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Venezuela Eine Ölmacht in der Hungerkrise

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Maduro kämpft einen „ökonomischen Krieg“

Rückblick auf das schwarze Jahr 2017 in Venezuela: Monatelange Proteste, Straßenschlachten, Tränengas über Caracas. Über 120 Tote, tausende Festnahmen. Die linientreue Generalstaatsanwältin Luisa Ortega Díaz bricht mit Maduro, sie wird zur Gegenspielerin. Kurz vor ihrer Festnahme kann sie mit ihrem Mann per Boot nach Aruba und weiter nach Kolumbien flüchten. Weitere Oppositionelle fliehen oder sitzen im Gefängnis. Einer der Hoffnungsträger, der 31 Jahre alte Freddy Guevara, ist gefangen im Asyl in der Botschaft Chiles.

Nach einer Wahl, die von der Opposition boykottiert wurde, setzte Maduro eine linientreue Volksversammlung ein, die eine neue Verfassung erarbeiten soll. Nach kubanischem Vorbild ist sie eine Art „Volksrat“, der alle relevanten Entscheidungen trifft, darunter auch die Entmachtung des Parlaments, in dem die Opposition eine klare Mehrheit hatte. Die abgehängten Bilder von Hugo Chávez, Begründer des Sozialismus des 21. Jahrhunderts, wurden in der Nationalversammlung wieder aufgehängt. Die Proteste kamen danach abrupt zum Erliegen.

Maduro macht einen „ökonomischen Krieg“ und den niedrigen Ölpreis für das Elend verantwortlich - die Wahrheit liegt eher in Misswirtschaft, dem Verlassen allein auf das Öl - und in Korruption. Es gibt Hinweise, dass sich Militärs und Sozialisten sogar an dem System mit der Lebensmittelverteilung bereichern: Pakete werden abgezweigt und für ein Vielfaches auf dem blühenden Schwarzmarkt verkauft.

Unter den Armen, die durch Sozialprogramme und hunderttausende neue Wohnungen erstmals richtige Unterstützung erfuhren, ist der Zuspruch trotz allem weiterhin hoch, sogenannte Colectivos verbreiten immer wieder bewaffnet auf Motorrädern Angst bei den Gegnern Maduros.

Das millionenfach ausgestellte „Carnet de Patria“ ist eine Art „Ich-halte-zu-Maduro-Ausweis“. In der Not steigt der Druck, sich zumindest auf dem Papier zu den Sozialisten zu bekennen, während die Gegner tagelang vor Supermärkten Schlange stehen, in denen die meisten Regale ohnehin leer sind. Maduro zur Hilfe kommt auch die Zerstrittenheit der Opposition - die auch keinen rechten Draht zum Heer der Armen gefunden hat. Viele kommen aus der Oberschicht, die per WhatsApp überteuerte Essenslieferungen nach Hause bestellt.

Ex-Planungsminister Ricardo Hausmann, heute Professor in Harvard, betont, die Zahl der Hungernden sei stark gestiegen, zudem würden 350.000 Barrel Öl weniger pro Tag gefördert als im Mai. Er bringt als letzten Ausweg eine militärische Intervention ins Spiel. Das weiterhin tagende, aber machtlose Parlament solle Maduro mit der Oppositionsmehrheit des Amtes entheben, und eine Übergangsregierung benennen - die von den Sozialisten natürlich nicht anerkennt würde.

Deshalb müsste man dann das Ausland um militärische Hilfe bitten. Er fordert einen „Día D para Venezuela“, einen Tag der Intervention. Doch fast alle Experten halten das wegen der Größe und Stärke des Militärs für eine schlechte Idee: dem Land drohe dann ein Gemetzel.

Das sind die korruptesten Länder der Welt
Venezuela Quelle: AP
Guinea-Bissau: Parlamentsgebäude in der Hauptstadt Bissau Quelle: AP
Afghanistans Hauptstadt Kabul Quelle: REUTERS
Libyens Hauptstadt Tripolis Quelle: dpa
Der im SUdan autoritär regierenden Präsidenten Umar al-Baschir Quelle: REUTERS
Jemens Hauptstadt Sanaa, die zur Zeit von Rebellen besetzt ist Quelle: dpa
Syriens im Krieg zerstörte Stadt Aleppo Quelle: dpa
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