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USA Wie Barack Obama die Weltwirtschaft retten will

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Obama hat Wechsel und Wandel versprochen; was er liefert, sind politische Wetterstürze. Mit wirbelwindiger Geschwindigkeit fegt er über das politische Parkett, hebt fest verschraubte Weltsichten aus den Angeln, lässt Moral und Ethik regnen – und lässt endlich mal wieder die Sonne der westlichen Werte aufgehen, der Freiheit, Selbstbestimmung und Demokratie.

Gleichzeitig leistet Obama mit jeder Reise einen weiteren Beitrag zum Global Warming. Höflich kommt er Russland, Kuba, Mexiko und dem Iran entgegen und bietet allseits respektvolle Beziehungen auf Augenhöhe an. Er verspricht seinen „Partnern“ zuzuhören, signalisiert Lernbereitschaft – und er beschämt eine erstarrte Weltdiplomatie mit der Fähigkeit zur Selbstkritik. An der Heimatfront trifft Obama auf gleichermaßen entsetzte wie hilflos überrumpelte Republikaner, die nicht etwa die Folterpraxis der Regierung George W. Bush problematisch finden, sondern die Veröffentlichung der Folterpraktiken durch die Regierung Obama. In den Hauptstädten der Welt wiederum trifft Obama auf konsternierte Staatschefs wie Venezuelas Hugo Chávez, die sich kurzfristig gebauchpinselt fühlen, im Abglanz Obamas sonnen und an seiner Seite zum Licht der Fernsehkameras drängen – die aber in Wahrheit schon ahnen, wie schwer es ihnen künftig fallen wird, das wirtschaftliche Siechtum ihrer Heimatländer als Resultat eines ausbeuterischen Yankee-Imperialismus zu verkaufen.

Obama steht für eine Globalisierung der Politik

Und so treibt Obama Freund und Feind in seine Arme, drückt sie an seine Brust – und lässt sie nicht merken, dass seine Umarmungsstrategie zwar auch Umarmung, vor allem aber Strategie ist. Obama überwältigt die Welt mit seiner Freundlichkeit, in der einen Hand das gezückte Moralschwert, in der anderen eine finster entschlossen blickende Friedenstaube – und wer sich seinem Kreuzzug der Güte in den Weg stellt, wird künftig nicht nur mit der Gegnerschaft Amerikas zu rechnen haben, sondern mit der einer grenzenlosen „Wertegemeinschaft“ von vernetzten Weltbürgern. Mit Obama kommt die Globalisierung endlich auch in der Politik an. Seine direkte Demokratie über Fernsehen, Internet, Youtube und SMS hat den Charakter einer permanenten NGO-Kampagne – und sie erstreckt sich beileibe nicht nur auf das amerikanische Volk, im Gegenteil: Sein Kurs ist vor allem von der weltweiten Hoffnung auf eine bessere Zukunft gedeckt.

Die Ironie seiner revolutionären Erdkreispolitik liegt darin: Obama lässt die innenpolitische Opposition und auch die traditionellen Gegner Amerikas wie übellaunige Spaßverderber aussehen, die die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt haben.

„America first“? Für Barack Obama ist das Schnee von gestern. Er ist der erste US-Präsident, der die Nachkriegsordnung nicht für eine politische Einbahnstraße, sondern für eine Sackgasse hält. Deshalb wirbt Obama für eine neue, multipolar organisierte Welt – idealerweise ausgestattet mit neuen, zeitgemäßen Institutionen. Mit Begriffen wie „atlantische Partnerschaft“ und „pazifisches Zeitalter“ kann er nichts anfangen. „Obama denkt internationale Beziehungen nicht geografisch“, sagt der Princeton-Absolvent Thomas Wright, der Obama im Wahlkampf in der Außenpolitik beraten hat: „Deshalb wird es nicht darauf ankommen, was Asien oder Europa ihm bedeuten, sondern darauf, ob und wie Asien oder Europa zur Lösung des ein oder anderen Problems beitragen können.“ Obama, sagt Wright, heute Programmdirektor beim Chicago Council on Global Affairs, einer renommierten Denkfabrik: „Obama will Lösungen, nichts als Lösungen.“

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