Varoufakis und Schäuble Sie streiten sich wieder

Finanzminister Schäuble und sein ehemaliger Kollege Varoufakis haben eins gemeinsam: Sie kritisieren sich gerne und in aller Öffentlichkeit. Jetzt soll Schäuble Bundestagspräsident werden – und Varoufakis äußert sich.

Yanis Varoufakis äußert sich kritisch über Finanzminister Wolfgang Schäuble Quelle: Reuters

Wolfgang Schäuble beschäftigte sich als Finanzminister mit der Euro-Schuldenkrise und dem Umbau der Währungsunion. Er kritisierte aber auch die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank – und am liebsten seinen damaligen griechischen Kollegen Yanis Varoufakis. Die beiden Finanzminister nutzten jede Gelegenheit um sich öffentlich zu streiten und gegenseitig zu belehren. Jetzt soll Wolfgang Schäuble Bundestagspräsident werden – und Varoufakis ist mit seiner Einschätzung zur Stelle.

Der ehemalige griechische Finanzminister blickt auf Schäubles Politik zurück und zieht ein Resümee für Europa: „Wolfgang Schäuble mag das Bundesministerium der Finanzen verlassen haben, aber sein Vorhaben, die Euro-Krise zu nutzen, um die Eurozone in einen eisernen Käfig der Stabilität zu verwandeln lebt fort und regiert.“ Der Aufstieg der FDP stelle sicher, so der griechische Politiker, dass Schäubles Rückzug die Politik nicht kippen werde, mit der er alle getan habe, was möglich war, damit sich die die Eurozone nicht in eine lebensfähige Makroökonomie verwandeln könne. Varoufakis sieht in der Bundestagswahl vor allem einen großen Verlierer. „Emmanuel Macron und mit ihm all diejenigen, die glaubten, dass das Establishment das Potenzial hat, Lösungen zu generieren, die mittelfristig zur einer demokratischen europäischen Föderation führen“, erklärt er. Diese Illusionen werde spätestens dann zerstört werden, „wenn Wolfgang Schäuble den Taktstock für das Bundesfinanzministerium an eine noch „schäublerische“ Partei übergibt, die entschlossen ist den Grexit zu fördern und selbst den kleinsten Vorschlag zur Föderation ablehnt.“

Der ehemalige griechische Finanzminister vermutet, dass Schäuble nur all diese Jahre durchgehalten habe, um die Eurozone zerbrechlich zu halten, während die Krise weiterköchelte und nicht gelöst wurde. Einen Grund für Schäubles Vorgehen liefert Varoufakis im nächsten Satz mit: „Solange die Eurozone nach wie vor zerbrechlich ist und die Krise köchelt ist die Androhung des Austritts aus dem Euro stark und funktioniert als eine Methode zur Disziplinierung der Defizitländer.“

Die FDP, die den Taktstock vom scheidenden Finanzminister übernehmen soll, zeichne sich durch ihr Festhalten an Schäubles Plänen aus. Und das sieht eine „fragile, in einer permanenten kontrollierten Krise befindlichen Eurozone“ vor, so der griechische Politiker. „Die einzige rationale Erwartung an die neue Regierung von Frau Merkel kann nur sein, dass die Euro-Krise fortgesetzt wird – von Berlin so gewollt und nicht als Unglück – und damit die von ihr geborenen fremdenfeindlichen, politischen Monster gestärkt werden.“

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%