Vielerorts kehrt die Industrie zu alter Stärke zurück, neu entdeckte Gas- und Ölreserven beflügeln die Wirtschaft, sogar der Immobilienmarkt erholt sich langsam. WirtschaftsWoche-Korrespondentin Angela Hennersdorf ist durch ein Land der Gegensätze gereist.

New York

Obamas umkämpfte Gesundheitsreform hat wenig geändert: Das US-Gesundheitssystem ist ineffizient und für viele Menschen unerschwinglich

Die Zahnarztpraxis von Dr. Robert Rosenkranz liegt im Souterrain eines Wohnhauses im bürgerlichen Viertel Park Slope in Brooklyn. Der Eingangsbereich ist gleichzeitig Wartezimmer und Empfang, mehr als fünf Stühle für die hoffenden Patienten gibt es nicht. Ein Fernseher an der Wand plärrt vor sich hin. Die Wände sind gelb gestrichen, die fünf Behandlungsräume sind fensterlos. Statt Türen gibt es Vorhänge.

Hier liegen Romney und Obama Kopf an Kopf

Das Ambiente ist arg bescheiden, doch zählt Rosenkranz zu den Top-Zahnärzten in Amerika, ausgezeichnet von der Verbraucherorganisation Consumer Research Council of America in Washington. Auch beim New Yorker Kunden-Portal „Talk of the Town“ bekommt der Zahnarzt Bestnoten von Patienten. Die Praxis ist mit den neuesten Geräten ausgestattet, Rosenkranz arbeitet eng mit Spezialisten zusammen, die bei Bedarf zu ihm kommen.

Das Problem ist nur: Nicht jeder vom Zahnschmerz gepeinigte New Yorker kann sich die Dienste von Dr. Rosenkranz leisten. Eine Zahnreinigung kostet bei ihm rund 300 Dollar, für eine Wurzelbehandlung beim Spezialisten sind mindestens 1.000 Dollar fällig. Bei einem Durchschnittsverdienst von 45.500 Dollar im Jahr ist das für viele New Yorker unerschwinglich. Die Arbeitslosenquote in der City liegt mit 9,5 Prozent über dem nationalen Durchschnitt von derzeit knapp unter acht Prozent.

Natürlich gibt es auch günstigere Zahnarztdienste in der Stadt als die von Rosenkranz. In ärmeren Vierteln, in der Bronx und in Queens, tingeln einfache mobile Zahnarztpraxen in Lastwagen von Schule zu Schule, um Löcher zu stopfen und Zähne zu ziehen. Doch das ändert nichts an einem zentralen sozialpolitischen Problem der USA: Das Land hat hervorragende Ärzte und Spitzenkliniken – nur können sich deren Dienste Millionen Amerikaner nicht leisten, weil sie keine Krankenversicherung haben.

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