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USA Das geheimnisvolle Imperium der Mormonen

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Geheimnissvolle Tempel-Rituale

Was hinter den Fassaden der mormonischen Tempel passiert, wissen nur die Wenigsten. Quelle: dapd

Der Versicherungskonzern „Beneficial Financial Group“, mit Sitz in Utahs Hauptstadt Salt Lake City, erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2009 satte 45 Millionen US-Dollar. Ihr Besitzer: die „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“.

Außerdem in deren Besitz befindet sich der größte Nuss-Produzent der USA, AgReserves Inc., sowie die Rundfunkgesellschaft „Bonneville International Corporation“.

Handfeste gesellschaftliche Vorteile

„Gerade in Salt Lake City haben die Mormonen durch ihre Beteiligungen ein starkes soziales Netz aufgebaut“, sagt Michael Utsch. „Die Glaubensbrüder helfen sich dort. Sei es bei der Suche nach einem Kindergartenplatz oder bei der Jobsuche.“ Die Zugehörigkeit zum Mormonentum hat im tiefen Westen der USA damit oftmals handfeste gesellschaftliche und ökonomische Vorteile.

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    Die Kehrseite der Medaille: Andersgläubige werden ausgegrenzt. „Mormonen sind meist sehr höfliche und freundliche Menschen“, sagt Utsch aus eigener Erfahrung. „Aber sie gewähren Außenstehende kaum Einblick in ihr Leben und ihre Religiösität.“

    So sind die mormonischen Tempel, die heiligen Städte ihrer Mitglieder, nur für diese zugänglich. Selbst nichtmormonische Gäste, die an einer Hochzeitsfeier teilnehmen, werden nur in einem Vorraum des Tempels gelassen. 134 mormonische Gotteshäuser gibt es weltweit. Zwei von ihnen stehen in Deutschland, im sächsischen Freiberg sowie im hessischen Friedrichsdorf. Die Tempel sind traditionell aufwändig konstruiert und werden sorgfältig gepflegt. An jedem Tempel steht in der Landessprache „Heilig dem Herrn“ und „Das Haus des Herrn“.

    Wichtigste Kulthandlung ist das geheimnisvolle Einführungs- beziehungsweise Initiationsritual. Sie unterliegen strengster Geheimhaltung, sind aber durch ehemalige Teilnehmer des Rituals an die Öffentlichkeit gelangt.

    Heilige Zeichen und Handgriffe

    „Sie beginnt mit Waschungen sowie dem Empfang eines neuen Namens“, berichtet Utsch. „Im Verlauf des dramatisch inszenierten Rollenspiels, in dem das mormonische Verständnis von Schöpfung, Fall und dem Heilsplan Gottes dargestellt sind, werden heilige Zeichen und Handgriffe mitgeteilt, um sich im jenseitigen Reich den wachenden Engeln gegenüber erkennbar machen zu können.“

    Ein weiteres besonderes Ritual ist die Totentaufe. Weil nicht alle Menschen zu ihrer Lebzeit mormonische Segnungen empfangen konnten, können solche nachgeholt werden, wenn die genauen Daten vorliegen. Dies ist auch der Grund für die berühmte Ahnenforschung der Mormonen, die sie mit außerordentlichem Aufwand betreiben.

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