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USA Die Supermacht kämpft sich zurück

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Explodierende Gesundheitskosten

Das Comeback

Zwischen Euphorie und Enttäuschung schwankt die Stimmung im Land. Städte wie Detroit und New York, Bundesstaaten wie Kalifornien und Missouri weisen immer noch Milliardenlücken in ihren Haushalten auf. Von Erholung ist hier nicht viel zu spüren. In Kalifornien etwa hat selbst der wirtschaftliche Boom im Silicon Valley die Finanzprobleme des Bundesstaates nicht lösen können. Das Defizit in der Staatskasse liegt bei 12,5 Milliarden Dollar. Die Autostadt Detroit im nördlichen Staat Michigan hat immer noch die größte Armutsrate von allen großen Metropolen Amerikas – daran hat die staatliche Rettung der Autoindustrie in Detroit und Umgebung nichts geändert.

Dass sich selbst schwere Strukturprobleme überwinden lassen, zeigt die alte Industriestadt Chattanooga in Tennessee. Mit ihren rund 170 000 Einwohnern hat sie sich förmlich aus dem eigenen Dreck gezogen. Galt Chattanooga Ende der Sechzigerjahre noch als dreckigste Stadt Amerikas, präsentiert sich die Arbeiterstadt, in der über Jahrzehnte vor allem Gießereien und Stahlfabriken standen, heute als grün, innovativ und lebenswert. Sie liegt im Tal des Flusses Tennessee, der sich gemütlich durch die Stadt schlängelt, umgeben von üppig grünen Bergen. Ein elektrischer Bus fährt die Bürger kostenlos in Downtown herum. Ein modernes Glasfasernetz liefert Unternehmen und Bürgern schnellstes Internet ins Haus, wie es sonst in den USA kaum zu finden ist.

Roter Teppich für Investoren

„Wir mussten viel nachholen, aber heute ziehen Menschen nach Chattanooga, die es sich leisten könnten, auch irgendwo anders zu leben“, sagt Bürgermeister Ron Littlefield, Demokrat mitten im tief republikanischen Tennessee. Littlefield, ein ruhiger, schlanker, älterer Herr, seit 2005 im Amt, ist mächtig stolz darauf, wie sich seine Stadt gewandelt hat. Ihm ist es gelungen, mit staatlichen Fördermitteln, niedrigen Löhnen und Steuern sowie Zuschüssen für die Ausbildung von Facharbeitern Investoren in die Stadt zu locken. Der französische Turbinenhersteller Alstom hat hier kürzlich ein Werk eröffnet. Die Franzosen sowie die deutschen Konzerne VW, Wacker Chemie und der Windmastproduzent Siag haben hier in den vergangenen Jahren mehr als 4000 Arbeitsplätze geschaffen. Weitere Jobs sind durch ein Logistikzentrum von Amazon hinzugekommen sowie dank etlicher Callcenter-Betreiber, darunter der deutsche Mobilfunkkonzern T-Mobile. Weitere Ansiedelungen sollen folgen.

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    Dennoch liegt die Arbeitslosenquote in der Stadt immer noch über sieben Prozent. Das ist zwar unter dem nationalen Durchschnitt, aber noch viel zu hoch. Das weiß auch Bürgermeister Littlefield. „Wir sind bereit, für jedes weitere Unternehmen, das hierherkommt, den roten Teppich auszurollen“, wirbt er. „Ohne Incentives wären wir tot. Das ist der Preis des Geschäftes“, rechtfertigt Littlefield die staatlichen Fördergelder für die Wirtschaft. Die Bürger mussten dafür Steuererhöhungen hinnehmen und Kürzungen bei Sozialprogrammen.

    Christopher Barry ist seinem Bürgermeister trotzdem dankbar. Der junge Mann hat einen Job als Arbeiter bei Wacker ergattert. Tausende hatten sich um einen der 650 zukünftigen Jobs in der Chemiefabrik beworben. Allerdings reichten die Qualifikationen vieler Bewerber nicht aus. Daher bildet der Chemiekonzern seine zukünftigen Facharbeiter erst einmal im neu gegründeten – und von der Stadt mit finanzierten – Wacker Institute aus.

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