WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

USA Herabstufung mit fatalen Folgen

Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat die USA herabgestuft. Nun drohen gravierende Folgen. Die fünf wichtigsten Fragen und Antworten.

Die amerikanische Quelle: dpa

Warum hat Standard & Poors’s die USA herabgestuft?

„AA+“ statt die Bestnote „AAA“. Die USA wurden erstmals in ihrer Geschichte von der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) herabgestuft. Zudem warnte die Agentur, der Ausblick bleibe negativ. Eine weitere Abstufung innerhalb der nächsten zwei Jahre ist damit möglich. Grund des „downgrading“ ist der enorm hohe Schuldenberg, den die USA vor sich hinschieben – und der fehlende Glaube, dass die Weltmacht aus dem Schuldensog kommen kann. Die USA sind derzeit mit 14,3 Billionen Dollar verschuldet.

Bis vor einer Woche drohte dem Land die Zahlungsunfähigkeit, da die gesetzlich erlaubte Schuldenobergrenze erreicht wurde. Nach wochenlangem Tauziehen zwischen Demokraten und Republikanern konnte das Schreckensszenario zunächst abgewendet werden. Die Obergrenze wurde angehoben. 2,5 Billionen Dollar sollen gleichzeitig eingespart werden. Zu wenig, findet allerdings S&P. Die Agentur hatte bereits zuvor erklärt, nach ihren Berechnungen seien Einsparungen in Höhe von vier Billionen Dollar nötig, um eine langfristige Schuldenkonsolidierung zu erreichen. Die Herabstufung ist die logische Konsequenz.

Vertrauen in Staatsanleihen gefährdet

Was bedeutet die Herabstufung für die USA?

Die USA müssen damit rechnen, künftig für die Aufnahme frischen Geldes höhere Zinsen zahlen zu müssen. Je höher das Kreditrisiko der Gläubiger, desto höhere Renditen erwarten sie für ihren Einsatz. Die USA müssten dann neben der Tilgung ihrer riesigen Schulden zusätzlich eine wachsende Zinslast schultern. Ein Teufelskreislauf könnte in Gang gesetzt werden. Denn: Mit den höheren Belastungen fehlt Geld, um die Wirtschaft anzukurbeln. Jobs fallen weg, Steuereinnahmen werden geringer, die Probleme immer größer.

Was bedeutet die Herabstufung für die Weltwirtschaft?

Im schlimmsten Fall könnte das gesamte Weltfinanzsystem zusammenbrechen. Bisher galten  Staatsanleihen als per se sicher, sprich: Gläubiger konnten sich darauf verlassen ihr Geld (plus Zinsen) wiederzubekommen. Die Herabstufung der USA, der Wirtschafts-Supermacht, könnte das Vertrauen in Staatsanleihen demontieren – in amerikanische Anleihen, aber auch in europäische, asiatische und sonstige Staatsanleihen. Wäre das so, wären Staaten vom Geldfluss abgetrennt, sie bekämen keine Kredite mehr. Da der überwiegende Teil der Nationen derzeit Haushaltsdefizite aufweist, wären die Staaten zeitnah zahlungsunfähig. Allerdings: Noch ist dieses Szenario unwahrscheinlich. Schließlich hat bislang nur S&P die USA herabgestuft, bei Moody’s und Fitch genießen US-Staatsanleihen noch höchstes Ansehen.

Wie werden die Börsen reagieren?

Alle erwarten, dass die Börsen weiter abstürzen werden. Der Verkauf von Papieren, der die wichtigsten Leitbörsen in den vergangenen acht Handelstagen in die Tiefe rauschen ließ, wird aller Voraussicht nach weiter zunehmen. Der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, erwartet nach der Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit gar einen Ausverkauf an den Börsen. „Die Herabstufung wird die Verunsicherung an den Märkten noch weiter treiben“, sagt Horn. Institutionelle Anleger müssten nun reagieren und ihre jeweiligen Portfolios umschichten. Als Beispiel nennt der Ökonom Lebensversicherungen, die Staatsanleihen mit Bestnote in ihren Portfolios benötigen - sie müssten jetzt die ehemals als sicher eingestuften US-Papiere abstoßen. „An den Börsen werden auch in der neuen Handelswoche turbulente Tage zu erwarten sein“, prophezeit Horn.

Was die Staaten tun können

Wie können die USA und die größten Wirtschaftsnationen der Welt gegensteuern?

Langfristig können die Nationalstaaten das Vertrauen der Anleger nur zurückgewinnen, in denen sie ihre Haushalte konsolidieren und seriös wirtschaften. Kurzfristig müssen sie die Märkte beruhigen, in denen sie Sicherheit demonstrieren – und untereinander vertrauen. Fast ein Drittel der US-Staatsanleihen etwa liegt im Besitz ausländischer Staaten. China ist der größte Gläubiger der USA, die Vereinigten Staaten schulden dem Riesenreich über eine Billion Dollar. Würde sich China von großen Teilen seiner Anleihen trennen, würden Privatanleger nachziehen und das System ins Wanken bringen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%